Ratgeber · Fristen, Formulare und Zielgruppen · Stand 25.10.2026

AU Bescheinigung: Frist beim Arbeitgeber und Pflichten nach der OP

Sie müssen Ihrem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich melden, in der Regel am ersten Krankheitstag. Dauert sie länger als drei Kalendertage, ist spätestens am darauffolgenden Arbeitstag eine ärztliche Bescheinigung nötig, der Arbeitgeber darf sie auch früher verlangen. Gesetzlich Versicherte müssen keinen gelben Schein mehr vorlegen, die Praxis übermittelt die elektronische Bescheinigung (eAU) an die Krankenkasse und der Arbeitgeber ruft sie dort ab.

Welche Fristen gelten für die Krankmeldung?

Das Entgeltfortzahlungsgesetz unterscheidet zwei Pflichten, die Anzeige und den Nachweis (§ 5 EntgFG). Beide laufen unabhängig voneinander.

PflichtFristWas genau gilt
Anzeige der ArbeitsunfähigkeitunverzüglichSie teilen mit, dass Sie arbeitsunfähig sind und wie lange voraussichtlich. Ein Anruf, eine Nachricht oder eine E-Mail genügt, wenn der Betrieb das akzeptiert.
Nachweis durch ärztliche Bescheinigungspätestens am Arbeitstag nach dem dritten KalendertagDauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist die Bescheinigung vorzulegen.
Frühere Vorlageauf Verlangen des ArbeitgebersDer Arbeitgeber darf die Bescheinigung schon ab dem ersten Tag fordern. Eine Regel im Arbeitsvertrag oder im Betrieb ist möglich.
Verlängerungvor Ablauf der bisherigen BescheinigungDauert die Arbeitsunfähigkeit länger als bescheinigt, ist eine neue Bescheinigung nötig.

Das Wort unverzüglich bedeutet ohne schuldhaftes Zögern. Wer sich am Morgen des ersten Krankheitstages vor Dienstbeginn meldet, ist auf der sicheren Seite. Bei einer geplanten Operation informieren Sie den Arbeitgeber idealerweise schon vorher über den Termin und die voraussichtliche Ausfallzeit.

Beispiel zur Fristberechnung: Sie sind ab Montag krank. Montag, Dienstag und Mittwoch sind die ersten drei Kalendertage. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger, muss die Bescheinigung spätestens am Donnerstag vorliegen. Verlangt Ihr Arbeitgeber die Bescheinigung ab dem ersten Tag, ist sie bereits am Montag fällig. Wochenenden und Feiertage zählen bei den drei Kalendertagen mit, der Folgetag ist aber ein Arbeitstag.

Wie funktioniert die eAU für gesetzlich Versicherte?

Seit 2023 läuft die Meldung für gesetzlich Versicherte elektronisch. Die Arztpraxis oder die Klinik übermittelt die Daten der Arbeitsunfähigkeit an die Krankenkasse, und der Arbeitgeber ruft sie dort ab. Eine Papierbescheinigung für den Arbeitgeber ist nicht mehr nötig. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass für gesetzlich Versicherte die Vorlagepflicht nach den Sätzen 2 bis 5 des § 5 EntgFG nicht gilt. Stattdessen müssen Sie die Arbeitsunfähigkeit ärztlich feststellen lassen und sich eine Bescheinigung aushändigen lassen.

Was bleibt Ihre Aufgabe?

  • Den Arbeitgeber unverzüglich informieren, dass Sie arbeitsunfähig sind.
  • Zur Praxis gehen und die Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen, bei längerer Krankheit rechtzeitig die Folgebescheinigung einholen.
  • Die ausgehändigte Papierbescheinigung für Ihre Unterlagen aufbewahren. Sie dient als Beweismittel, falls der elektronische Abruf nicht klappt.

Der Arbeitgeber darf die Daten nur einzeln für die betroffene Person abrufen, ein pauschaler oder regelmäßiger Abruf aller Beschäftigten ist nicht zulässig. Ein Abruf am ersten Tag liefert oft noch keinen Nachweis, weil die Daten bei der Kasse erst eingehen müssen. Nach den Hinweisen der Krankenkassen ist ein Abruf bei der gesetzlichen Regel frühestens ab dem fünften Kalendertag sinnvoll.

Was gilt für Privatversicherte und Sonderfälle?

Das elektronische Verfahren gilt für gesetzlich Versicherte und für Praxen, die am Verfahren teilnehmen. In diesen Fällen bleibt es bei der Papierbescheinigung:

  • Privat Versicherte,
  • Krankschreibungen durch Privatärztinnen und Privatärzte oder durch Privatkliniken,
  • Erkrankungen im Ausland,
  • geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten.

Privat Versicherte legen die ärztliche Bescheinigung dem Arbeitgeber weiter selbst vor, und zwar nach den Fristen des § 5 Absatz 1 EntgFG: Meldung sofort, Bescheinigung nach dem dritten Kalendertag oder früher, wenn der Arbeitgeber das verlangt. Weitere Pflichten gegenüber der Krankenkasse bestehen für sie nicht, weil sie kein Krankengeld nach dem SGB V erhalten. Ein Krankentagegeld aus dem privaten Vertrag hat eigene Melderegeln, die Sie den Versicherungsbedingungen entnehmen.

Sind Sie bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland, müssen Sie Arbeitsunfähigkeit, voraussichtliche Dauer und Adresse am Aufenthaltsort auf dem schnellstmöglichen Weg mitteilen, gesetzlich Versicherte zusätzlich ihrer Krankenkasse. Die Rückkehr melden Sie dem Arbeitgeber und der Kasse unverzüglich (§ 5 Absatz 2 EntgFG).

Wann stellt die Praxis die Bescheinigung aus und wie lange gilt sie?

Die Ärztin oder der Arzt stellt die Arbeitsunfähigkeit nach Untersuchung fest und entscheidet über die voraussichtliche Dauer. Nach einer Operation liegt die erste Bescheinigung oft bereits mit der Entlassung vor oder wird in der Nachsorge ausgestellt. Das Krankenhaus darf im Rahmen des Entlassmanagements Arbeitsunfähigkeit für einen begrenzten Zeitraum nach der Entlassung bescheinigen (§ 39 Absatz 1a SGB V). Fragen Sie vor der Entlassung, bis wann die Bescheinigung gilt und wer die Folgebescheinigung ausstellt, die Hausarztpraxis oder die chirurgische Praxis.

Eine rückwirkende Krankschreibung ist nur ausnahmsweise und nur für wenige Tage möglich, nach der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses in der Regel bis zu drei Tage. Verlassen Sie sich nicht darauf, sondern gehen Sie am ersten Tag zur Praxis, wenn Ihre Beschwerden eine Bescheinigung erfordern. Ob Sie für die Krankschreibung persönlich erscheinen müssen oder eine telefonische oder digitale Feststellung möglich ist, regeln die Richtlinie und die Praxis im Einzelfall.

Was passiert, wenn die Frist versäumt wird?

Legen Sie die Bescheinigung nicht rechtzeitig vor, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern, bis die Bescheinigung vorliegt. Das ergibt sich aus dem Leistungsverweigerungsrecht nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz. Wird sie nachgereicht, muss er das Entgelt für die Zeit nachzahlen. Zusätzlich kann eine wiederholte Verspätung arbeitsrechtliche Folgen haben, etwa eine Abmahnung. Das hängt vom Einzelfall und vom Arbeitsvertrag ab.

Bei der Krankenkasse gilt: Das Krankengeld ruht, solange die Arbeitsunfähigkeit nicht gemeldet wird, es sei denn, die Meldung erfolgt innerhalb einer Woche oder die Daten werden elektronisch übermittelt (§ 49 Absatz 1 Nr. 5 SGB V). Die Folgebescheinigung für das Krankengeld muss spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende ausgestellt werden, Samstage zählen nicht (§ 46 SGB V).

Checkliste für die Zeit rund um die Operation

  1. Arbeitgeber über Operationstermin und voraussichtliche Ausfallzeit informieren.
  2. Am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit melden, schriftlich oder wie im Betrieb üblich.
  3. Vor der Entlassung klären, ob eine AU-Bescheinigung vorliegt und bis wann sie gilt.
  4. Termin für die Folgebescheinigung vor Ablauf einplanen, Wochenenden und Feiertage einrechnen.
  5. Papierbescheinigung aufbewahren, auch wenn die eAU elektronisch läuft.
  6. Bei Privatversicherung die Bescheinigung selbst fristgerecht weiterleiten.

Dieser Text informiert über die gesetzlichen Fristen. Er ersetzt weder eine arbeitsrechtliche Beratung im Einzelfall noch die ärztliche Beurteilung Ihrer Arbeitsfähigkeit. Wie lange Sie nach einem Eingriff arbeitsunfähig sind, klären Sie mit Ihrem behandelnden Chirurgen oder Ihrer Chirurgin.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Bis wann muss ich mich beim Arbeitgeber krankmelden?

Unverzüglich, in der Regel am ersten Krankheitstag vor Arbeitsbeginn. Sie melden die Arbeitsunfähigkeit und ihre voraussichtliche Dauer. Eine feste Uhrzeit nennt das Gesetz nicht, der Arbeitsvertrag oder die Betriebsregeln können sie festlegen.

Ab dem wievielten Tag brauche ich eine AU-Bescheinigung?

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist spätestens am darauffolgenden Arbeitstag eine ärztliche Bescheinigung nötig. Der Arbeitgeber darf sie auch schon ab dem ersten Tag verlangen.

Muss ich die eAU selbst beim Arbeitgeber abgeben?

Als gesetzlich Versicherter nicht. Die Praxis übermittelt die Daten an Ihre Krankenkasse, der Arbeitgeber ruft sie dort ab. Sie müssen sich aber weiterhin krankmelden und die Arbeitsunfähigkeit ärztlich feststellen lassen.

Was gilt für Privatversicherte bei der Krankschreibung?

Privat Versicherte erhalten weiterhin eine Papierbescheinigung und legen sie dem Arbeitgeber selbst vor. Es gelten dieselben Fristen wie für gesetzlich Versicherte, ein elektronischer Abruf findet nicht statt.

Was passiert, wenn ich die Krankmeldung zu spät abgebe?

Der Arbeitgeber kann die Entgeltfortzahlung zurückhalten, bis die Bescheinigung vorliegt, und bei wiederholten Verspätungen arbeitsrechtlich reagieren. Bei der Krankenkasse kann das Krankengeld ruhen, wenn die Meldung weder elektronisch noch binnen einer Woche erfolgt.

Kann ich nach einer OP rückwirkend krankgeschrieben werden?

Eine rückwirkende Feststellung ist nur ausnahmsweise und nur für wenige Tage vorgesehen, in der Regel bis zu drei Tage. Holen Sie die Bescheinigung deshalb möglichst sofort. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.