Ratgeber · Gelenke und Sport · Stand 25.10.2026

Achillessehnenriss: Operation oder konservative Behandlung?

Bei einem Achillessehnenriss sind Operation und konservative Behandlung mit Spezialschuh (Orthese) und früher funktioneller Reha nach heutiger Studienlage in der Funktion vergleichbar. Unterschiede betreffen vor allem das Risiko eines erneuten Risses, das nach Operation etwas niedriger liegt, und Wundkomplikationen, die nur bei Operation auftreten. Welcher Weg zu Ihnen passt, klärt eine Ärztin oder ein Arzt nach Ultraschall, Alter, Begleiterkrankungen und Ansprüchen an Belastung.

Woran erkenne ich einen Achillessehnenriss?

Typisch ist ein plötzlicher, stechender Schmerz an der Ferse oder Wade, oft mit einem hörbaren Knall, als hätte jemand von hinten getreten. Danach lässt sich der Fuß schlecht abdrücken, das Gehen auf den Zehenspitzen fällt schwer oder gelingt nicht. Häufig tastet man oberhalb des Fersenbeins eine Delle. Betroffen sind meist Männer mittleren Alters bei Ballsportarten mit plötzlichen Antritten, aber auch Gelegenheitssportler und Menschen ohne Sport.

Risiken sind Überlastung, vorgeschädigte Sehnen, bestimmte Medikamente wie Fluorchinolon-Antibiotika oder Kortison-Spritzen in Sehnennähe. Sprechen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt gegenüber offen über alle Medikamente.

Eine Teilruptur oder eine Sehnenentzündung (Tendinopathie) fühlt sich anders an als ein vollständiger Riss: Hier bleibt die Abdrückkraft meist erhalten, der Schmerz entwickelt sich oft über Wochen. Weil sich die Formen ähnlich anfühlen können, entscheidet die Untersuchung, nicht das Bauchgefühl.

Ärzte prüfen die Diagnose mit dem Thompson-Test (Wadendrücken) und Ultraschall. Eine MRT ist in unklaren Fällen oder bei älteren Rissen sinnvoll. Wichtig: Gehen Sie zeitnah in ärztliche Behandlung, idealerweise in den ersten Tagen.

Was sagt die Studienlage zu OP und konservativer Therapie?

Eine Metaanalyse im BMJ (2019) verglich operative und konservative Behandlung. Bei früher funktioneller Nachbehandlung war der Unterschied bei erneuten Rissen nicht mehr eindeutig. Nach Operation lag das Risiko einer erneuten Ruptur bei etwa 2,3 Prozent, nach konservativer Therapie bei etwa 3,9 Prozent. Dafür traten nach Operation häufiger Komplikationen auf, etwa Wundheilungsstörungen und Infektionen (etwa 4,9 gegenüber 1,6 Prozent). Eine randomisierte Studie im New England Journal of Medicine fand zwölf Monate nach der Verletzung keine besseren funktionellen Ergebnisse nach Operation.

Für die Praxis heißt das: Der Unterschied liegt weniger in der späteren Kraft als im Risikoprofil. Wer eine Operation scheut, etwa wegen Wundheilungsproblemen, Rauchen oder Durchblutungsstörungen, hat mit der konservativen Behandlung eine gleichwertige Option, sofern die frühe Reha konsequent mitgetragen wird. Wer ein möglichst niedriges Rerupturrisiko anstrebt, entscheidet sich eher für die Naht. Beides sind Abwägungen, keine Anweisungen.

Diese Zahlen sind Durchschnittswerte aus Studien und gelten nicht für jeden einzelnen Fall. Sie hängen stark davon ab, wie konsequent die Nachbehandlung erfolgt. Fachgesellschaften führen die Leitlinienlage im AWMF-Register, dort können Sie nachlesen, welche Empfehlungen aktuell gelten.

Operation oder konservativ: Wer eignet sich wofür?

KriteriumOperation (Naht)Konservativ (Orthese, Reha)
VorgehenNaht der Sehne, offen oder minimalinvasivFuß in Spitzfußstellung, Orthese mit Fersenkeilen, später Abbau
Risiko erneuter Rissetwas niedrigeretwas höher, bei konsequenter Reha nahe beieinander
WundrisikoInfektion, Narbe, Nervenreizung möglichkein Wundrisiko
Eignunghoher sportlicher Anspruch, Lücke zwischen den Stümpfen, ältere oder wiederholte Risse nach AbwägungUltraschall mit guter Annäherung der Stümpfe, Wunsch nach Verzicht auf OP, Begleiterkrankungen
VoraussetzungOP-Fähigkeit, intakte HautZuverlässigkeit bei der Orthesennutzung

Ob die Sehnenstümpfe in Spitzfußstellung zusammenfinden, prüfen Ärztinnen und Ärzte per dynamischem Ultraschall. Ein ausgeprägter Spalt kann für eine Operation sprechen. Bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder Hautproblemen am Unterschenkel wägen sie das Wundrisiko besonders ab.

Orthese und Reha: Wie sieht der Ablauf aus?

Der Ablauf unterscheidet sich je nach Klinik, folgt aber meist einem festen Protokoll. Das Prinzip: Die Sehne wird geschützt und zunehmend belastet.

  • Erste Wochen: Orthese oder Spezialschuh mit Fersenkeilen, der Fuß steht in Spitzfußstellung. Je nach Protokoll ist Teil- oder Vollbelastung mit Gehstützen erlaubt.
  • Etwa ab der dritten bis sechsten Woche: Schrittweiser Abbau der Keile, Beginn der Physiotherapie mit Beweglichkeit und leichtem Kraftaufbau.
  • Nach etwa sechs bis acht Wochen: Orthese wird abgelegt, normales Schuhwerk, Gang- und Krafttraining.
  • Später: Lauftraining, Sprungtraining, sportartspezifische Belastung, jeweils nach Freigabe.

Die Zeiten sind Orientierungswerte und weichen je nach Protokoll ab. Die Orthese verordnet die Ärztin oder der Arzt als Hilfsmittel. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro (§ 33 SGB V). Physiotherapie als Heilmittel kostet 10 Prozent plus 10 Euro je Verordnung (§ 32 SGB V). Das konsequente Tragen der Orthese gehört zur Behandlung, das gilt auch nachts.

Krankschreibung, Arbeit und Sport

Wie lange Sie nicht arbeiten können, hängt von Ihrem Beruf ab. Bei sitzender Tätigkeit ist nach einigen Wochen oft eine Rückkehr möglich, bei stehender, gehender oder körperlich schwerer Arbeit dauert es häufig mehrere Monate. Der Arbeitgeber zahlt das Entgelt bis zu sechs Wochen weiter (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz), danach folgt das Krankengeld.

Zum Sport: Lauftraining beginnt in der Regel nicht vor Abschluss der frühen Reha-Phasen und nur nach Freigabe. Die volle sportliche Belastung wird oft erst nach mehreren Monaten erreicht, bei Sprung- und Sprintsportarten kann es länger dauern. Zu frühe Belastung kann zu einer erneuten Ruptur führen. Orientieren Sie sich an Kraft- und Funktionstests statt allein am Kalender.

Beschäftigte im Gesundheitswesen

MFA und OTA stehen oft lange. Bei stufenweiser Wiedereingliederung (§ 74 SGB V) sind kürzere Stehzeiten und Pausenregelungen ein Thema, das Sie früh mit Betriebsarzt und Vorgesetzten besprechen können.

Wann sollte ich sofort zum Arzt?

Ein Verdacht auf Achillessehnenriss gehört zeitnah in die Notaufnahme, zu einer Unfallchirurgin oder einem Orthopäden. Dringend wird es bei:

  • Knall und plötzlichem Schmerz mit deutlicher Kraftschwäche beim Abdrücken,
  • sichtbarer Delle in der Sehne oder starker Schwellung,
  • offener Wunde über der Sehne,
  • Taubheit, Blässe oder Kälte des Fußes.

Bis zur Untersuchung: Fuß entlasten, hochlagern, kühlen ohne direkten Hautkontakt. Fahren Sie nicht selbst. Während der Behandlung sind Warnzeichen wie zunehmende Schwellung, Rötung, Fieber, Wadenschmerz oder eine nässende Wunde ein Grund für sofortige Rückmeldung.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Muss ein Achillessehnenriss operiert werden?

Nicht zwingend. Studien zeigen für viele Betroffene vergleichbare Funktion nach Operation und nach konservativer Behandlung mit früher funktioneller Reha. Die Entscheidung hängt von Ultraschallbefund, Alter, Anspruch und Begleiterkrankungen ab.

Wie hoch ist das Risiko für einen erneuten Riss?

In einer Metaanalyse im BMJ (2019) lag es nach Operation bei etwa 2,3 Prozent und nach konservativer Behandlung bei etwa 3,9 Prozent. Die Werte sind Durchschnitte aus Studien und hängen von der Nachbehandlung ab.

Wie lange trägt man nach einem Achillessehnenriss eine Orthese?

Häufig rund sechs bis acht Wochen, mit schrittweisem Abbau der Fersenkeile. Verbindlich ist das Protokoll Ihrer Klinik oder Praxis.

Wie lange ist man bei Achillessehnenriss krankgeschrieben?

Das richtet sich nach Beruf und Verlauf. Bei sitzender Tätigkeit sind es oft einige Wochen, bei körperlicher Arbeit meist deutlich länger. Die Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der Arzt fest.

Wann darf ich nach einem Achillessehnenriss wieder joggen?

Lauftraining beginnt nicht vor Abschluss der frühen Reha-Phasen und nach Freigabe, oft erst nach mehreren Monaten. Entscheidend sind Kraft und Belastbarkeit der Wade, nicht allein die Zeit.

Können Antibiotika die Achillessehne schädigen?

Für Fluorchinolon-Antibiotika sind Sehnenschäden bis hin zum Riss als mögliche Nebenwirkung bekannt. Brechen Sie Medikamente aber nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie bei Schmerzen in der Sehne umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.