Ratgeber · Unfall und Verletzung · Stand 25.10.2026

Notaufnahme oder Chirurg: Wohin bei welcher Verletzung?

Bei Lebensgefahr, starker Blutung, Bewusstlosigkeit oder offenem Bruch rufen Sie 112. Bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Verletzungen reichen oft eine chirurgische oder unfallchirurgische Praxis oder die Notaufnahme. Außerhalb der Sprechzeiten hilft die 116117. Bei Arbeitsunfällen gehen Sie zum Durchgangsarzt.

Der schnelle Entscheidungsbaum

  1. Droht Lebensgefahr? Bewusstlosigkeit, starke oder spritzende Blutung, Atemnot, Verdacht auf Wirbelsäulen- oder Beckenbruch, schwerer Sturz oder Verkehrsunfall: Notruf 112.
  2. Starke Schmerzen, Fehlstellung, offene Wunde, Gefühlsverlust oder blasse Gliedmaße? Notaufnahme, bei Bedarf Rettungsdienst.
  3. Dringend, aber stabil, und die Praxen haben geöffnet? Chirurgische oder unfallchirurgische Praxis mit Röntgen, bei Arbeitsunfall der Durchgangsarzt.
  4. Dringend, aber die Praxen haben geschlossen? Ärztlicher Bereitschaftsdienst unter 116117 oder Bereitschaftspraxis.
  5. Leichte Beschwerden ohne Alarmzeichen? Termin in der Hausarzt- oder Facharztpraxis, bei Bedarf über den Terminservice der 116117.

Diese Übersicht ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Im Zweifel rufen Sie lieber früher an.

Sonderfälle: Kinder, Kopf, Bisse

Bei Kindern mit Sturz auf den Kopf, wiederholtem Erbrechen, Schläfrigkeit oder Krampfanfall gehört der Weg direkt in die Notaufnahme, bei Atemnot oder Bewusstlosigkeit der Notruf. Verletzungen mit auffälliger Fehlstellung am Arm oder Bein brauchen ebenfalls schnelle Abklärung. Bisswunden von Tieren oder Menschen sollten immer ärztlich gesehen werden, weil sie sich leicht infizieren und der Tetanus- und gegebenenfalls Tollwutschutz geprüft werden muss.

Welche Verletzung gehört wohin?

VerletzungErste AnlaufstelleHinweis
Stark blutende Wunde, spritzende Blutung112Druckverband, Gliedmaße hochhalten
Offener Bruch, sichtbare Fehlstellung112 oder Notaufnahmenicht einrenken, keimfrei abdecken
Verdacht auf Bruch, Gelenk nicht belastbarNotaufnahme oder unfallchirurgische PraxisRöntgen nötig
Umgeknickter Knöchel, SchwellungUnfallchirurgische oder orthopädische PraxisNotaufnahme, wenn Auftreten unmöglich
Schnittwunde, klaffendchirurgische Praxis oder NotaufnahmeTetanusstatus mitbringen
Kopfverletzung mit Bewusstseinsstörung oder Erbrechen112 oder Notaufnahmenicht allein lassen
Leichte Prellung ohne SchwellungHausarzt, Terminkühlen, schonen
Arbeits- oder WegeunfallDurchgangsarztUnfall dem Arbeitgeber melden

Was bedeuten 112 und 116117?

Die 112 ist die Notrufnummer für lebensbedrohliche Fälle und alarmiert den Rettungsdienst. Die 116117 ist der Patientenservice für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Erkrankungen, wenn Praxen geschlossen haben. Sie ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar. Für zahnärztliche Notfälle ist sie nicht zuständig. Der ärztliche Bereitschaftsdienst bietet abends, am Wochenende und an Feiertagen Versorgung in Bereitschaftspraxen oder per Hausbesuch. Über das Terminportal der 116117 können gesetzlich Versicherte außerdem Arzttermine buchen.

Notaufnahme, Praxis oder Durchgangsarzt: Unterschiede im Überblick

AnlaufstelleStärkeGrenze
Notaufnahmerund um die Uhr, Röntgen, CT, OperationssaalWartezeit nach Dringlichkeit
Chirurgische Praxisschneller Termin möglich, Röntgen und kleine Eingriffenur zu Sprechzeiten
Durchgangsarztzuständig bei Arbeits- und Wegeunfällen, Berichtspflichtnur bei versicherten Unfällen
Bereitschaftspraxisabends und am Wochenendeeingeschränkte Diagnostik
HausarztErsteinschätzung, Überweisung, Folgeversorgungnicht immer Röntgen vor Ort

Die Notaufnahme ist für Notfälle ausgelegt. Verletzungen, die bis zum nächsten Praxisöffnungstag warten können, werden dort in der Regel nachrangig behandelt. Dennoch gilt: Wenn Sie unsicher sind, ob eine Verletzung gefährlich ist, rufen Sie an oder gehen Sie hin.

Wartezeit und Ersteinschätzung in der Notaufnahme

In vielen Notaufnahmen sortiert geschultes Pflegepersonal die Patienten mit einem Ersteinschätzungssystem nach Dringlichkeit. Verbreitet ist das Manchester-Triage-System mit fünf Stufen und Zielzeiten bis zum ersten Arztkontakt:

StufeFarbeZielzeit bis Arztkontakt
SofortRot0 Minuten
Sehr dringendOrange10 Minuten
DringendGelb30 Minuten
NormalGrün90 Minuten
Nicht dringendBlau120 Minuten

Das sind Zielwerte, keine Garantien. Die tatsächliche Wartezeit hängt von der Auslastung ab. Wer als weniger dringend eingestuft wird, wartet länger, auch wenn die Schmerzen stark sind. Melden Sie Verschlechterungen, etwa neue Taubheit, Atemnot oder stärkere Schmerzen, sofort dem Personal.

Termin statt Notaufnahme: Terminservice und Kosten

Nicht jede Verletzung muss sofort in die Notaufnahme. Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sind laut § 75 SGB V rund um die Uhr unter einer bundesweit einheitlichen Nummer erreichbar. Für Facharzttermine darf die Wartezeit vier Wochen nicht überschreiten, in der Regel ist dafür eine Überweisung nötig. Bei Akutfällen soll die Stelle auf Basis einer standardisierten Ersteinschätzung eine unmittelbare ärztliche Versorgung auf der medizinisch gebotenen Ebene vermitteln, in geeigneten Fällen auch als telefonische Konsultation.

Zur Einordnung der Kosten für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren:

  • Rettungsfahrten zum Krankenhaus übernimmt die Kasse auch dann, wenn keine stationäre Aufnahme nötig ist. Je Fahrt wird die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, abgezogen (§ 60, § 61 SGB V).
  • Bei vollstationärer Aufnahme fallen 10 Euro je Kalendertag an, begrenzt auf 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 SGB V).

Zögern Sie bei Alarmzeichen nicht wegen der Kosten. Der Rettungsdienst entscheidet vor Ort über die richtige Versorgungsebene.

Was Sie mitbringen sollten

  • Versichertenkarte und Personalausweis,
  • Impfausweis, besonders bei Wunden,
  • Medikamentenliste, vor allem Blutverdünner,
  • Angaben zum Unfallhergang und zum Zeitpunkt,
  • bei Arbeitsunfall Angaben zum Arbeitgeber und zur zuständigen Berufsgenossenschaft,
  • vorhandene Befunde oder Röntgenbilder.

Häufige Fehler

  • Mit starken Schmerzen auf den nächsten Hausarzttermin warten.
  • Bei Alarmzeichen selbst fahren statt den Rettungsdienst zu rufen.
  • Die Notaufnahme für Beschwerden nutzen, die die Praxis am nächsten Tag klären kann.
  • Den Arbeitsunfall nicht melden und danach zu einem anderen Arzt als dem Durchgangsarzt gehen.

Wie bereite ich mich auf den Weg vor?

Wenn es nicht um einen Notruf geht, lohnt ein kurzer Anruf in der Praxis oder ein Blick auf die Hinweise der Klinik. Schildern Sie in zwei Sätzen, was passiert ist, seit wann die Beschwerden bestehen und ob Sie das Gelenk noch belasten können. So lässt sich einschätzen, ob ein sofortiger Termin nötig ist.

  • Verletzte Stelle ruhigstellen, hochlagern und kühlen, ohne Eis direkt auf die Haut zu legen.
  • Wenn eine Operation wahrscheinlich ist, fragen Sie das ärztliche Personal, ob Sie noch essen und trinken dürfen. Für die Narkose kann Nüchternheit nötig sein.
  • Eine Begleitperson mitnehmen, besonders bei Kindern, älteren Menschen oder wenn Sie nicht selbst fahren sollten.
  • Schmuck und Ringe an der verletzten Gliedmaße rechtzeitig ablegen, bevor sie anschwillt.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Wann sollte ich bei einer Verletzung die 112 wählen?

Bei Lebensgefahr, etwa Bewusstlosigkeit, starker oder spritzender Blutung, Atemnot, Verdacht auf Wirbelsäulen- oder Beckenbruch oder offenem Bruch.

Wann ist die 116117 die richtige Nummer?

Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden, wenn Praxen geschlossen sind. Sie ist rund um die Uhr erreichbar und kostenlos.

Kann ich mit einem Knochenbruch direkt zum Chirurgen gehen?

Ja, eine chirurgische oder unfallchirurgische Praxis mit Röntgen ist bei stabilem Zustand eine geeignete Anlaufstelle. Bei Alarmzeichen oder geschlossener Praxis nutzen Sie die Notaufnahme.

Wie lange muss ich in der Notaufnahme warten?

Das richtet sich nach der Dringlichkeit. Beim Manchester-Triage-System liegen die Zielzeiten zwischen 0 und 120 Minuten bis zum Arztkontakt. Die tatsächliche Wartezeit kann abweichen.

Wohin bei einem Arbeitsunfall?

Zum Durchgangsarzt. In dringenden Fällen versorgt die Notaufnahme, danach erfolgt die Vorstellung beim Durchgangsarzt.

Was passiert bei der Ersteinschätzung?

Geschultes Personal erfasst Beschwerden und Vitalwerte und teilt Sie einer Dringlichkeitsstufe zu. Danach richtet sich die Reihenfolge der Behandlung.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.