Ratgeber · Gelenke und Sport · Stand 25.10.2026

Hüftprothese: Wann Hüft-TEP, Ablauf, Klinikaufenthalt und Belastung

Eine Hüft-TEP (Totalendoprothese) ersetzt Hüftkopf und Pfanne durch ein künstliches Gelenk. Sie kommt bei fortgeschrittener Hüftarthrose in Betracht, wenn Schmerzen, Einschränkungen im Alltag und konservative Behandlung zusammen keine ausreichende Besserung bringen, oder nach bestimmten Brüchen. Gesetzlich Versicherte haben vor einem planbaren Hüftgelenkersatz Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Der Aufenthalt in der Klinik beträgt häufig rund eine Woche.

Wann ist eine Hüft-TEP sinnvoll?

Die häufigste Ursache ist die Hüftarthrose (Koxarthrose): Der Knorpel nutzt sich ab, es kommt zu Anlaufschmerz, Leistenschmerz, eingeschränkter Beweglichkeit und eingeschränkter Gehstrecke. Auch Hüftkopfnekrose, Rheuma, Fehlstellungen und Verletzungen können zum Gelenkersatz führen. Bei Brüchen des Schenkelhalses im höheren Alter wird oft in kurzer Frist operiert, das ist dann ein dringlicher Eingriff.

Bei planbarem Ersatz sollten Sie vorher gemeinsam mit der Fachärztin oder dem Facharzt klären:

  • Wie stark sind Schmerz, Nachtruhe, Gehstrecke und Alltag beeinträchtigt?
  • Welche konservativen Schritte wurden versucht, etwa Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel und Hilfsmittel wie Gehstock?
  • Zeigt das Röntgenbild einen Schaden, der zu den Beschwerden passt?
  • Welche Begleiterkrankungen und Medikamente (Blutverdünner, Diabetes) müssen berücksichtigt werden?

Bei der Vorbereitung helfen Gewichtskontrolle, Krafttraining der Hüft- und Oberschenkelmuskulatur, Behandlung von Zahnentzündungen und Hautinfekten sowie eine saubere Abstimmung der Medikamente, vor allem von Blutverdünnern und Diabetesmitteln. Fragen Sie die Klinik, welche Untersuchungen vorab ambulant erfolgen und ob ein Prähabilitations-Programm angeboten wird.

Es gibt keinen starren Zeitpunkt, an dem „jetzt“ operiert werden muss. Entscheidend ist der Leidensdruck bei gesichertem Befund.

Wie läuft die Operation ab?

Die Operation findet in Vollnarkose oder Spinalanästhesie statt. Dabei wird der Hüftkopf abgetrennt, die Pfanne im Becken vorbereitet, eine Pfannenkomponente eingesetzt und ein Schaft im Oberschenkelknochen verankert, auf den ein Kopf aufgesteckt wird. Je nach Knochenqualität wird zementfrei oder mit Zement fixiert. Der Zugang zum Gelenk kann von vorn, seitlich oder von hinten erfolgen, jeder hat Vor- und Nachteile. Die Operation dauert häufig etwa ein bis zwei Stunden.

ZugangMerkmal
Vorn (anterior)Zugang zwischen Muskeln, Verrenkungsrisiko oft niedriger, anspruchsvolle Technik
Seitlich (lateral)etablierter Zugang, Muskelansatz wird teilweise geschont oder mitbehandelt
Hinten (posterior)gute Übersicht, Verrenkungsvorsorge besonders wichtig

Welcher Zugang geeignet ist, hängt von Anatomie, Erfahrung des Teams und Ihrem Befund ab. Fragen Sie danach im Aufklärungsgespräch, das nach § 630e BGB rechtzeitig und verständlich erfolgen muss.

Klinikaufenthalt, Belastung und Verrenkungsvorsorge

Der Klinikaufenthalt dauert häufig rund fünf bis zehn Tage. Meist stehen Sie schon am Operationstag oder am Folgetag erstmals mit Hilfe auf. Wie stark Sie das Bein belasten dürfen, hängt vom Implantat und der Fixierung ab: Viele Kliniken erlauben Belastung im Rahmen der Beschwerden, andere verlangen bei zementfreien Prothesen zunächst Teilbelastung. Maßgeblich ist die Anweisung Ihrer Klinik, nicht ein Wert aus dem Internet.

Vorsorge gegen Verrenkung

Die künstliche Hüfte kann in den ersten Wochen bei bestimmten Bewegungen ausrenken (Luxation), bis das umgebende Gewebe stabil ist. Häufige Hinweise der Kliniken sind:

  • nicht tief in die Hocke gehen und das Bein nicht über 90 Grad beugen, sofern angeordnet,
  • Beine nicht überkreuzen,
  • Sitzflächen erhöhen, Toilettensitz-Erhöhung nutzen, Schuhanzieher mit langem Griff,
  • beim Aufstehen und Drehen nicht ruckartig auf dem Standbein verdrehen.

Auch außerhalb der Klinik gilt: Treppen einzeln steigen, rutschfeste Schuhe tragen, Stolperfallen entfernen, Sturzrisiko senken. Autofahren und Rückkehr in den Beruf sind erst nach ärztlicher Freigabe angezeigt, bei Büroarbeit oft früher als bei Tätigkeiten im Stehen oder mit Heben. Reisen mit dem Flugzeug sprechen Sie vorher an. Warnzeichen wie Fieber, Rötung der Narbe, Wadenschmerz, plötzliche starke Schmerzen mit Bewegungsunfähigkeit oder Beinverkürzung bedeuten eine sofortige ärztliche Abklärung, bei Atemnot den Notruf 112.

Welche Einschränkungen gelten und wie lange, legt die Klinik individuell fest. Nach der Operation bekommen Sie meist eine Thromboseprophylaxe, je nach Klinik über mehrere Wochen.

Wann sind Alltag, Beruf und Sport wieder möglich?

Der Alltag kehrt schrittweise zurück. Gehen mit Stützen ist anfangs üblich, danach folgt oft der Übergang auf einen Stock und später das freie Gehen. Die Beweglichkeit und Kraft wachsen über Wochen und Monate, dabei ist Schwellung am Oberschenkel normal und geht langsam zurück. Die Rückkehr in den Beruf hängt von Tätigkeit und Verlauf ab: Wer überwiegend sitzt, kehrt oft früher zurück, bei Arbeiten im Stehen, Heben oder auf Leitern dauert es länger. Stufenweise Wiedereingliederung (§ 74 SGB V) kann den Einstieg erleichtern.

Beim Sport gelten gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen, Radfahren, Wandern oder Aquagymnastik als gut verträglich, Sportarten mit Stößen, Sprüngen oder Sturzgefahr werden eher individuell abgewogen. Besprechen Sie Ihre Wünsche mit dem Operationsteam. Die Nachsorge umfasst Kontrollen mit Röntgenbild in Abständen, die Ihre Klinik festlegt, sowie bei neuen Beschwerden sofortige Rückmeldung.

Was kostet die Hüftprothese und wer zahlt?

Die gesetzliche Krankenversicherung trägt die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit. Als Zuzahlung zahlen Sie 10 Euro je Krankenhaustag, höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 SGB V). Für Heilmittel gilt § 32 SGB V (10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung), für Hilfsmittel wie Gehstützen § 33 SGB V (10 Prozent, mindestens 5, höchstens 10 Euro). Die Zuzahlung zur Anschlussrehabilitation regelt ein eigener Ratgeber.

Bei Privatversicherung und Beihilfe richtet sich die Erstattung nach Tarif und GOÄ. Klären Sie Wahlleistungen im Vorfeld und holen Sie bei Selbstzahlerleistungen eine schriftliche Kostenaufstellung ein.

Zweitmeinung und Orientierung bei der Klinikwahl

Der Gemeinsame Bundesausschuss nennt in seiner Zweitmeinungs-Richtlinie den Hüftgelenkersatz als Eingriff 10: Gegenstand ist die Indikationsstellung zur Implantation einer Totalendoprothese sowie zu Revisionseingriffen, Wechseln und Entfernungen. Notfälle, dringliche Eingriffe und Operationen wegen Tumoren sind ausgenommen. Berechtigt zur Zweitmeinung sind Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, Orthopädie, Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie oder Physikalische und Rehabilitative Medizin. Die Erstärztin oder der Erstarzt muss Sie auf den Anspruch hinweisen, in der Regel mindestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff.

Zur Auswahl der Klinik: Dieses Verzeichnis bewertet keine Anbieter. Hilfreich sind neutrale Quellen wie der Qualitätsbericht der Krankenhäuser und Fragen zu Fallzahl, Zugang, Nachsorge und Ablauf. Das Endoprothesenregister dokumentierte 2024 laut Verbandsbüro 199.052 Hüft-Erstimplantationen.

Hinweis für Auszubildende und Berufseinsteiger

OTA und Pflegekräfte in der Endoprothetik begleiten den gesamten Weg von der Lagerung bis zur Mobilisation. Für Ärztinnen und Ärzte führt die Weiterbildung zur Orthopädie und Unfallchirurgie (72 Monate im Gebiet Chirurgie, davon 48 im Fach) in dieses Arbeitsfeld.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Wann braucht man eine Hüftprothese?

Bei fortgeschrittener Hüftarthrose oder anderen Gelenkschäden, wenn Schmerzen und Einschränkungen trotz konservativer Behandlung bestehen, und nach bestimmten Brüchen. Die Entscheidung trifft eine Fachärztin oder ein Facharzt nach Untersuchung und Röntgen.

Wie lange dauert eine Hüft-OP?

Häufig etwa ein bis zwei Stunden. Hinzu kommen Vorbereitung, Narkose und Überwachung.

Wie lange bleibt man nach einer Hüft-TEP im Krankenhaus?

Meist rund fünf bis zehn Tage. Ausschlaggebend sind Wundheilung, Mobilität und die Versorgung zu Hause.

Wann darf ich nach der Hüftprothese voll belasten?

Das legt die Klinik fest. Bei vielen Prothesen ist Belastung im Rahmen der Beschwerden erlaubt, bei anderen zunächst Teilbelastung. Halten Sie sich an Ihren schriftlichen Plan.

Kann die künstliche Hüfte ausrenken?

Das ist besonders in den ersten Wochen möglich. Verhaltenshinweise, etwa kein Überkreuzen der Beine und erhöhte Sitze, senken das Risiko. Welche gelten, entscheidet die Klinik.

Habe ich Anspruch auf eine Zweitmeinung vor der Hüft-OP?

Ja, gesetzlich Versicherte haben bei planbarem Hüftgelenkersatz nach § 27b SGB V Anspruch auf eine Zweitmeinung. Notfälle und dringliche Eingriffe sind ausgenommen.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.