Ratgeber · Narkose und Genesung · Stand 25.10.2026

Wundinfektion nach OP erkennen: Anzeichen, Notfall und Vorbeugung

Eine Wundinfektion zeigt sich meist durch zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz, Eiter oder Fieber an der Operationswunde. Beobachten Sie solche Zeichen, kontaktieren Sie am selben Tag Ihren Operateur oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei Atemnot, Verwirrtheit, Schüttelfrost mit Kreislaufproblemen oder starker Blutung rufen Sie 112.

Woran erkenne ich eine Wundinfektion?

Nach jeder Operation ist die Wunde leicht gerötet, geschwollen und druckempfindlich. Das gehört zur normalen Heilung. Eine Infektion erkennen Sie daran, dass die Zeichen nicht abnehmen, sondern zunehmen oder sich ausbreiten.

Normale HeilungVerdacht auf Infektion
Leichte Rötung nur am WundrandRötung breitet sich aus, auch im Umfeld
Schmerz nimmt von Tag zu Tag abSchmerz nimmt wieder zu oder pocht
Klares oder leicht blutiges Sekret in den ersten TagenTrübes, gelbliches oder übelriechendes Sekret, Eiter
Leichte Schwellung, die sich zurückbildetWachsende, harte, überwärmte Schwellung
Normale Körpertemperatur oder leicht erhöht am OP-TagFieber, Schüttelfrost, Krankheitsgefühl
Wundränder liegen aneinanderWunde klafft oder öffnet sich

Häufig entwickelt sich eine Infektion in den ersten Tagen bis Wochen nach der Operation. Sie kann bei eingesetzten Implantaten oder tieferen Wundschichten aber auch später auffallen.

Wann muss ich sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme?

Warten Sie nicht auf den nächsten Kontrolltermin, wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken. Die Reihenfolge der Dringlichkeit:

  • Notruf 112: Atemnot, schnelle flache Atmung, Verwirrtheit oder Benommenheit, Kreislaufkollaps, Schüttelfrost mit Schwäche und sehr schnellem Puls, nicht stillbare Blutung. Das können Zeichen einer Blutvergiftung sein.
  • Am selben Tag Operateur, Notaufnahme oder 116117: Fieber, sich ausbreitende Rötung, Eiter, zunehmende Schmerzen, geöffnete Wunde.
  • Beim nächsten Werktag in der Praxis: leichtes Nässen ohne weitere Zeichen, juckende Wundränder, kleine Verhärtungen.

Bei roter, überwärmter, schmerzhaft geschwollener Haut mit Fieber kann eine bakterielle Hautinfektion wie Wundrose oder Phlegmone vorliegen. Sie wird ärztlich behandelt, häufig mit Antibiotika. Behandeln Sie sie nicht allein mit Hausmitteln und nehmen Sie keine Antibiotika ohne Verordnung.

Sepsis: Warnzeichen einer Blutvergiftung

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation einer Infektion. Nach gesund.bund.de können unter anderem eitrig entzündete Hautwunden und infizierte Prothesen der Auslöser sein. Typische Warnzeichen sind:

  • plötzliche Verwirrtheit
  • Kurzatmigkeit und schnelle Atmung
  • Herzrasen
  • Fieber mit Schüttelfrost
  • feuchte Haut durch starkes Schwitzen
  • starke Schmerzen und ausgeprägtes Unwohlsein

Bei Verdacht auf eine Sepsis handelt es sich um einen Notfall: Rufen Sie sofort die 112. Die Behandlung erfolgt im Krankenhaus, oft auf der Intensivstation, mit sofortiger Antibiotikagabe und Infusionen. Manchmal ist zusätzlich eine Operation nötig, um die Infektionsquelle zu behandeln.

Wer hat ein höheres Risiko?

Ein höheres Infektionsrisiko haben unter anderem Menschen mit Diabetes, starkem Übergewicht, geschwächtem Immunsystem, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung und Raucher. Auch Art und Dauer des Eingriffs, Notfalloperationen und eingesetztes Fremdmaterial spielen eine Rolle. Sagen Sie Ihrem Operateur und Anästhesisten vor dem Eingriff offen, welche Erkrankungen und Medikamente Sie haben.

Die genauen Wahrscheinlichkeiten hängen von Eingriff und Klinik ab. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut gibt den Kliniken Empfehlungen zur Vorbeugung. Konkrete Zahlen für Ihren Eingriff nennt Ihnen der Operateur im Aufklärungsgespräch.

Bei Verdacht: So gehen Sie Schritt für Schritt vor

  1. Messen Sie die Körpertemperatur und notieren Sie Uhrzeit und Wert.
  2. Fotografieren Sie die Wunde und markieren Sie die Rötungsgrenze mit einem Hautstift, damit der Arzt eine Ausbreitung beurteilen kann.
  3. Achten Sie auf rote Streifen, die sich von der Wunde aus ausbreiten. Sie können auf eine Entzündung der Lymphbahnen hindeuten und gehören sofort ärztlich abgeklärt.
  4. Rufen Sie Operateur, Praxis oder den Bereitschaftsdienst 116117 an und schildern Sie Beginn, Verlauf und Fieberwerte.
  5. Halten Sie Medikamentenplan, Entlassbrief und Allergieausweis bereit.
  6. Nehmen Sie keine Antibiotika aus Restbeständen und tragen Sie keine Salben auf, die nicht verordnet wurden.

Wie häufig sind Wundinfektionen und wer ist gefährdet?

Laut der Patienteninformation, die das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung erstellt hat, kommt es in Deutschland jedes Jahr bei etwa 200.000 operierten Menschen zu einer Infektion der Wunde. Die Broschüre erklärt, was das Behandlungsteam und Sie selbst zur Vorbeugung tun können.

Die Wundheilung ist schlechter und das Risiko höher bei:

  • Übergewicht und Blutarmut
  • Abwehrschwäche, zum Beispiel bei Diabetes, HIV oder Krebserkrankungen
  • Rauchen

Die meisten Erreger stammen von der eigenen Haut. Fragen Sie die Praxis vor dem Eingriff, ob Sie sich zu Hause besonders waschen oder duschen sollen. Klären Sie auch, ob und wie Haare an der Operationsstelle entfernt werden, und rasieren Sie nicht auf eigene Faust. Die Broschüre empfiehlt dafür eher Schere oder Clipper als Enthaarungscreme.

Vorbeugung: Was Sie selbst tun können

  • Hände vor jedem Kontakt mit Wunde oder Verband waschen oder desinfizieren
  • Verband nur wechseln, wie es angeordnet ist, und bei Durchnässung oder Verschmutzung sofort erneuern
  • Wunde nicht kratzen, nicht mit Salben, Puder oder Hausmitteln behandeln, die nicht verordnet wurden
  • Vor und nach dem Eingriff möglichst nicht rauchen
  • Bei Diabetes den Blutzucker nach ärztlicher Vorgabe gut einstellen
  • Duschen, Baden und Schwimmen nur nach Freigabe
  • Ausreichend trinken, Eiweiß essen und sich bewegen, soweit erlaubt
  • Haustiere von der Wunde fernhalten

Vor der Operation gehören in Kliniken und Praxen Maßnahmen wie Händehygiene, Hautvorbereitung und, wenn nötig, eine einmalige Antibiotikagabe zum üblichen Standard. Fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind.

Was passiert, wenn die Wunde infiziert ist?

Fragen Sie schon bei der Entlassung, ob in den ersten Tagen eine Wundkontrolle vorgesehen ist. Für genähte Wunden nennt die ärztliche Fachliteratur eine erste Kontrolle nach etwa zwei Tagen, bei Zeichen einer Infektion eine sofortige Wiedervorstellung.

Der Arzt untersucht die Wunde, misst Fieber und veranlasst gegebenenfalls Blutwerte, einen Abstrich oder Ultraschall. Leichte Infektionen werden lokal behandelt, die Wunde wird gereinigt, geöffnet oder nachbehandelt. Bei ausgeprägten Infektionen sind Antibiotika und manchmal ein stationärer Aufenthalt oder eine erneute Operation nötig. Ein Heilungsversprechen kann niemand geben, aber frühes Handeln verbessert die Chancen auf einen unkomplizierten Verlauf. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Wie sieht eine infizierte OP-Wunde aus?

Typisch sind zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz und Eiter oder trübes Sekret, manchmal mit Fieber. Eine leichte Rötung nur am Wundrand ist dagegen normal.

Wann treten Wundinfektionen nach einer Operation auf?

Meist in den ersten Tagen bis Wochen. Bei tieferen Infektionen oder Implantaten kann es auch später auffallen.

Ist Fieber nach der OP normal?

Leicht erhöhte Temperatur am OP-Tag kann vorkommen. Fieber, das später auftritt, anhält oder mit Schüttelfrost einhergeht, gehört am selben Tag ärztlich abgeklärt.

Kann ich eine Wundinfektion selbst behandeln?

Nein. Hausmittel oder Salben ohne Verordnung verzögern die richtige Behandlung. Lassen Sie die Wunde ärztlich prüfen.

Wen rufe ich nachts oder am Wochenende an?

Den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei Lebensgefahr, etwa bei Atemnot oder Kreislaufversagen, den Notruf 112.

Wie kann ich einer Wundinfektion vorbeugen?

Hände waschen, Verband trocken halten, Wunde nicht manipulieren, nicht rauchen, Blutzucker einstellen und die Anweisungen zu Duschen und Belastung einhalten.

Woran erkenne ich eine Blutvergiftung nach einer OP?

Warnzeichen sind plötzliche Verwirrtheit, Kurzatmigkeit, schnelle Atmung, Herzrasen, Fieber mit Schüttelfrost, starkes Schwitzen und starke Schmerzen. Bei Verdacht gilt der Notruf 112.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.