Ratgeber · Karriere · Stand 24.10.2026
MFA in der chirurgischen Praxis: Aufgaben, Fortbildung und Gehalt
Medizinische Fachangestellte in einer chirurgischen Praxis verdienen nach dem Gehaltstarifvertrag ab 1. Januar 2026 in Tätigkeitsgruppe I zwischen 2.939,59 und 3.447,73 Euro brutto im Monat, mit Fortbildung wie Ambulantes Operieren (94 oder 120 Stunden) in Tätigkeitsgruppe III oder IV zwischen 3.292,34 und 4.068,32 Euro. Der Tarif gilt allerdings nur bei Tarifbindung oder wenn der Arbeitsvertrag darauf verweist.
Hauptratgeber zum Thema Karriere: Facharzt Chirurgie: Weiterbildung, Dauer und Ablauf
Welche Aufgaben hat eine MFA in der chirurgischen Praxis?
Der Alltag unterscheidet sich von der Hausarztpraxis durch mehr Wundversorgung, Verbandstechnik, Instrumenten- und Hygienemanagement und die Vorbereitung von Eingriffen. Typisch sind:
- Anmeldung, Terminplanung und Abrechnung inklusive Unterlagen für Unfallversicherungsträger,
- Verbandwechsel, Wundversorgung, Fadenentfernung und Gipsanlage nach ärztlicher Anordnung,
- Vorbereitung und Nachbereitung kleiner Eingriffe, Instrumentenaufbereitung und Sterilisation,
- Mitwirkung bei Röntgenaufnahmen im Rahmen der Strahlenschutz-Qualifikation,
- Dokumentation, Hygienedokumentation und Qualitätssicherung.
Der Gehaltstarifvertrag stellt klar: MFA tragen die Verantwortung für die fachgerechte Durchführung der ihnen übertragenen Aufgaben, die medizinische und haftungsrechtliche Gesamtverantwortung bleibt aber bei der Ärztin oder dem Arzt. Welche Leistungen delegierbar sind, bestimmt das Recht, nicht der Praxisalltag. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Ärztekammer nach.
In Praxen, die am Durchgangsarztverfahren der Unfallversicherungsträger teilnehmen, sieht die DGUV vor, dass mindestens zwei medizinische Assistenzkräfte ständig anwesend sind, davon mindestens eine mit abgeschlossener Ausbildung.
Wie läuft die Ausbildung zur MFA ab?
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und läuft dual in der Praxis und in der Berufsschule. Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Medizinischen Fachangestellten vom 26. April 2006. Zuständig sind die Landesärztekammern, die Ausbildungsverhältnisse eintragen, beraten und die Abschlussprüfung abnehmen. Die Kammer prüft auch, ob die Praxis als Ausbildungsstätte geeignet ist.
Die Tarifvergütung für Auszubildende beträgt seit 1. Januar 2026 monatlich 1.050 Euro im ersten, 1.150 Euro im zweiten und 1.250 Euro im dritten Ausbildungsjahr, wenn der Gehaltstarifvertrag gilt.
Welche Fortbildungen sind in der Chirurgie sinnvoll?
Der Gehaltstarifvertrag verknüpft Tätigkeitsgruppen mit Fortbildungsstunden. Beispiele aus dem Vertragstext, die für chirurgische Praxen passen:
| Fortbildung | Umfang | Tarifbeispiel |
|---|---|---|
| Ambulantes Operieren | 94 Stunden | Tätigkeitsgruppe III |
| Strahlenschutzkurs nach StrlSchV | 90 Stunden | Tätigkeitsgruppe III |
| Ambulantes Operieren | 120 Stunden | Tätigkeitsgruppe IV |
| Hygienemanagement | nach Curriculum | Tätigkeitsgruppe II und IV |
| Wundmanagement | nach Curriculum | Tätigkeitsgruppe II |
| Nichtärztliche Praxisassistenz | nach Curriculum | Tätigkeitsgruppe IV |
Maßnahmen können sich auf die Musterfortbildungscurricula der Bundesärztekammer stützen oder auf gleichwertige zertifizierte Angebote von Kassenärztlichen Vereinigungen, Kammern und Fachverbänden. Die Bundesärztekammer führt eine Übersicht der Fortbildungsangebote der Ärztekammern (Stand 18. Mai 2026). Wichtig: Die Fortbildung wirkt sich nur auf das Gehalt aus, wenn die erworbenen Fertigkeiten am Arbeitsplatz tatsächlich angewendet werden.
Was verdient eine MFA in der chirurgischen Praxis nach Tarif?
Der Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte (gültig ab 1. Januar 2025, Tabelle ab 1. Januar 2026) gilt für MFA in Einrichtungen der ambulanten Versorgung. Die Beträge sind Vollzeit-Bruttogehälter. Teilzeitkräfte erhalten pro Stunde 1/167 des Vollzeitgehalts.
| Tätigkeitsgruppe | Berufsjahre 1 bis 4 | ab 33. Berufsjahr |
|---|---|---|
| I (Ausbildungsabschluss) | 2.939,59 Euro | 3.447,73 Euro |
| II (40 Stunden Fortbildung) | 3.115,97 Euro | 3.654,59 Euro |
| III (80 Stunden) | 3.292,34 Euro | 3.861,46 Euro |
| IV (120 Stunden) | 3.468,72 Euro | 4.068,32 Euro |
| V (360 Stunden, leitend) | 3.762,68 Euro | 4.413,09 Euro |
| VI (600 Stunden) | 4.174,22 Euro | 4.895,78 Euro |
Zuschläge zur Tätigkeitsgruppe I betragen 6, 12, 18, 28 und 42 Prozent für die Gruppen II bis VI und sind in der Tabelle bereits enthalten. Zuschläge für Mehrarbeit: 25 Prozent für Überstunden und Samstagsarbeit, 50 Prozent für Sonn- und Feiertage sowie für Nachtarbeit, 100 Prozent an Neujahr, 1. Mai und an Oster-, Pfingst- und Weihnachtsfeiertagen. Die Regelarbeitszeit beträgt 38,5 Stunden pro Woche, der Jahresurlaub 29 Arbeitstage.
Der Tarifvertrag kann frühestens zum 31. Dezember 2026 gekündigt werden. Prüfen Sie im Jahr 2027, ob eine neue Tabelle gilt. Für Praxen ohne Tarifbindung ist der Arbeitsvertrag maßgeblich, wenn er den Tarif nicht ausdrücklich einbezieht.
Probezeit, Sonderzahlung und Teilzeit: Was regelt der Manteltarifvertrag?
Neben der Tabelle zählen die Regeln des Manteltarifvertrags. Sie gelten bei Tarifbindung oder wenn der Arbeitsvertrag darauf verweist.
- Probezeit: die ersten drei Monate, einvernehmlich um bis zu drei Monate verlängerbar. Sie entfällt, wenn Sie direkt nach der Ausbildung in derselben Praxis bleiben (§ 4).
- Sonderzahlung: zum 1. Dezember, im ersten Jahr der Betriebszugehörigkeit 50 Prozent, ab dem zweiten Jahr 70 Prozent des regelmäßigen Bruttomonatsgehalts. Voraussetzung ist ein mindestens sechs Monate bestehendes Arbeitsverhältnis (§ 12).
- Entgeltfortzahlung: bei Arbeitsunfähigkeit 100 Prozent des Gehalts bis zum Ende der sechsten Woche (§ 10).
- Berufsjahre: sie zählen ab dem Monat der bestandenen Prüfung, Elternzeit wird zur Hälfte angerechnet (§ 11).
Für Teilzeit gilt eine feste Formel (§ 14): Pro Stunde werden 1/167 des Vollzeitgehalts gezahlt. Beispiel (vereinfacht): In Tätigkeitsgruppe III, Berufsjahre 1 bis 4, sind das 3.292,34 Euro, also rund 19,71 Euro je Stunde. Bei 20 Wochenstunden ergibt die Tarifformel mit dem Faktor 4,33 rund 1.707 Euro brutto im Monat. Die Sonderzahlung im ersten Jahr läge bei Vollzeit in dieser Gruppe bei rund 1.646 Euro, ab dem zweiten Jahr bei rund 2.305 Euro.
Welche Aufstiegswege gibt es?
Der Tarifvertrag nennt als Beispiel für Tätigkeitsgruppe V, mit mindestens 360 Fortbildungsstunden, die Fachwirtin oder den Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung nach § 54 BBiG. Sie übernehmen leitende Aufgaben wie Praxismanagement, Ausbildung, Abrechnung und Qualitätsmanagement. In Tätigkeitsgruppe VI (mindestens 600 Stunden) nennt der Vertrag unter anderem die Betriebswirtin oder den Betriebswirt für Management im Gesundheitswesen sowie die Fachwirtin oder den Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. Wer in der chirurgischen Praxis als Operationsassistenz arbeiten will, kann alternativ eine staatliche Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz anstreben, mehr dazu im Ratgeber zur OTA-Ausbildung.
Worauf sollten Sie im Vorstellungsgespräch achten?
- Ist die Praxis tarifgebunden oder verweist der Vertrag auf den Gehaltstarifvertrag? Wenn ja, in welche Tätigkeitsgruppe und Stufe werden Sie eingruppiert?
- Übernimmt die Praxis Kosten und Freistellung für Fortbildungen wie Ambulantes Operieren oder den Strahlenschutzkurs?
- Wie viele Operationstage gibt es pro Woche und wer leitet die Hygiene und Aufbereitung?
- Nimmt die Praxis am Durchgangsarztverfahren teil, und welche Berichte und Abrechnungen fallen an?
- Wie sind Arbeitszeit, Überstundenausgleich und Zuschläge geregelt? Der Manteltarifvertrag nennt 38,5 Stunden pro Woche als Regelarbeitszeit.
Häufige Fragen
Was verdient eine MFA in einer chirurgischen Praxis?
Nach dem Gehaltstarifvertrag zwischen 2.939,59 Euro (Tätigkeitsgruppe I, Berufsjahre 1 bis 4) und 4.895,78 Euro (Tätigkeitsgruppe VI, ab 33. Berufsjahr) brutto im Monat bei Vollzeit, Tabelle ab 1. Januar 2026. Ohne Tarifbindung gilt der Arbeitsvertrag.
Welche Fortbildung brauche ich für Operationen in der Praxis?
Der Tarifvertrag nennt als Beispiele die Fortbildung Ambulantes Operieren mit 94 oder 120 Stunden. Welche Qualifikation Ihre Praxis tatsächlich verlangt, hängt von den Aufgaben und den Vorgaben der Ärztekammer ab.
Dürfen MFA bei Operationen assistieren?
Sie tragen Verantwortung für die ihnen übertragenen Aufgaben, die ärztliche Gesamtverantwortung bleibt beim Arzt. Was delegierbar ist, richtet sich nach dem Recht und der Qualifikation. Fragen Sie Ihre Ärztekammer nach den Grenzen der Delegation.
Wie viel Urlaub haben MFA?
Der Manteltarifvertrag für MFA nennt 29 Arbeitstage Jahresurlaub bei einer Fünf-Tage-Woche. Teilzeit und Tarifbindung können den Anspruch beeinflussen.
Wie wird man Praxismanagerin in einer chirurgischen Praxis?
Über die Aufstiegsfortbildung zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung oder gleichwertige Qualifikationen. Der Tarifvertrag ordnet sie der Tätigkeitsgruppe V zu, wenn mindestens 360 Fortbildungsstunden vorliegen.
Wie lange dauert die Probezeit als MFA und gibt es Weihnachtsgeld?
Nach dem Manteltarifvertrag dauert die Probezeit drei Monate und kann einvernehmlich um bis zu drei Monate verlängert werden. Zum 1. Dezember sieht der Tarifvertrag eine Sonderzahlung vor: 50 Prozent des Bruttomonatsgehalts im ersten, 70 Prozent ab dem zweiten Jahr der Betriebszugehörigkeit. Ohne Tarifbindung zählt Ihr Arbeitsvertrag.
Quellen
- Bundesärztekammer: Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte
- Bundesärztekammer: Manteltarifvertrag für Medizinische Fachangestellte
- Bundesärztekammer: Fortbildungsangebote der Ärztekammern für MFA, Stand 18.05.2026
- Bundesärztekammer: MFA Ausbildung
- DGUV: Anforderungen der Unfallversicherungsträger zur Beteiligung am Durchgangsarztverfahren
- Bundesärztekammer: Manteltarifvertrag für MFA, §§ 4, 10, 11, 12, 14
Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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