Ratgeber · Karriere · Stand 24.10.2026
Oberarzt Gehalt in der Chirurgie: Tarifgruppen, Zulagen und Dienste
Ein Oberarzt in der Chirurgie erhielt ab 1. Juni 2026 nach TV-Ärzte/VKA ein Tabellenentgelt von 9.459,56 bis 10.810,95 Euro brutto im Monat (Entgeltgruppe III, drei Stufen). An Universitätskliniken der Länder lag die Spanne ab 1. April 2026 bei 9.576,69 bis 11.265,33 Euro. Dienste, Zuschläge und individuell vereinbarte Beteiligungen kommen je nach Haus hinzu.
Hauptratgeber zum Thema Karriere: Facharzt Chirurgie: Weiterbildung, Dauer und Ablauf
Was verdient ein Oberarzt in der Chirurgie nach Tarif?
Maßgeblich ist, ob Ihr Haus an den TV-Ärzte/VKA (kommunale Krankenhäuser) oder an den TV-Ärzte der Länder (Universitätskliniken) gebunden ist. Beide Tarife kennen keine Fachtabelle, die Entgeltgruppe III gilt für Oberärzte aller Fächer.
| Tarif | Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 3 | Stufe 4 |
|---|---|---|---|---|
| TV-Ärzte/VKA ab 1. Juni 2026 | 9.459,56 Euro | 10.015,53 Euro | 10.810,95 Euro | nicht vorgesehen |
| TV-Ärzte TdL ab 1. April 2026 | 9.576,69 Euro | 10.139,57 Euro | 10.944,77 Euro | 11.265,33 Euro |
Das ergibt rechnerisch ein Jahresentgelt von rund 113.500 bis 129.700 Euro nach VKA und rund 114.900 bis 135.200 Euro nach TdL (zwölf Monatsbeträge, ohne Dienste und Zuschläge). Die VKA-Tabelle gilt laut Marburger Bund bis 31. Dezember 2026. Für die TdL-Tabelle nennt der Marburger Bund eine weitere Erhöhung um 2,45 Prozent ab 1. September 2027.
Ab wann ist man tariflich Oberarzt?
Der Tarifvertrag knüpft nicht an den Titel, sondern an die Funktion. Oberarzt ist nach der Protokollerklärung zu § 16 TV-Ärzte/VKA, wem der Arbeitgeber die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik oder Abteilung ausdrücklich übertragen hat. Die Entgeltgruppe muss im Arbeitsvertrag angegeben sein.
Übernehmen Sie vorübergehend eine höherwertige Tätigkeit, etwa die oberärztliche Vertretung, und üben Sie diese mindestens einen Monat aus, erhalten Sie für die Dauer der Ausübung eine persönliche Zulage, rückwirkend ab dem ersten Tag. Sie bemisst sich aus dem Unterschied zum Tabellenentgelt der höheren Entgeltgruppe (§ 17). Halten Sie die Übertragung schriftlich fest, damit sie später nachweisbar ist.
Wie steigt man als Oberarzt in der Stufe auf?
Nach § 19 TV-Ärzte/VKA erreichen Oberärzte Stufe 2 nach dreijähriger und Stufe 3 nach sechsjähriger oberärztlicher Tätigkeit beim Arbeitgeber. Bei erheblich über oder unter dem Durchschnitt liegenden Leistungen kann die Zeit verkürzt oder verlängert werden. Der Tarifvertrag lässt für Oberärzte und leitende Oberärzte außerdem ein außertarifliches Entgelt zu, wenn eine angemessene Zeit in der letzten Stufe verbracht wurde (§ 18 Absatz 2). Ob und wann das angeboten wird, ist Verhandlungssache.
Was bringen Dienste, Zuschläge und Rufbereitschaft?
Oberärzte in der Chirurgie leisten häufig Hintergrunddienste. Der Tarifvertrag regelt Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft getrennt vom Tabellenentgelt.
- Bereitschaftsdienst: Die Zeit wird je nach durchschnittlicher Arbeitsleistung als Arbeitszeit gewertet. Bis 25 Prozent Arbeitsleistung zählen 70 Prozent, über 25 bis 40 Prozent zählen 85 Prozent, über 40 bis 49 Prozent zählen 100 Prozent. Das Stundenentgelt der Entgeltgruppe III beträgt ab 1. Juni 2026 47,33 Euro (Stufe 1 und 2) und 48,72 Euro (Stufe 3). Hinzu kommen Zeitzuschläge.
- Grenzen: Grundsätzlich höchstens vier Bereitschaftsdienste im Kalendermonat. Ab dem fünften steigt die Bewertung um 10 Prozentpunkte, danach je weiterem Dienst um zehn Punkte mehr.
- Rufbereitschaft: Höchstens 13 pro Monat. Die tägliche Pauschale beträgt werktags das Zweifache, an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen das Vierfache des Stundenanteils Ihres Tabellenentgelts. Tatsächliche Einsätze werden zusätzlich als Überstunden vergütet, jeweils auf volle Stunden gerundet.
Beispielrechnung (vereinfacht, ohne Zuschläge): Ein Oberarzt der Stufe 1 mit 9.459,56 Euro hat einen Stundenanteil von rund 54,39 Euro (Monatsentgelt geteilt durch das 4,348-fache der 40-Stunden-Woche). Eine werktägliche Rufbereitschaft ergibt damit rund 108,78 Euro, eine am Wochenende rund 217,56 Euro. Ein 16-stündiger Bereitschaftsdienst der Bewertungsstufe II wird mit 13,6 Stunden zu je 47,33 Euro vergütet, das sind rund 644 Euro vor Zuschlägen.
Welche Zeitzuschläge und Dienstgrenzen gelten für Oberärzte?
Die Zeitzuschläge des § 11 TV-Ärzte/VKA bemessen sich für Oberärzte nach der höchsten Stufe ihrer Entgeltgruppe. In der Entgeltgruppe III ist das die Stufe 3 mit 10.810,95 Euro. Bei einem Stundenanteil von rund 62,16 Euro ergeben sich bei Nachtarbeit (20 Prozent) rund 12,43 Euro, bei Sonntagsarbeit (25 Prozent) rund 15,54 Euro und bei Überstunden (15 Prozent) rund 9,32 Euro je Stunde Zuschlag. Bei Zusammentreffen von Sonntags-, Feiertags- und Samstagszuschlägen zählt nur der höchste.
Wer sowohl Bereitschaftsdienst als auch Rufbereitschaft leistet, darf nach § 10 Absatz 12 nicht beide Höchstgrenzen ausschöpfen:
| Bereitschaftsdienste im Monat | Rufbereitschaften zusätzlich höchstens |
|---|---|
| 1 | 10 |
| 2 | 7 |
| 3 | 4 |
| 4 | keine |
Dienste am Wochenende (Freitag ab 21 Uhr bis Montag 5 Uhr) dürfen an höchstens zwei Wochenenden je Monat angeordnet werden, ein Wochenende je Monat bleibt frei (§ 8). Der Dienstplan ist spätestens einen Monat vor dem Planungszeitraum aufzustellen. Kommt er später, steigt die Bewertung des Bereitschaftsdienstes um 17,5 Prozentpunkte. Es handelt sich um Tarifregeln, die Rechnung im Einzelfall hängt von Ihrem Vertrag ab.
Wie sieht es mit Beteiligungen und Liquidation aus?
Der Tarifvertrag regelt Tabellenentgelt, Zulagen und Zuschläge, aber keine Beteiligung an Privatliquidation oder Wahlleistungen. Solche Bestandteile stehen, wenn überhaupt, im Einzelvertrag oder in einer Nebenabrede und unterscheiden sich von Haus zu Haus. Verbindliche Durchschnittswerte aus Primärquellen liegen dafür nicht vor. Lassen Sie sich Art, Bemessungsgrundlage und Auszahlungsrhythmus von Beteiligungen schriftlich nennen und klären Sie, ob sie bei Teilzeit oder Wechsel erhalten bleiben. Rechtsfragen zu Verträgen klären Sie mit einem Fachanwalt für Medizinrecht oder dem Marburger Bund.
Gilt das auch in Teilzeit, bei privaten Trägern und außerhalb von Kliniken?
In Teilzeit werden Tabellenentgelt und sonstige Entgeltbestandteile anteilig gezahlt, entsprechend dem Verhältnis zur regelmäßigen Arbeitszeit. Auch die Höchstzahl der Rufbereitschaften und Bereitschaftsdienste sinkt anteilig, wobei halbe Dienste auf- oder abgerundet werden.
Private Klinikträger sind oft nicht an TV-Ärzte/VKA gebunden. Der Marburger Bund führt auf seiner Tarifseite eigene Tarifverträge mit mehreren privaten Klinikkonzernen, deren Tabellen von den kommunalen abweichen. In Praxen und Medizinischen Versorgungszentren gibt es für Fachärzte keinen Flächentarif, dort bestimmt der Einzelvertrag das Gehalt. Vergleichen Sie Angebote deshalb immer über das Jahresbrutto inklusive Dienste, nicht nur über das Monatsfixum.
Checkliste für das Vertragsgespräch
- Gilt TV-Ärzte/VKA, TdL oder ein Haustarifvertrag?
- Entgeltgruppe III und Stufe im Vertrag, nicht nur die Jobbezeichnung.
- Schriftliche Übertragung der Verantwortung für den Funktionsbereich.
- Anrechnung von Vorzeiten für die Stufe.
- Dienstbelastung: Zahl der Bereitschaftsdienste und Rufbereitschaften pro Monat, Bewertungsstufe des Dienstes.
- Außertarifliche Vereinbarung und Perspektive nach der letzten Stufe.
- Beteiligungen, Nebentätigkeit, Fortbildungsbudget und Operationsanteil schriftlich.
Häufige Fragen
Was verdient ein Oberarzt in der Chirurgie im Monat?
Im kommunalen Krankenhaus mit TV-Ärzte/VKA lag das Tabellenentgelt der Entgeltgruppe III ab 1. Juni 2026 bei 9.459,56 bis 10.810,95 Euro brutto. An Universitätskliniken nach TdL waren es ab 1. April 2026 9.576,69 bis 11.265,33 Euro. Dienste und Zuschläge sind darin nicht enthalten.
Wer ist nach Tarifvertrag Oberarzt?
Wem der Arbeitgeber die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik oder Abteilung ausdrücklich übertragen hat (§ 16 Protokollerklärung TV-Ärzte/VKA). Der Titel allein genügt nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Oberarzt und leitendem Oberarzt?
Leitender Oberarzt ist nur, wer den Chefarzt in der Gesamtheit seiner Dienstaufgaben vertritt. Das trifft in der Regel auf einen Arzt je Klinik zu. Die VKA-Tabelle lag dafür ab 1. Juni 2026 bei 11.127,50 und 11.922,95 Euro.
Bekomme ich eine Zulage, wenn ich den Oberarzt vertrete?
Ja, wenn Sie die höherwertige Tätigkeit mindestens einen Monat ausgeübt haben. Dann steht Ihnen für die Dauer der Ausübung eine persönliche Zulage zu, rückwirkend ab dem ersten Tag der Übertragung (§ 17 TV-Ärzte/VKA).
Wie viele Dienste darf ein Oberarzt leisten?
Nach TV-Ärzte/VKA grundsätzlich bis zu vier Bereitschaftsdienste im Kalendermonat, bei Quartalsregelung in einem Monat bis zu fünf, und höchstens 13 Rufbereitschaften. Darüber hinaus nur, wenn sonst die Patientensicherheit gefährdet wäre.
Dürfen Oberärzte Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft im selben Monat kombinieren?
Ja, aber nur innerhalb von Grenzen. Nach § 10 Absatz 12 TV-Ärzte/VKA sind bei einem Bereitschaftsdienst höchstens noch zehn, bei zwei höchstens sieben, bei drei höchstens vier Rufbereitschaften erlaubt. Bei vier Bereitschaftsdiensten im Monat gibt es keine Rufbereitschaft mehr. Teilzeit verringert die Grenzen anteilig.
Quellen
- Marburger Bund: Entgelttabellen TV-Ärzte/VKA
- Marburger Bund: TV-Ärzte/VKA in der Fassung des 10. Änderungstarifvertrags
- Marburger Bund: Entgelttabellen TV-Ärzte (Länder) ab 01.04.2026
- Marburger Bund: TV-Ärzte/VKA, §§ 7, 8, 10, 11 (Fassung 10. ÄndTV)
Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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