Ratgeber · Gelenke und Sport · Stand 25.10.2026
Knieprothese: Wann Kniegelenkersatz, Ablauf, Klinikaufenthalt und Haltbarkeit
Eine Knieprothese ersetzt die zerstörten Gelenkflächen des Knies durch Implantate. Leitlinien sehen sie bei fortgeschrittener Arthrose (Kellgren und Lawrence Grad 3 oder 4) vor, nachdem konservative Behandlung über mindestens drei Monate nicht ausgereicht hat und der Leidensdruck hoch ist. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit, für die Indikation haben Sie Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Wie lange ein Implantat hält, ist individuell.
Hauptratgeber zum Thema Gelenke und Sport: Arthroskopie (Gelenkspiegelung): Ablauf, Risiken, Kosten und Alternativen
Wann kommt eine Knieprothese in Frage?
Bei Kniearthrose nutzt sich der Gelenkknorpel ab, die Gelenkflächen reiben schmerzhaft aufeinander, das Knie wird steif und instabil. Zunächst stehen Bewegung und Krafttraining, Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel in niedriger Dosis und Hilfsmittel im Vordergrund. Ein künstliches Gelenk ist die letzte Stufe.
Die Leitlinie zur Indikation der Knieendoprothese beschreibt Bedingungen, die zusammen erfüllt sein sollen. Leitlinien werden regelmäßig überarbeitet, die aktuelle Fassung steht im AWMF-Register:
- röntgenologisch nachgewiesene fortgeschrittene Arthrose (Kellgren und Lawrence Grad 3 oder 4),
- mindestens drei Monate erfolglose konservative Therapie,
- hoher subjektiver Leidensdruck durch kniebezogene Beschwerden,
- vorherige Optimierung beeinflussbarer Risikofaktoren wie starkes Übergewicht, Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes oder Blutarmut.
Es gibt zwei Grundtypen: die Teilprothese (Schlittenprothese), wenn nur ein Teil des Gelenks betroffen ist, und die Totalprothese, wenn mehrere Gelenkanteile geschädigt sind. Die Wahl trifft die Operateurin oder der Operateur nach Röntgenbild, Bandstabilität und Ihren Ansprüchen. Ob und wann bei Ihnen eine Operation sinnvoll ist, entscheidet die ärztliche Untersuchung.
Wie läuft die Operation ab?
Die Operation findet in der Regel stationär statt, in Vollnarkose oder Spinalanästhesie. Der Hautschnitt liegt an der Vorderseite des Knies. Das Chirurgenteam entfernt die abgenutzten Gelenkflächen an Oberschenkelknochen und Schienbein, passt Metall- und Kunststoffkomponenten an und fixiert sie mit oder ohne Knochenzement. Zwischen den Teilen liegt ein Gleitpartner aus Kunststoff. Der Eingriff dauert häufig etwa ein bis zwei Stunden.
| Zeitpunkt | Was geschieht |
|---|---|
| Wochen vorher | Vorgespräch, Röntgen, Bluttests, Zahn- und Infektsanierung, Optimierung von Gewicht, Diabetes und Medikamenten |
| Tag der Aufnahme | Aufklärung, Anästhesiegespräch, Markierung des Knies |
| Operationstag | Eingriff, Überwachung, oft erste Aufstehversuche am selben oder nächsten Tag |
| Erste Tage | Physiotherapie, Gehen mit Stützen, Schmerz- und Thromboseprophylaxe |
| Entlassung | Verlegung in die Anschlussrehabilitation oder nach Hause mit ambulanter Therapie |
Mögliche Risiken sind Infektion, Thrombose und Embolie, Nachblutung, Nerven- und Gefäßverletzung, Bewegungseinschränkung durch Narbengewebe, Instabilität, Lockerung des Implantats sowie bleibende Restbeschwerden. Die meisten dieser Punkte lassen sich durch gute Vorbereitung, sorgfältige Technik und konsequente Nachsorge verringern, ganz ausschließen lassen sie sich nicht. Nach der Operation ist die Streckung des Knies besonders wichtig, die Beugung wird schrittweise geübt.
Die Aufklärung muss rechtzeitig vor dem Eingriff erfolgen (§ 630e BGB). Lassen Sie sich Zeit für Fragen, besonders zu Prothesentyp, Narkose und Thromboseprophylaxe.
Wie lange dauert der Klinikaufenthalt?
Der Aufenthalt im Krankenhaus beträgt nach einer Knieprothese häufig rund fünf bis zehn Tage, in einigen Häusern und bei unkompliziertem Verlauf auch kürzer. Entscheidend sind Wundheilung, Schmerzkontrolle, Beweglichkeit und die Frage, ob Sie sich zu Hause sicher versorgen können. Meist beginnt die Mobilisation schon am Tag der Operation oder am Folgetag. Die Klinik zeigt Ihnen den Umgang mit Gehstützen und Treppen.
Anschließend folgt eine Rehabilitation, stationär oder ambulant. Ein eigener Ratgeber erklärt Anschlussheilbehandlung, Antrag und Fristen. Zur Arbeit: Je nach Tätigkeit sind Sie meist mehrere Wochen bis Monate arbeitsunfähig. Sitzende Tätigkeit ist früher wieder möglich als stehende oder schwere Arbeit.
Planen Sie das Zuhause vor der Operation: Stolperfallen entfernen, Sitzhöhen prüfen, Hilfe für Einkäufe und Fahrten organisieren, Haustiere und Haushalt bedenken.
Wie lange hält eine Knieprothese?
Eine pauschale Haltbarkeit in Jahren lässt sich seriös nicht angeben, denn sie hängt von Implantat, Operationstechnik, Alter, Gewicht, Aktivität und Begleiterkrankungen ab. Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) wertet Standzeiten aus und veröffentlicht Ergebnisse auch über zehn Jahre. Ein erneuter Eingriff (Wechsel) wird vor allem wegen Lockerung, Infektion oder Instabilität nötig. Aktuelle Zahlen stehen im jeweils neuesten Jahresbericht.
Sie können die Standzeit beeinflussen: Gewicht halten, regelmäßig bewegen, Kontrollen wahrnehmen, bei Fieber oder neuen Schmerzen früh zum Arzt gehen. Vor zahnärztlichen und anderen Eingriffen sollte die Prothese erwähnt werden. Stoßbelastung, schwere Dauerlast und Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko werden häufig kritisch gesehen, geeignet sind eher Schwimmen, Radfahren und Wandern. Besprechen Sie Ihre Wunschsportarten vorab mit dem Operationsteam.
Was kostet die Operation und wer zahlt?
Bei gesicherter Indikation trägt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten der Operation, des Implantats, der Narkose und des Krankenhausaufenthalts. Sie zahlen als Zuzahlung 10 Euro je Krankenhaustag für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 SGB V). Für die Anschlussrehabilitation gelten eigene Regeln (siehe Ratgeber zur Reha). Heilmittel wie Physiotherapie kosten 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung (§ 32 SGB V), Gehstützen 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro (§ 33 SGB V).
Privat Versicherte und Beihilfeberechtigte erhalten Abrechnungen nach GOÄ und Fallpauschalen, Wahlleistungen wie Einbettzimmer sind separat zu klären. Fragen Sie bei Selbstzahlerleistungen immer nach schriftlichem Kostenvoranschlag.
Zweitmeinung und Weg zur Operation
Vor einer planbaren Knieprothese haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung (§ 27b SGB V). Die Zweitmeinungs-Richtlinie des G-BA nennt die Implantation einer totalen oder partiellen Knieendoprothese ausdrücklich als Eingriff 5. Die Zweitmeinung gilt der Frage, ob die Operation nötig ist. Berechtigt sind Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädie, Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie oder Physikalische und Rehabilitative Medizin, die bei der Kassenärztlichen Vereinigung gelistet sind. Die erste Ärztin oder der erste Arzt muss Sie über den Anspruch informieren.
Berufe rund um die Endoprothetik
Die Endoprothetik ist ein großes Arbeitsfeld: Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (72 Monate im Gebiet Chirurgie, davon 48 im Fach), OTA im Instrumentierdienst, Pflegekräfte und MFA in der Sprechstunde. Kliniken lassen sich als Endoprothetikzentren zertifizieren, was Strukturvorgaben beschreibt, aber keine Aussage über das Ergebnis im Einzelfall ist.
Checkliste
Fragen vor der OP
Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.
Häufige Fragen
Wann braucht man eine Knieprothese?
Wenn eine fortgeschrittene Kniearthrose vorliegt, die konservative Behandlung über mindestens drei Monate nicht ausreichend geholfen hat und der Leidensdruck hoch ist. Die Indikation stellt eine Fachärztin oder ein Facharzt nach Untersuchung und Röntgen.
Wie lange dauert die Operation?
Der Eingriff dauert häufig etwa ein bis zwei Stunden. Vorbereitung, Narkose und Überwachung kommen hinzu.
Wie lange bleibt man nach einer Knieprothese im Krankenhaus?
Häufig rund fünf bis zehn Tage, in manchen Häusern kürzer. Das hängt von Wundheilung, Beweglichkeit, Schmerzkontrolle und der Versorgung zu Hause ab.
Zahlt die Krankenkasse die Knieprothese?
Ja, bei medizinischer Notwendigkeit. Sie zahlen die gesetzlichen Zuzahlungen, im Krankenhaus 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr.
Habe ich Anspruch auf eine Zweitmeinung vor der Knie-OP?
Ja. Für die Implantation einer Knieendoprothese besteht nach § 27b SGB V und der G-BA-Richtlinie ein Anspruch für gesetzlich Versicherte. Ihr Arzt muss Sie darauf hinweisen.
Wie lange hält eine Knieprothese?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es hängt von Implantat, Technik, Gewicht, Aktivität und Gesundheit ab. Das EPRD veröffentlicht Standzeitauswertungen, die Sie im Jahresbericht nachlesen können.
Quellen
- G-BA: Zweitmeinungs-Richtlinie (Fassung vom 19.12.2024, Eingriff 5 Knieendoprothese)
- Gesetze im Internet: § 27b SGB V Zweitmeinung
- Gesetze im Internet: § 39 SGB V Krankenhausbehandlung
- Gesetze im Internet: § 32 SGB V Heilmittel
- Gesetze im Internet: § 33 SGB V Hilfsmittel
- Gesetze im Internet: § 630e BGB Aufklärungspflichten
- Endoprothesenregister Deutschland (EPRD): Jahresberichte
- AWMF: Leitlinienregister (Leitlinien zu Gonarthrose und Knieendoprothese, aktuelle Fassung dort prüfen)
- Bundesärztekammer: Muster-Weiterbildungsordnung 2018 (Stand 03.07.2026)
- Verbandsbüro: EPRD-Studie 2024 (Erstimplantationen Hüfte und Knie)
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
Adresse, Sprechzeiten und D-Arzt-Angabe prüfen, ergänzen oder den Eintrag übernehmen. Der Basiseintrag kostet nichts.