Ratgeber · Karriere · Stand 25.10.2026
Facharzt Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie: Weiterbildung
Die Weiterbildung zum Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie dauert nach der Musterweiterbildungsordnung 72 Monate. Davon entfallen 48 Monate auf das Fach, je 6 Monate auf Notaufnahme und Intensivmedizin, bis zu 12 Monate können in anderen Gebieten liegen. Verbindlich ist die Ordnung Ihrer Landesärztekammer.
Hauptratgeber zum Thema Karriere: Facharzt Chirurgie: Weiterbildung, Dauer und Ablauf
Wie ist die Weiterbildung aufgebaut?
Das Gebiet Chirurgie ist in der Muster-Ordnung der Bundesärztekammer in mehrere Facharztkompetenzen gegliedert. Die Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie ist eine davon. Die Weiterbildung findet bei weiterbildungsbefugten Ärztinnen und Ärzten in zugelassenen Stätten statt. Rechtsverbindlich sind die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern, die von der Muster-Ordnung abweichen können.
| Abschnitt | Dauer |
|---|---|
| Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie | 48 Monate |
| Notfallaufnahme | 6 Monate |
| Intensivmedizin | 6 Monate |
| Andere Gebiete zum Kompetenzerwerb | bis zu 12 Monate |
| Gesamt | 72 Monate |
Notaufnahme und Intensivmedizin zählen zu den 72 Monaten und sind Pflichtabschnitte.
Welche Inhalte vermittelt die Weiterbildung?
Das Fach verbindet drei Schwerpunkte: Wiederherstellung von Form und Funktion nach Verletzung, Tumor oder Fehlbildung, die Behandlung von Verbrennungen und Handverletzungen sowie ästhetische Eingriffe. Die Muster-Ordnung beschreibt unter anderem diese Inhalte:
- Handchirurgie: Eingriffe bei Dupuytren-Kontraktur, Ringbandspaltung, Sehnen- und Nervenoperationen, Nervendekompressionen wie beim Karpaltunnelsyndrom
- Verbrennungsmedizin: Erstversorgung Brandverletzter, Hautersatzverfahren, Narbenkorrekturen, Gewinnung von Hauttransplantaten
- Rekonstruktive Chirurgie: Lappenplastiken, mikrochirurgische Gefäßnähte, Hauttransplantation, Brustrekonstruktion, Defektdeckung bei Druckgeschwüren, Infektionen und Tumoren
- Ästhetische Chirurgie: Korrekturen an Ohrmuschel, Augenlidern und Brust, Fettabsaugung, Straffungsoperationen
- Übergreifend: Notfall- und Intensivmedizin, Schmerztherapie, Wundmanagement, Gutachten, Strahlenschutz
Zur ästhetischen Chirurgie gehören in der Weiterbildung ausdrücklich auch die Aufklärung, die Abwägung von Nutzen und Grenzen eines Eingriffs und die standardisierte Fotodokumentation. Das Fach ist also nicht auf Schönheitsoperationen beschränkt: Ein großer Teil der Tätigkeit ist rekonstruktiv und medizinisch begründet.
Welche Rolle spielen Richtzahlen und Logbuch?
Wie in allen Gebieten legt die Weiterbildungsordnung neben der Zeit auch Handlungskompetenzen fest, oft mit Richtzahlen für Eingriffe. Sie dokumentieren, welche Erfahrung erwartet wird. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Landesärztekammer und Fassung der Ordnung, deshalb sollten Sie den Katalog Ihrer Kammer verwenden.
Die Dokumentation erfolgt im Logbuch, das viele Kammern digital anbieten. Die weiterbildungsbefugte Person bestätigt die erreichten Kompetenzen, und mindestens jährlich findet ein Weiterbildungsgespräch statt. Am Ende steht die Prüfung vor einem Ausschuss der Landesärztekammer. Zur Anmeldung gehören die Zeugnisse über alle Abschnitte und das Logbuch.
Praktisch ist es sinnvoll, früh zu planen, wo Sie seltene Inhalte erwerben. Mikrochirurgie, Verbrennungsmedizin oder bestimmte ästhetische Eingriffe sind nicht an jeder Weiterbildungsstätte möglich. Fragen Sie nach Rotationen oder Kooperationen.
Welche Voraussetzungen und Eigenschaften helfen?
Formale Voraussetzung ist die Approbation als Ärztin oder Arzt und eine Stelle bei einem Weiterbildungsbefugten. Darüber hinaus nennen Übersichten handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld und gute Kommunikation. Letztere ist wichtig, weil Sie mit anderen Fachrichtungen zusammenarbeiten und Patienten über Möglichkeiten und Grenzen eines Eingriffs aufklären.
Ein Hinweis zum Berufsrecht: Für Werbung bei operativen plastisch-chirurgischen Eingriffen ohne medizinische Notwendigkeit setzt das Heilmittelwerbegesetz enge Grenzen, zum Beispiel für Vorher-Nachher-Vergleiche (§ 11 HWG). Das betrifft später die Außendarstellung einer Praxis. Die Ärztekammer und Fachanwälte für Medizinrecht beraten dazu.
Wie sehen Stellen und Vergütung aus?
Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer gab es zum 31. Dezember 2025 in Deutschland 2.090 Ärztinnen und Ärzte mit einer Facharztbezeichnung in der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie, davon 1.847 berufstätig (alle Bezeichnungsvarianten zusammengerechnet). Ein Teil arbeitet ambulant, ein anderer stationär. Das Fach ist damit vergleichsweise klein, die Zahl der Weiterbildungsstellen ist begrenzt, und die Konkurrenz um Stellen an Zentren kann hoch sein. Planen Sie deshalb Hospitationen, Famulaturen oder ein Praktisches Jahr im Fach ein, wenn Sie Kontakte zu Abteilungen knüpfen möchten. Offene Stellen finden Sie über Klinikwebsites, Stellenportale und die Fachgesellschaften, und ein persönliches Gespräch mit der Weiterbildungsleitung klärt oft mehr als die Anzeige.
In kommunalen Kliniken gilt für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung der TV-Ärzte/VKA. Die Entgeltgruppe Ä 1 liegt ab 1. Juni 2026 bei 5.722 Euro brutto im Monat im ersten Jahr und steigt bis 7.355 Euro ab dem sechsten Jahr. Ä 2 für Fachärzte beginnt bei 7.552 Euro. Dienste und Zulagen kommen hinzu. Universitätskliniken, private Träger und Praxen haben eigene Regelungen.
Wie unterscheidet sich das Fach von anderen chirurgischen Richtungen?
Das Gebiet Chirurgie umfasst nach der Muster-Ordnung mehrere Facharztkompetenzen mit eigenen Schwerpunkten. Die folgende Übersicht hilft bei der Orientierung:
| Facharztrichtung | Schwerpunkt |
|---|---|
| Allgemeinchirurgie | breite Basis in Viszeralchirurgie sowie Orthopädie und Unfallchirurgie |
| Gefäßchirurgie | Arterien, Venen, endovaskuläre Eingriffe, Dialysezugänge |
| Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie | Wiederherstellung von Form und Funktion, Hand, Verbrennung, Ästhetik |
Typisch für die Plastische Chirurgie sind der Umgang mit Gewebe, die Planung von Lappen und die mikrochirurgische Technik. Viele Eingriffe sind interdisziplinär: Onkologische Resektionen werden mit Rekonstruktionen kombiniert, Handverletzungen mit der Unfallchirurgie. Wer sich noch nicht festlegen möchte, kann in der Notaufnahme und auf der Intensivstation zunächst Erfahrungen sammeln und danach wählen.
Der Alltag unterscheidet sich je nach Haus. In Zentren für Schwerbrandverletzte, Handchirurgie oder Brustrekonstruktion setzen Sie andere Schwerpunkte als in einer Abteilung mit überwiegend ästhetischem Spektrum. Vergleichen Sie die Fallzahlen und Operationskataloge mehrerer Häuser.
Welche Schritte planen Sie als Nächstes?
- Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer lesen und Katalog der Handlungskompetenzen herunterladen
- Verzeichnis der Weiterbildungsbefugten prüfen und Umfang der Befugnis erfragen
- Bewerbung mit Blick auf Rotationen, Handchirurgie, Brandverletzte und rekonstruktive Fälle planen
- Logbuch von Anfang an führen und jährlich Weiterbildungsgespräche dokumentieren
- Anrechnung früherer Zeiten aus Chirurgie, Unfallchirurgie oder Ausland schriftlich klären
- Fort- und Weiterbildung im Fachgebiet, etwa Kurse und Fachgesellschaften, früh einplanen
Dieser Text informiert sachlich über die Weiterbildung und ersetzt weder die Weiterbildungsordnung noch die Beratung durch Ihre Landesärztekammer. Patientinnen und Patienten mit konkreten Fragen zu einem Eingriff sollten sich ärztlich beraten lassen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Plastische Chirurgie?
Nach der Musterweiterbildungsordnung 72 Monate, davon 48 Monate im Fach, je 6 Monate Notaufnahme und Intensivmedizin und bis zu 12 Monate in anderen Gebieten. Verbindlich ist die Ordnung Ihrer Landesärztekammer.
Was gehört zur Weiterbildung in der Plastischen Chirurgie?
Handchirurgie, Verbrennungsmedizin, rekonstruktive Verfahren wie Lappenplastiken und Mikrochirurgie sowie ästhetische Chirurgie, dazu Notfall- und Intensivmedizin, Wundmanagement und Schmerztherapie.
Besteht die Plastische Chirurgie nur aus Schönheitsoperationen?
Nein. Ein großer Teil der Weiterbildung betrifft rekonstruktive Eingriffe, Handchirurgie und Brandverletzte. Ästhetische Chirurgie ist ein Teil des Fachs.
Gibt es eine Facharztbezeichnung Chirurgie ohne Zusatz?
Das Gebiet Chirurgie umfasst mehrere Facharztkompetenzen, etwa Allgemeinchirurgie, Gefäßchirurgie und Plastische Chirurgie. Welche Bezeichnung Sie führen dürfen, regelt Ihre Landesärztekammer.
Wo finde ich Weiterbildungsbefugte?
Bei der Landesärztekammer. Viele Kammern veröffentlichen Verzeichnisse mit Befugnisumfang. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch auch nach Rotationen.
Quellen
- Facharzt-Weiterbildung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (Ärzteblatt)
- Bundesärztekammer: Musterweiterbildungsordnung 2018 (Stand 3. Juli 2026)
- Ärztekammer des Saarlandes: Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
- Sächsische Landesärztekammer: Richtlinien Plastische Chirurgie
- Heilmittelwerbegesetz § 11
- TV-Ärzte/VKA Entgelttabelle (ab 1. Juni 2026)
- Bundesärztekammer: Ärztestatistik 2025 (Stand 31. Dezember 2025)
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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