Ratgeber · Karriere · Stand 24.10.2026

Chirurg Gehalt: Was Ärzte in Klinik und Praxis tatsächlich verdienen

Ein Facharzt in der Chirurgie an einem kommunalen Krankenhaus erhielt ab 1. Juni 2026 nach TV-Ärzte/VKA ein Tabellenentgelt von 7.552,19 bis 9.698,91 Euro brutto im Monat, Assistenzärzte 5.722,05 bis 7.355,29 Euro. Dienste und Zuschläge kommen obendrauf. Niedergelassene Chirurgen erzielten 2023 laut Zi-Praxis-Panel im Mittel einen Jahresüberschuss von rund 208.500 Euro je Praxisinhaber, der noch nicht das Nettogehalt ist.

Was verdient ein Chirurg im Krankenhaus nach Tarif?

In kommunalen Krankenhäusern gilt für angestellte Ärztinnen und Ärzte meist der TV-Ärzte/VKA, an Universitätskliniken der TV-Ärzte der Länder (TdL). Beide sind nach Entgeltgruppen und Stufen aufgebaut, die sich nach Qualifikation und Berufsjahren richten. Eine eigene Tabelle für Chirurgen gibt es nicht: Das Gehalt hängt von der Funktion ab, nicht vom Fach.

EntgeltgruppeFunktionMonatsentgelt brutto (VKA, ab 1. Juni 2026)
IArzt in Weiterbildung (Stufe 1 bis 6)5.722,05 bis 7.355,29 Euro
IIFacharzt (Stufe 1 bis 6)7.552,19 bis 9.698,91 Euro
IIIOberarzt (Stufe 1 bis 3)9.459,56 bis 10.810,95 Euro
IVLeitender Oberarzt (Stufe 1 bis 2)11.127,50 bis 11.922,95 Euro

Die Beträge sind Tabellenentgelte bei 40 Wochenstunden. Die Tabelle gilt laut Marburger Bund bis 31. Dezember 2026, für den Zeitraum danach ist der Folgetarif entscheidend.

Wie viel ist das im Jahr, und wann steigt man in der Stufe auf?

Multipliziert mit zwölf ergeben sich Jahresbeträge ohne Dienste, Zuschläge und eventuelle Einmalzahlungen:

  • Assistenzarzt: rund 68.700 bis 88.300 Euro
  • Facharzt: rund 90.600 bis 116.400 Euro
  • Oberarzt: rund 113.500 bis 129.700 Euro

Den Stufenaufstieg regelt § 19 des Tarifvertrags. In der Entgeltgruppe I kommt jedes Jahr eine Stufe dazu, Stufe 6 gilt nach fünf Jahren ärztlicher Tätigkeit. Als Facharzt steigen Sie nach 3, 6, 8, 10 und 12 Jahren fachärztlicher Tätigkeit in die nächste Stufe auf. Als Oberarzt wechseln Sie nach 3 und 6 Jahren oberärztlicher Tätigkeit. Bei Leistungen, die erheblich über oder unter dem Durchschnitt liegen, kann die Stufenlaufzeit für die Stufen 2 bis 5 verkürzt oder verlängert werden.

Wann ist man Oberarzt im Sinne des Tarifvertrags?

Die Entgeltgruppe III erhält nicht jeder, der die Bezeichnung trägt. Nach der Protokollerklärung zu § 16 TV-Ärzte/VKA gilt als Oberarzt, wem die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche der Klinik oder Abteilung vom Arbeitgeber ausdrücklich übertragen worden ist. Entscheidend ist also die schriftliche Übertragung, nicht der Titel im Flur. Leitender Oberarzt ist nur, wer den Chefarzt in der Gesamtheit seiner Dienstaufgaben vertritt. Das trifft in der Regel auf einen Arzt je Klinik zu. Für Oberärzte und leitende Oberärzte lässt der Tarifvertrag außertarifliche Entgelte zu, nachdem Sie eine angemessene Zeit in der letzten Stufe verbracht haben.

Was kommt durch Dienste und Zuschläge hinzu?

Chirurgie ist dienstintensiv. Nach TV-Ärzte/VKA liegen Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit und werden gesondert bezahlt. Pro Kalendermonat sind höchstens 13 Rufbereitschaften zu leisten. Die tägliche Pauschale für Rufbereitschaft beträgt montags bis freitags das Zweifache und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen das Vierfache des Stundenanteils Ihres Tabellenentgelts.

Für Bereitschaftsdienste weist die Entgelttabelle Stundenentgelte je Entgeltgruppe und Stufe aus. Ab 1. Juni 2026 waren das zum Beispiel 36,86 Euro in der Entgeltgruppe I Stufe 1, 43,83 Euro in der Entgeltgruppe II Stufe 1 und 47,33 Euro in der Entgeltgruppe III Stufe 1. Die Bewertung des Dienstes hängt von der Inanspruchnahme ab, die Dienstpläne und die Stufen im Arbeitsvertrag geben den genauen Betrag vor.

Welche Zeitzuschläge zahlt der Tarifvertrag?

Neben dem Entgelt für die geleistete Arbeit zahlt der TV-Ärzte/VKA nach § 11 Zeitzuschläge je Stunde. Sie bemessen sich nach dem Stundenanteil des Tabellenentgelts der Stufe 3 der jeweiligen Entgeltgruppe, bei Oberärzten und leitenden Oberärzten nach der höchsten Stufe.

ArbeitZeitzuschlag
Überstunden15 Prozent
Nachtarbeit (20 bis 6 Uhr)20 Prozent
Sonntagsarbeit25 Prozent
Feiertagsarbeit ohne Freizeitausgleich135 Prozent
Feiertagsarbeit mit Freizeitausgleich35 Prozent
Samstag von 13 bis 20 Uhr20 Prozent

Treffen mehrere Zuschläge für Sonntag, Feiertag, Heiligabend, Silvester oder Samstag zusammen, wird nur der höchste gezahlt. Wird der Dienstplan nicht einen Monat vor Beginn aufgestellt, erhöhen sich die Entgelte für den Folgemonat. Die genauen Bedingungen stehen in Ihrem Vertrag und im Tarifvertrag.

Universitätsklinik und TdL: Was ist anders?

Für Ärztinnen und Ärzte an Universitätsklinika der Länder gilt eine eigene Tabelle. Die Entgelttabelle ab 1. April 2026 bringt 2,95 Prozent mehr gegenüber der vorherigen Tabelle. Die Stufen unterscheiden sich von der VKA-Tabelle, vor allem im Oberarztbereich mit vier Stufen:

GruppeTdL ab 1. April 2026
Arzt (Weiterbildung)5.792,90 bis 7.436,05 Euro
Facharzt7.645,72 bis 9.576,69 Euro
Oberarzt9.576,69 bis 11.265,33 Euro
Chefarzt-Vertreter11.265,33 bis 12.711,58 Euro

Die Tabelle der Länder weist ab 1. September 2027 eine weitere Erhöhung um 2,45 Prozent aus. Stellenangebote sollten Sie immer mit dem jeweils geltenden Tarif und der Stufe abgleichen.

Was verdient ein Chirurg mit eigener Praxis?

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte beziehen kein Gehalt, sondern erzielen einen Überschuss aus der Praxis. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) ermittelt ihn im Zi-Praxis-Panel. Der Jahresbericht für die Berichtsjahre 2020 bis 2023 (April 2026) nennt für 2023 folgende Zahlen je Praxisinhaber:

Fachgebiet 2023EinnahmenAufwendungenJahresüberschuss
Chirurgie519.000 Euro310.500 Euro208.500 Euro
Orthopädie517.100 Euro308.800 Euro208.300 Euro
Alle Fachgebiete (Mittelwert)nicht ausgewiesennicht ausgewiesen177.076 Euro

Der Jahresüberschuss ist nicht das Nettoeinkommen. Davon gehen Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie Einkommensteuer ab. Das Zi rechnet für den Durchschnitt aller Fachgebiete vor: Aus 177.076 Euro Jahresüberschuss bleiben rund 88.690 Euro verfügbares Nettoeinkommen im Jahr, also etwa 7.391 Euro im Monat. Die Stichprobe der Chirurgie ist klein (37 Praxen in der Auswertung nach Tätigkeitsschwerpunkt), die Werte streuen stark und hängen davon ab, ob die Praxis ambulant operiert.

Angestellt in der Praxis, in der Privatklinik oder im MVZ: Gibt es Tarife?

Außerhalb der Tarifbindung von TV-Ärzte/VKA oder TdL entscheiden Vertrag und Verhandlung. Private Klinikkonzerne haben teils eigene Tarifverträge mit dem Marburger Bund, die er auf seiner Seite listet. Für angestellte Fachärzte in Arztpraxen gibt es keinen Flächentarif für Ärzte, nur für Medizinische Fachangestellte. Übliche Verhandlungsgrößen sind Wochenstunden, Operationsanteil, Beteiligung am Praxisumsatz und Fortbildungsbudget.

Für Chefärzte gilt der TV-Ärzte nicht. Ihre Vergütung, Nebentätigkeitsrechte und Beteiligungen sind Teil des Einzelvertrags. Verbindliche Durchschnittswerte aus Primärquellen lagen uns dafür nicht vor.

Warum Portal-Durchschnitte oft in die Irre führen

Gehaltsportale mitteln Selbstauskünfte, mischen Fachrichtungen, Klinikgrößen und Berufsjahre und lassen offen, ob Dienste enthalten sind. Verlässlicher sind drei Quellen: die Entgelttabellen der Tarifparteien, der Arbeitsvertrag mit Entgeltgruppe und Stufe sowie bei Niedergelassenen die Auswertung des Zi-Praxis-Panels. Rechnen Sie bei einem Angebot immer nach, welche Stufe Ihnen die Vorerfahrung zuspricht. Zeiten ärztlicher Tätigkeit werden in der Entgeltgruppe I angerechnet, fachärztliche Zeiten in der Entgeltgruppe II in der Regel.

Häufige Fragen

Wie viel verdient ein Chirurg im Monat?

Im kommunalen Krankenhaus nach TV-Ärzte/VKA lag das Tabellenentgelt eines Facharztes ab 1. Juni 2026 zwischen 7.552,19 und 9.698,91 Euro brutto bei 40 Wochenstunden. Oberärzte erhielten 9.459,56 bis 10.810,95 Euro. Dienste und Zuschläge kommen hinzu.

Was verdient ein Assistenzarzt in der Chirurgie?

In der Entgeltgruppe I des TV-Ärzte/VKA waren es ab 1. Juni 2026 zwischen 5.722,05 Euro im ersten und 7.355,29 Euro im sechsten Jahr. Universitätskliniken zahlen nach TdL-Tabelle ab 1. April 2026 zwischen 5.792,90 und 7.436,05 Euro.

Verdient ein niedergelassener Chirurg mehr als ein Oberarzt?

Im Zi-Praxis-Panel 2023 betrug der Jahresüberschuss je Chirurgie-Praxisinhaber rund 208.500 Euro. Davon gehen Vorsorge, Versicherung, Steuern und Praxisrisiko ab. Ein Vergleich mit dem Oberarztgehalt (rund 113.500 bis 129.700 Euro Jahrestabelle) ist nur mit Blick auf Arbeitszeit, Investitionen und Risiko sinnvoll.

Wie lange dauert es, bis man Oberarzt wird?

Das hängt vom Haus ab. Nach der Facharztprüfung sind meist mehrere Jahre als Facharzt üblich. Tariflich ist Oberarzt, wem die medizinische Verantwortung für selbstständige Teil- oder Funktionsbereiche ausdrücklich übertragen wurde.

Gibt es Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste?

Ja. Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft werden nach dem Tarifvertrag gesondert vergütet. Die Rufbereitschaft wird am Wochenende und an Feiertagen mit dem Vierfachen des Stundenanteils pauschal abgegolten, an Werktagen mit dem Zweifachen. Die Höhe hängt von Ihrer Entgeltgruppe und Stufe ab.

Quellen

Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.