Ratgeber · Unfall und Verletzung · Stand 25.10.2026

Tetanus-Impfung nach Verletzung: Wann ist eine Auffrischung nötig?

Nach einer Verletzung wird der Tetanusschutz geprüft. Sind mindestens drei Impfungen dokumentiert, genügt bei sauberen, geringfügigen Wunden eine Auffrischung ab 10 Jahren nach der letzten Impfung, bei allen anderen Wunden bereits ab 5 Jahren. Wer ungeimpft ist oder den Impfstatus nicht kennt, erhält zusätzlich Tetanus-Immunglobulin.

Warum Tetanus nach Verletzungen ein Thema ist

Tetanus (Wundstarrkrampf) wird durch Sporen des Bakteriums Clostridium tetani ausgelöst. Sie kommen in Erde und Staub vor und können über kleinste Wunden in den Körper gelangen. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass auch Bagatellverletzungen Eintrittspforten sein können und ärztliches Personal den Impfstatus prüfen soll. Die Impfung ist der Schutz vor Tetanus, deshalb zählt Ihr Impfausweis.

Die Inkubationszeit beträgt laut RKI in der Regel drei Tage bis drei Wochen, kann aber zwischen einem Tag und mehreren Monaten liegen. Fragen Sie deshalb auch bei einer Verletzung, die schon einige Tage zurückliegt, ärztlich nach dem Impfschutz.

Wann ist die Auffrischung nötig? Die STIKO-Tabelle

Die STIKO unterscheidet laut Empfehlungen 2026 (Epidemiologisches Bulletin 4/2026) zwischen sauberen, geringfügigen Wunden und allen anderen Wunden. Zu den anderen Wunden zählen tiefe oder verschmutzte Wunden, Verletzungen mit Gewebszertrümmerung, Eindringen von Fremdkörpern, Biss-, Stich- und Schusswunden, schwere Verbrennungen und Erfrierungen.

WundeImpfstatusImpfung (Td, Tdap)Tetanus-Immunglobulin
Sauber, geringfügigungeimpft oder unbekanntJaJa
Sauber, geringfügigweniger als 3 ImpfstoffdosenJaNein
Sauber, geringfügig3 oder mehr, letzte vor 10 Jahren oder mehrJaNein
Sauber, geringfügig3 oder mehr, letzte vor weniger als 10 JahrenNeinNein
Alle anderen Wundenweniger als 3 Impfungen oder unbekanntJaJa
Alle anderen Wunden3 oder mehr, letzte vor 5 Jahren oder mehrJaNein
Alle anderen Wunden3 oder mehr, letzte vor weniger als 5 JahrenNeinNein

Das Immunglobulin wird im Allgemeinen in einer Dosis von 250 IE gleichzeitig mit der Impfung gegeben, an der anderen Körperseite. Bei bestimmten Wunden, etwa Biss-, Stich- oder Schusswunden, kann die Dosis auf 500 IE erhöht werden. Wurde die Grundimmunisierung begonnen, aber nicht abgeschlossen, zählt der Abstand zur letzten Dosis: Eine Impfung am Tag der Wundversorgung ist nur sinnvoll, wenn die letzte Dosis mindestens 28 Tage zurückliegt. Die endgültige Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Welcher Impfstoff wird verwendet?

Erwachsene erhalten in der Regel einen Kombinationsimpfstoff mit Tetanus und Diphtherie (Td). Wenn eine Keuchhusten-Impfung im Erwachsenenalter noch fehlt oder eine Indikation besteht, kommt ein Dreifach-Impfstoff (Tdap) zum Einsatz. Kinder unter sechs Jahren erhalten einen Kombinationsimpfstoff mit DTaP, ältere Kinder und Jugendliche Tdap. Eine einzelne Tetanus-Impfung ohne weitere Bestandteile ist in Deutschland nicht üblich.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nach der Impfung kann es zu Rötung und Schmerz an der Einstichstelle, Müdigkeit oder leichtem Fieber kommen. Schwere Reaktionen sind selten. Wer bei früheren Tetanus-Impfungen schwere allergische Reaktionen hatte, sollte das vor der Impfung nennen. Bei akuter Erkrankung mit Fieber entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob geimpft wird. Schwangere, Immunschwäche und Blutverdünner sind Punkte, die Sie vor der Spritze erwähnen. Für Personen mit Blutgerinnungsstörungen oder unter Blutverdünnern gibt es Hinweise zur Injektion, die die Praxis kennt.

Wie läuft es in der Praxis ab?

  1. Sie zeigen den Impfausweis vor oder nennen, wann Sie zuletzt gegen Tetanus geimpft wurden.
  2. Die Wunde wird gereinigt und versorgt.
  3. Die Ärztin oder der Arzt prüft Wundart und Impfstatus anhand der STIKO-Empfehlung.
  4. Falls nötig, folgt die Impfung in den Oberarm. Bei Immunglobulin-Gabe wird die zweite Spritze an der anderen Seite gesetzt.
  5. Die Impfung wird im Impfausweis eingetragen.
  6. Fehlende Impfungen der Grundimmunisierung werden nach einem Nachholschema vervollständigt.

Ohne Impfausweis gilt der Status als unbekannt. Fotografieren Sie deshalb den Impfausweis oder nutzen Sie, wenn vorhanden, den digitalen Impfnachweis.

Wann ist Eile geboten?

Lassen Sie den Tetanusschutz am Tag der Verletzung prüfen, besonders bei tiefen, verschmutzten oder Bisswunden. Sind Sie ungeimpft oder unsicher, gehört das Immunglobulin zur Wundversorgung und sollte nicht aufgeschoben werden. Typische Anzeichen von Tetanus wie Muskelsteifigkeit, Kieferklemme oder Krämpfe treten Tage bis Wochen später auf und sind ein Notfall. Dann gehen Sie sofort in die Notaufnahme oder rufen 112.

Wer zahlt die Impfung?

Die Tetanus-Impfung ist eine Empfehlung der STIKO und damit Kassenleistung. Nach einem Arbeitsunfall werden die Kosten von Tetanus-Kombinationsimpfungen nach Mitteilung der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen, soweit nach den STIKO-Empfehlungen eine Tetanus-Prophylaxe erforderlich ist.

Impfschutz selbst prüfen

Sehen Sie in Ihren Impfausweis. Eine vollständige Grundimmunisierung besteht aus mehreren Dosen im Säuglings- oder Kleinkindalter oder, bei späterem Beginn, aus drei Dosen im Abstand von Wochen bis Monaten. Danach folgen Auffrischungen. Zählen Sie die Tetanus-Einträge und notieren Sie das Datum der letzten. Mit dieser Auskunft kann die Praxis schnell entscheiden. Kombinationsimpfstoffe mit Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung zählen mit, weil sie Tetanus enthalten. Fehlt der Ausweis, bitten Sie Ihre Hausarztpraxis um einen Eintrag aus der Patientenakte.

Wenn Sie sich in einem Beruf mit hohem Verletzungsrisiko bewegen, etwa im Handwerk, in Landwirtschaft oder Garten, lohnt es sich, den Termin der nächsten Auffrischung im Kalender zu notieren.

Wie verläuft Tetanus und wer ist besonders gefährdet?

Nach dem RKI-Ratgeber (Stand 2018) lösen die Sporen des Bakteriums Clostridium tetani die Krankheit über das Toxin Tetanospasmin aus. Typisch sind anhaltende Muskelkrämpfe: Kieferklemme, ein fixiertes Lächeln (Risus sardonicus), Schluckbeschwerden und Krämpfe im Kehlkopf. Das Bewusstsein bleibt erhalten. Auch mit moderner Intensivtherapie liegt die Letalität bei 10 bis 20 Prozent. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

In Deutschland wurden in den Jahren vor 2018 weniger als 15 Erkrankungsfälle jährlich bekannt, Tetanus ist allerdings nicht meldepflichtig, die Zahl lässt sich daher nur grob einschätzen. Betroffen sind überwiegend ältere Erwachsene ohne oder mit unvollständiger Grundimmunisierung. Besonders wichtig ist ein aktueller Impfschutz bei Durchblutungsstörungen, Diabetes und Hauterkrankungen wie offenen Ekzemen oder Unterschenkelgeschwüren. Wer Tetanus überstanden hat, ist danach nicht immun und sollte ebenfalls geimpft werden. Diese Hinweise ersetzen keine ärztliche Beratung zu Ihrem individuellen Impfstatus.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Wann brauche ich nach einer Verletzung eine Tetanus-Impfung?

Bei sauberen, geringfügigen Wunden, wenn die letzte von mindestens drei Impfungen 10 Jahre oder länger her ist. Bei tiefen oder verschmutzten Wunden schon ab 5 Jahren.

Was passiert, wenn ich nicht weiß, ob ich geimpft bin?

Dann gilt der Status als unbekannt. Es wird eine Impfung gegeben, und zusätzlich Tetanus-Immunglobulin, bei sauberen, geringfügigen ebenso wie bei tiefen oder verschmutzten Wunden.

Wie oft muss man Tetanus auffrischen?

Die STIKO empfiehlt Auffrischimpfungen im Abstand von 10 Jahren, kombiniert mit Diphtherie, und einmal im Erwachsenenalter mit Keuchhusten.

Was ist Tetanus-Immunglobulin?

Das sind Antikörper, die sofort schützen. Sie werden bei fehlendem oder unklarem Impfschutz sowie bei tiefen oder verschmutzten Wunden mit weniger als drei Impfungen zusammen mit der Impfung gegeben, im Allgemeinen 250 IE.

Wie schnell muss die Impfung nach der Verletzung erfolgen?

Möglichst am Tag der Wundversorgung. Wenden Sie sich unverzüglich an eine Praxis oder Notaufnahme.

Zahlt die Krankenkasse oder die Berufsgenossenschaft die Tetanus-Impfung?

Nach Arbeitsunfällen übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten, sonst ist es eine Kassenleistung nach STIKO-Empfehlung.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.