Ratgeber · Karriere · Stand 25.10.2026

Facharzt Gefäßchirurgie: Weiterbildung, Dauer und Inhalte

Die Weiterbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie dauert nach der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 72 Monate. Davon entfallen 48 Monate auf die Gefäßchirurgie, je 6 Monate auf Notaufnahme und Intensivmedizin, bis zu 12 Monate können in anderen Gebieten absolviert werden. Verbindlich ist die Weiterbildungsordnung Ihrer Landesärztekammer. Dokumentiert wird im Logbuch, geprüft wird bei der Kammer.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Gefäßchirurgen?

Nach der Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer (Stand 3. Juli 2026) beträgt die Mindestweiterbildungszeit im Gebiet Chirurgie 72 Monate. Sie müssen sie bei weiterbildungsbefugten Ärztinnen und Ärzten in zugelassenen Weiterbildungsstätten absolvieren. Die Muster-Ordnung ist eine Empfehlung, rechtsverbindlich sind die Weiterbildungsordnungen der Landesärztekammern. Details können sich deshalb von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

AbschnittDauer
Gefäßchirurgie unter Befugnis48 Monate
Notfallaufnahme6 Monate
Intensivmedizin6 Monate
Kompetenzerwerb in anderen Gebietenbis zu 12 Monate
Gesamt72 Monate

Die Weiterbildung läuft nicht an einer einzigen Stelle ab. Üblich sind Wechsel zwischen Abteilungen oder Häusern, etwa für Notaufnahme, Intensivstation oder endovaskuläre Verfahren, und jeder Abschnitt braucht ein Zeugnis des Weiterbildungsbefugten. Teilzeit ist möglich und verlängert die Weiterbildung entsprechend. Unterbrechungen, etwa durch Elternzeit oder Krankheit, regeln die Kammern in ihren Ordnungen. Fragen Sie vor Beginn bei Ihrer Kammer nach der Anrechnung früherer Zeiten, auch aus dem Ausland, sowie nach den Fristen für die Anmeldung zur Prüfung.

Was gilt für Notaufnahme, Intensivmedizin und gemeinsame Inhalte?

Die Muster-Ordnung führt für alle Facharzt-Weiterbildungen im Gebiet Chirurgie gemeinsame Inhalte auf, etwa chirurgische Techniken, perioperative Behandlung, Wundmanagement und Lokalanästhesie. Pflichtabschnitte sind 6 Monate in der Notfallaufnahme und 6 Monate in der Intensivmedizin. Diese Zeiten zählen zu den 72 Monaten.

Der Vorteil für Sie: Wenn Sie zu Beginn noch nicht festgelegt sind, lassen sich die Pflichtabschnitte und viele gemeinsame Inhalte in mehreren chirurgischen Facharztrichtungen nutzen. Eine feste, separate Basisweiterbildung von 24 Monaten sieht die aktuelle Muster-Ordnung nicht vor, einzelne Länder können aber eigene Regeln haben. Fragen Sie bei Ihrer Landesärztekammer nach der Anrechnung.

Welche Inhalte und Richtzahlen sind vorgesehen?

Die Weiterbildung vermittelt die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße, offen-chirurgisch und endovaskulär. Zu den Handlungskompetenzen mit Richtzahlen gehören laut veröffentlichten Übersichten zur MWBO unter anderem:

EingriffsgruppeRichtzahl
Revaskularisierende und rekonstruierende Eingriffe im brachialen, femoro-poplitealen und cruro-pedalen Abschnitt100
Amputationen und operative Behandlung des diabetischen Fußsyndroms50
Revaskularisierende und rekonstruierende Eingriffe an thorakalen, aortalen, viszeralen und iliakalen Gefäßen50
Endovaskuläre Eingriffe, auch interdisziplinär60
Rekonstruktionen an supraaortalen Arterien25
Anlage und Korrektur von Dialyse-Shunts30
Getunnelte zentralvenöse Katheter und Portsysteme30

Diese Zahlen sind Orientierungswerte aus der Muster-Ordnung. Maßgeblich ist der Katalog Ihrer Landesärztekammer in der aktuellen Fassung. Die Richtzahlen sagen nicht, dass eine bestimmte Anzahl an Eingriffen allein zum Bestehen reicht. Sie dokumentieren, welche Erfahrung die Kammer erwartet.

Wie führen Sie das Logbuch und was gehört zur Prüfung?

Während der Weiterbildung dokumentieren Sie Zeiten, Inhalte und durchgeführte Eingriffe im Logbuch. Viele Kammern bieten dafür ein digitales eLogbuch an. Die weiterbildungsbefugte Person bestätigt die Inhalte, in der Praxis meist in regelmäßigen Gesprächen. Am Ende reichen Sie das vollständig ausgefüllte Logbuch mit den Zeugnissen bei der Landesärztekammer ein.

Danach folgt die Facharztprüfung, ein Fachgespräch vor einem Prüfungsausschuss der Kammer. Es prüft, ob Sie die Kompetenzen des Gebiets erreicht haben. Bei bestandener Prüfung erhalten Sie die Anerkennung als Facharzt für Gefäßchirurgie.

  • Logbuch laufend pflegen, nicht erst am Ende nachtragen
  • Jährliche Weiterbildungsgespräche dokumentieren lassen
  • Zeugnisse jeder Station aufbewahren
  • Richtzahlen früh mit dem Weiterbildungsbefugten besprechen

Was macht ein Gefäßchirurg im Alltag?

Gefäßchirurgen behandeln Erkrankungen der Blutgefäße außerhalb des Herzens und im Gehirn. Dazu zählen Durchblutungsstörungen der Beine, Erweiterungen der Bauchschlagader, Verengungen der Halsschlagader, Thrombosen und Gefäßverletzungen. Hinzu kommen Zugänge für die Dialyse und die Mitbehandlung des diabetischen Fußsyndroms. Die Arbeit verbindet offene Operationen mit Kathetereingriffen und erfolgt eng mit Radiologie, Diabetologie, Nephrologie und Neurologie.

Für den Einstieg brauchen Sie die Approbation und Interesse an einem Fach mit Notfällen, Bereitschaftsdiensten und langen Eingriffen. Gute manuelle Fähigkeiten, Teamarbeit und die Bereitschaft, sich in bildgebende Verfahren einzuarbeiten, sind hilfreich. Die meisten Fachärzte arbeiten im Krankenhaus, einzelne in Praxen oder Gefäßzentren. Wie die Berufsaussichten in Ihrer Region sind, sollten Sie bei Kammer, Fachgesellschaft und Klinik erfragen.

Für Patientinnen und Patienten gilt: Beschwerden wie Schmerzen beim Gehen, kalte Füße, plötzliche Lähmungserscheinungen oder pulsierende Schwellungen gehören ärztlich abgeklärt, bei akuten Symptomen über den Notruf. Dieser Text beschreibt die Weiterbildung, keine Behandlung.

Wer darf weiterbilden und wie finden Sie die passende Stelle?

Die Landesärztekammer erteilt die Weiterbildungsbefugnis persönlich an einzelne Ärztinnen und Ärzte, in der Regel für einen bestimmten Zeitraum und bis zu einer bestimmten Zahl von Monaten. Viele Kammern veröffentlichen Verzeichnisse der Befugten. Nicht jede Klinik mit gefäßchirurgischer Abteilung kann die komplette Weiterbildung anbieten, manchmal fehlen etwa endovaskuläre Eingriffe oder die Aortenchirurgie. Dann sind Rotationen in Kooperationshäuser nötig.

Fragen Sie im Bewerbungsgespräch nach:

  • Umfang der Befugnis in Monaten und Gültigkeit
  • Rotationsplan und Kooperationspartner
  • Anteil offen-chirurgischer und endovaskulärer Eingriffe im Haus
  • Strukturierter Einarbeitung und Zeit für Operationen unter Anleitung
  • Dienstmodell, Zahl der Bereitschaftsdienste und Freizeitausgleich

Wer sich den Wechsel in ein anderes Bundesland vorstellt, klärt vorab die Anerkennung der bisherigen Zeiten bei der aufnehmenden Kammer.

Was verdienen Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung?

In kommunalen Kliniken gilt der TV-Ärzte/VKA. Assistenzärzte in der Weiterbildung werden in Entgeltgruppe Ä 1 eingruppiert, die Tabelle reicht ab dem 1. Juni 2026 von 5.722 Euro brutto im Monat im ersten Jahr bis 7.355 Euro ab dem sechsten Jahr. Nach der Anerkennung als Facharzt folgt Ä 2 mit 7.552 Euro in Stufe 1. Dienste und Zulagen kommen hinzu. An Universitätskliniken und bei privaten Trägern gelten andere Tabellen. Weitere Einzelheiten stehen im Artikel zum Gehalt von Assistenzärzten in der Chirurgie.

Diese Informationen dienen der Orientierung und ersetzen nicht die Auskunft Ihrer Landesärztekammer zur Weiterbildungsordnung.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Gefäßchirurgie?

Nach der Musterweiterbildungsordnung 72 Monate, davon 48 Monate Gefäßchirurgie, je 6 Monate Notaufnahme und Intensivmedizin und bis zu 12 Monate in anderen Gebieten. Maßgeblich ist die Ordnung Ihrer Landesärztekammer.

Müssen Notaufnahme und Intensivmedizin in die Weiterbildung?

Ja. Die Musterweiterbildungsordnung verlangt 6 Monate in der Notfallaufnahme und 6 Monate in der Intensivmedizin. Beide Zeiten zählen zu den 72 Monaten. Maßgeblich ist die Ordnung Ihrer Landesärztekammer.

Wer darf in der Gefäßchirurgie weiterbilden?

Ärztinnen und Ärzte mit persönlicher Weiterbildungsbefugnis der Landesärztekammer. Sie gilt für eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Umfang in Monaten. Die Kammern führen dazu Verzeichnisse.

Wie wird die Weiterbildung dokumentiert?

Im Logbuch, das viele Kammern als digitales eLogbuch anbieten. Der Weiterbildungsbefugte bestätigt die Inhalte, das vollständige Logbuch geht an die Kammer.

Wie läuft die Facharztprüfung ab?

Als Fachgespräch vor einem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer. Zugelassen werden Sie nach Abschluss der Weiterbildungszeiten und Vorlage der Zeugnisse und des Logbuchs.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.