Ratgeber · Karriere · Stand 24.10.2026

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie: Weiterbildung und Weg zum D-Arzt

Die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie dauert nach der Muster-Weiterbildungsordnung 72 Monate im Gebiet Chirurgie, davon 48 Monate im Fach, je 6 Monate Notfallaufnahme und Intensivmedizin und bis zu 12 Monate in anderen Gebieten. Wer später als Durchgangsarzt (D-Arzt) arbeiten möchte, braucht zusätzlich 12 Monate unfallchirurgische Tätigkeit nach dem Facharzt, sofern kein Schwerpunkt Spezielle Unfallchirurgie vorliegt.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie?

Die Weiterbildung folgt der Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer, die sich an der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO 2018, Stand 3. Juli 2026) orientiert.

BausteinMindestumfang
Gebiet Chirurgie insgesamt72 Monate unter Befugnis
Orthopädie und Unfallchirurgie48 Monate
Notfallaufnahme6 Monate
Intensivmedizin6 Monate
Andere Gebiete zum Kompetenzerwerbbis zu 12 Monate

Die Zeiten sind Mindestzeiten. Fehlende Inhalte verlängern die Weiterbildung. Teilzeit ist ab der Hälfte der regelmäßigen Wochenarbeitszeit möglich und verlängert die Dauer entsprechend. Die Prüfung legen Sie vor der Landesärztekammer ab.

Welche Inhalte und Richtzahlen verlangt die Weiterbildung?

Das Fach umfasst konservative und operative Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen und Deformitäten der Stütz- und Bewegungsorgane. Die MWBO nennt neben Kenntnissen auch Richtzahlen. Beispiele aus dem Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie:

  • Konservative Therapie bei Luxationen, Frakturen und Distorsionen: 200
  • Konservative Therapie bei degenerativen Erkrankungen: 100
  • Injektionen und Punktionen an Stütz- und Bewegungsorganen: 75, davon 50 an der Wirbelsäule
  • Therapeutische Arthroskopien an großen Gelenken: 60, davon je 20 an Knie und Schulter
  • Osteosynthesen bei Frakturen und Osteotomien an der oberen Extremität: 60
  • Primärendoprothesen: 40, davon 20 an der Hüfte und 10 am Knie
  • Polytraumamanagement mit einem ISS von mindestens 16: 10

Diese Zahlen sind Orientierungswerte aus der Musterordnung. Ihre Landesärztekammer kann abweichende Zahlen festlegen. Die Dokumentation läuft im elektronischen Logbuch, das der Weiterbildungsbefugte mindestens einmal jährlich bestätigt.

Welche operativen Richtzahlen kommen dazu?

Neben den Eingriffen im ersten Block nennt die MWBO für den Facharzt weitere operative Richtzahlen. Sie sind Orientierungswerte und werden im Logbuch belegt.

BereichRichtzahl
Weichteileingriffe an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Nerven, Synovia50 (davon 10 Nervenfreilegungen und Neurolysen, 10 notfallmäßige Gefäßversorgungen)
Osteosynthesen und Osteotomien an der unteren Extremität60 (davon je 10 Platten, Marknagelungen und Fixateur externe, 5 Zuggurtungen)
Becken- und Wirbelsäuleneingriffe15
Operative Therapie bei Infektionen an Weichteilen, Knochen oder Gelenken20
Implantatentfernungen50
Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade20
Osteodensitometrie50
Konservative Therapie bei angeborenen und erworbenen Deformitäten100

Hinzu kommen die Grundlagen des Strahlenschutzes und die Voraussetzungen für die gesetzlich geregelten Fachkunden. Welche Kurse und Nachweise Ihre Kammer dafür verlangt, steht in deren Weiterbildungsordnung. Eine Stelle mit hohem Anteil an Frakturversorgung und Endoprothetik erleichtert den Nachweis, bei Lücken hilft eine Rotation in eine zweite Abteilung.

Welche Schwerpunkte und Zusatz-Weiterbildungen schließen sich an?

Der 129. Deutsche Ärztetag 2025 hat beschlossen, die früheren Zusatz-Weiterbildungen Spezielle Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie und Orthopädische Rheumatologie in Schwerpunkte zum Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie zu überführen. Die MWBO (Stand 3. Juli 2026) weist sie als Schwerpunkte mit jeweils 24 Monaten Mindestweiterbildungszeit aus. Ob Ihre Kammer die Änderung bereits umgesetzt hat, klären Sie bei der Kammer, denn Landesrecht ist maßgeblich.

QualifikationDauerInhaltlicher Fokus
Spezielle Unfallchirurgie24 Monateschwere Verletzungen, komplexe Frakturen, Beckenringfrakturen, Gutachten nach SGB VII
Spezielle Orthopädische Chirurgie24 Monatekomplexe orthopädisch-chirurgische Eingriffe, Gutachten
Orthopädische Rheumatologie24 Monaterheumatische Erkrankungen der Bewegungsorgane
Handchirurgie (Zusatz-Weiterbildung)24 Monate HandchirurgieHand und distaler Unterarm

Wie wird man D-Arzt?

Das Durchgangsarztverfahren (DAV) ist Teil der Heilbehandlung der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Anforderungen der Unfallversicherungsträger nach § 34 SGB VII (Stand 1. Januar 2024) sind verbindlich. Die wichtigsten:

  • Berechtigung zum Führen der Facharztbezeichnung Orthopädie und Unfallchirurgie und fachlich sowie fachlich-organisatorisch weisungsfreie Tätigkeit.
  • Nach der Facharztanerkennung mindestens 12 Monate vollschichtig unfallchirurgische Tätigkeit in einer Abteilung zur Behandlung Schwerunfallverletzter eines am Verletzungsarten- oder Schwerstverletzungsartenverfahren beteiligten Krankenhauses, nachgewiesen durch ein qualifiziertes Zeugnis. Der Nachweis entfällt bei vorhandener Spezieller Unfallchirurgie.
  • Erfolgreiche Teilnahme an einem Einführungsseminar zur Durchgangsarzttätigkeit, das nicht länger als zwei Jahre zurückliegt.
  • Erfahrung im durchgangsärztlichen Berichtswesen, im Verordnungswesen und in der Gutachtenerstellung sowie bei Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
  • Personal: mindestens zwei medizinische Assistenzkräfte ständig anwesend, davon mindestens eine mit abgeschlossener Ausbildung.
  • Ausstattung: Untersuchungs- und Behandlungsräume, ein Eingriffsraum, Sterilisationsmöglichkeit, Röntgenanlage und Sonographie-Gerät für den Bewegungsapparat, barrierefreier Zugang.

Wer an einem Krankenhaus tätig ist, das am stationären Heilverfahren beteiligt ist, braucht die Spezielle Unfallchirurgie. Das gilt auch für ambulante Ärztinnen und Ärzte, die umfassend am ambulanten Operieren in der gesetzlichen Unfallversicherung teilnehmen wollen. Fachärzte für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie werden gleichgestellt. Den Antrag stellen Sie über das Partnerportal der Unfallversicherungsträger, Auskünfte erteilen die Landesverbände der DGUV.

Die DGUV-Anforderungen sprechen von einer Zusatz-Weiterbildung Spezielle Unfallchirurgie. Weil die Muster-Weiterbildungsordnung sie als Schwerpunkt führt, sollten Sie prüfen, welche Bezeichnung Ihre Kammer vergibt und ob die DGUV sie anerkennt.

Wie finde ich eine Weiterbildungsstelle in Orthopädie und Unfallchirurgie?

Weiterbildungsbefugnisse werden von der Landesärztekammer personenbezogen erteilt und im Befugtenverzeichnis geführt. Da die Weiterbildung 48 Monate im Fach verlangt, lohnt der Blick auf die Befugnis in Monaten: Hat ein Chefarzt nur 24 Monate, brauchen Sie eine zweite Stätte. Fragen Sie im Gespräch nach Eingriffszahlen in Endoprothetik, Arthroskopie und Frakturversorgung, weil diese direkt mit den Richtzahlen zusammenhängen. Wer später D-Arzt werden will, achtet zusätzlich darauf, ob die Klinik am Verletzungsarten- oder Schwerstverletzungsartenverfahren der Unfallversicherungsträger beteiligt ist, denn die 12 Monate unfallchirurgische Tätigkeit nach dem Facharzt müssen in einer solchen Abteilung stattfinden. Die Anrechnung von Zeiten bei einer ambulant oder an einem beteiligten Krankenhaus tätigen Durchgangsärztin oder einem Durchgangsarzt ist nach den DGUV-Anforderungen bis zu sechs Monate möglich, sofern diese nach der Facharztanerkennung absolviert wurden.

Tipps für die Planung der Weiterbildung

  • Befugnis des Chefarztes in Monaten schriftlich klären, getrennt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
  • Notfallaufnahme und Intensivzeit früh einplanen, weil diese Zeiten im Gebiet Chirurgie Pflicht sind.
  • Wer D-Arzt werden will, achtet früh darauf, in einem Haus mit Beteiligung am Verletzungsarten- oder Schwerstverletzungsartenverfahren zu arbeiten.
  • Richtzahlen für Arthroskopien, Endoprothetik und Osteosynthesen im Logbuch quartalsweise abgleichen.
  • Rotation zwischen Orthopädie und Unfallchirurgie vertraglich festhalten.

Dieser Beitrag ersetzt keine Auskunft der Landesärztekammer oder der Unfallversicherungsträger.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie?

Mindestens 72 Monate im Gebiet Chirurgie, davon 48 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie, je 6 Monate in der Notfallaufnahme und der Intensivmedizin sowie bis zu 12 Monate in anderen Gebieten.

Was ist der Unterschied zwischen Orthopäde und Unfallchirurg?

Die Facharztbezeichnung Orthopädie und Unfallchirurgie vereint seit der Weiterbildungsreform beide Bereiche. Ältere Facharztbezeichnungen wie Orthopädie oder Chirurgie behalten ihre Gültigkeit, wenn sie nach früherem Recht erworben wurden.

Welche Voraussetzungen gelten für die Zulassung als D-Arzt?

Facharzt Orthopädie und Unfallchirurgie, nach der Anerkennung mindestens 12 Monate vollschichtige Unfallchirurgie in einem entsprechend beteiligten Krankenhaus (entfällt bei Spezieller Unfallchirurgie), ein Einführungsseminar, mindestens zwei medizinische Assistenzkräfte in der Praxis sowie Eingriffsraum, Röntgen und Sonographie.

Brauche ich die Spezielle Unfallchirurgie für das ambulante Operieren?

Ärztinnen und Ärzte, die umfassend am ambulanten Operieren in der gesetzlichen Unfallversicherung teilnehmen wollen, brauchen nach den DGUV-Anforderungen die Spezielle Unfallchirurgie. Die Grundsätze Ambulantes Operieren der DGUV enthalten die Einzelheiten.

Gibt es Richtzahlen für Arthroskopien?

Ja. Die Muster-Weiterbildungsordnung nennt 60 therapeutische Arthroskopien an großen Gelenken, davon je 20 an Knie und Schulter. Maßgeblich ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer.

Welche Richtzahlen gelten für Osteosynthesen und Implantatentfernungen?

Die MWBO nennt für Osteosynthesen und Osteotomien je 60 an der oberen und an der unteren Extremität und 50 Implantatentfernungen. Es sind Orientierungswerte. Ihre Landesärztekammer kann abweichende Zahlen festlegen, maßgeblich ist deren Weiterbildungsordnung.

Quellen

Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.