Ratgeber · Narkose und Genesung · Stand 25.10.2026
Narkose: Arten, Risiken und Vorbereitung
Eine Narkose schaltet Schmerzempfinden und je nach Verfahren das Bewusstsein aus. Modern durchgeführt gilt sie als sicher, völlig risikofrei ist sie aber nicht. Wichtig für Sie: Sechs Stunden vor dem Eingriff nichts mehr essen, bis zwei Stunden vorher klare Flüssigkeit, und Medikamente nur nach Absprache mit dem Anästhesisten einnehmen.
Hauptratgeber zum Thema Narkose und Genesung: Nach der Operation: Genesungsfahrplan von der Entlassung bis zur Belastung
Welche Narkoseverfahren gibt es?
Der Anästhesist wählt das Verfahren gemeinsam mit Ihnen im Vorgespräch aus. Entscheidend sind Eingriff, Alter, Gesundheitszustand, Allergien und Ihre Wünsche.
| Verfahren | Bewusstsein | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) | ausgeschaltet | Bauch-, Brust- und größere Gelenkeingriffe, lange Operationen |
| Spinalanästhesie, Periduralanästhesie | wach, ggf. leichte Sedierung | Eingriffe an Unterbauch, Leiste und Beinen |
| Plexus- und Nervenblockaden | wach, ggf. leichte Sedierung | Schulter, Arm, Hand, Unterschenkel, Fuß |
| Lokalanästhesie | wach | kleine Eingriffe an Haut, Hand, Fuß |
| Sedierung (Dämmerschlaf) | leicht schlafend, weckbar | zusätzlich zu Regional- oder Lokalbetäubung |
Bei der Vollnarkose kombiniert der Anästhesist meist ein Schlafmittel, ein Schmerzmittel und teilweise ein muskelentspannendes Mittel. Je nach Dauer atmen Sie über eine Gesichtsmaske, eine Kehlkopfmaske oder einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre. Herz, Puls und Narkosetiefe werden die ganze Zeit überwacht.
Wie hoch sind die Risiken einer Narkose?
Das Risiko hängt vor allem von Ihrem Gesundheitszustand und vom Eingriff ab, weniger vom Verfahren allein. Wer jung und gesund ist und einen kleinen Eingriff hat, trägt ein anderes Risiko als ein Patient mit Herz- oder Lungenerkrankung vor einer großen Operation. Konkrete Häufigkeiten nennen die Aufklärungsbögen und Ihr Anästhesist für Ihren Fall.
Häufige, meist harmlose Nebenwirkungen:
- Übelkeit und Erbrechen, oft eher durch den Eingriff als durch die Anästhesie bedingt
- Halsschmerzen und Heiserkeit nach Atemschlauch oder Kehlkopfmaske
- Frösteln und Schläfrigkeit im Aufwachraum
- Kurzzeitige Verwirrtheit, besonders bei älteren Patienten
Seltenere Komplikationen sind Zahnschäden beim Einführen des Atemwegs, Kreislaufprobleme oder Allergien auf Medikamente. Sehr selten sind schwere Zwischenfälle wie Atemwegsprobleme, schwere allergische Reaktionen oder Herz-Kreislauf-Komplikationen. Eine Aussage wie „Narkose ist ungefährlich“ wäre unseriös, ebenso wie Panikmache.
Bei Regionalanästhesie kommen Kopfschmerzen nach einer Spinalanästhesie, Blutergüsse an der Einstichstelle und sehr selten Nervenschäden in Frage. Blutverdünnende Medikamente spielen hier eine besondere Rolle.
Zur Einordnung eine Zahl: Eine Auswertung von rund 1,36 Millionen Narkosen in Deutschland aus den Jahren 1999 bis 2010 fand 7,3 schwere, der Anästhesie zugeordnete Zwischenfälle je eine Million Narkosen, also etwa einen auf 140.000. Die Daten stammen aus einem freiwilligen, anonymen Qualitätssicherungssystem und betreffen überwiegend geplante Eingriffe. Ältere, schwer vorerkrankte Menschen und Notfälle sind darin kaum abgebildet. Für Ihre persönliche Situation gilt deshalb die Einschätzung Ihres Anästhesisten.
Vorbereitung: nüchtern, Medikamente, Rauchen
Die Nüchternheit schützt davor, dass Mageninhalt in die Lunge gelangt. Die Empfehlungen der Anästhesisten lauten:
- Feste Nahrung, Alkohol und trübe Getränke: ab 6 Stunden vor dem Eingriff nicht mehr.
- Klare Flüssigkeit inklusive Wasser: bis 2 Stunden vor der Anästhesie erlaubt, danach nicht mehr. Ein Schluck Wasser zur Einnahme verordneter Tabletten ist die Ausnahme.
- Am Tag des Eingriffs nicht rauchen.
Medikamente klären Sie im Vorgespräch. Neue orale Antikoagulantien und höher dosiertes ASS dürfen auf keinen Fall ohne Absprache vor der Operation eingenommen werden. Setzen Sie nie eigenmächtig Medikamente ab. Kommen Sie ungeschminkt, ohne Nagellack, Schmuck und Kontaktlinsen, und entfernen Sie nicht fixierte Zahnprothesen.
Der Ablauf am Operationstag Schritt für Schritt
- Vorbereitung: Kurz vor dem Eingriff erhalten Sie oft ein beruhigendes Mittel und eine Infusion.
- Sicherheitsprüfung: Vor der Gabe der Medikamente werden Ihre Identität, der Eingriff und die Operationsstelle geprüft.
- Einleitung: Bei Erwachsenen werden die Mittel meist über die Vene gegeben. Bei Kindern erfolgt die Einleitung häufig über ein Gas per Gesichtsmaske, der Venenzugang wird erst im Schlaf gelegt.
- Atemweg: Bei sehr kurzen Eingriffen genügt eine Gesichtsmaske, bei längeren Operationen setzt der Anästhesist im Tiefschlaf eine Kehlkopfmaske oder einen Tubus ein.
- Überwachung: Herzaktivität, Puls, Reflexe und Narkosetiefe werden fortlaufend kontrolliert, die Medikamente bei Bedarf nachdosiert.
- Ausleitung: Nach dem Ende der Zufuhr wachen Sie innerhalb weniger Minuten auf, oft noch im OP-Saal. An diese Phase können sich viele Patienten später nicht erinnern. Bei Schmerzen erhalten Sie sofort ein Schmerzmittel, manchmal wird ein Katheter zur Schmerztherapie gelegt.
- Aufwachraum: Fachpersonal begleitet Sie, bis Ihre Organfunktionen normal und stabil sind. Erst dann geht es auf Station oder, bei ambulanten Eingriffen, nach einer ärztlichen Abschlussuntersuchung nach Hause.
Was Sie am Operationstag mitbringen und weglassen
Die Anästhesisten-Fachgesellschaften nennen für den Tag der Operation einige einfache Regeln:
- Kein Alkohol in den 6 Stunden vor der Narkose, am Operationstag nicht rauchen.
- Blutverdünner wie NOAK oder höher dosiertes Aspirin nur nach Rücksprache absetzen oder weiternehmen. Niedrig dosiertes ASS (100 mg) wird heute meist nicht mehr vorab pausiert, entscheiden Sie das aber nie allein.
- Schmuck und Piercings ablegen, auch an nicht betroffenen Körperstellen. Ohne Make-up, Gesichtscreme, Nagellack und künstliche Nägel kommen.
- Kontaktlinsen herausnehmen, lose Zahnprothesen und Perücken ablegen.
- Bei ambulanten Eingriffen Schlüssel und Wertsachen zu Hause lassen oder beim Pflegepersonal hinterlegen.
Bringen Sie Ihre Medikamentenliste, Allergieausweis, Implantatausweis und frühere Narkoseunterlagen mit, falls vorhanden.
Das Aufklärungsgespräch: Das sollten Sie wissen und fragen
Der Anästhesist muss Sie rechtzeitig, mündlich und verständlich über Art, Risiken und Alternativen aufklären. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Oft erhalten Sie zusätzlich einen Aufklärungsbogen zum Nachlesen. Mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie die Aufklärung und Ihre Einwilligung, die Sie jederzeit widerrufen können.
Bringen Sie mit: Unterlagen zum Eingriff wie Laborwerte, Arztbriefe oder Röntgenbilder, die Versichertenkarte, Medikamentenplan und gegebenenfalls Allergiepass. Antworten Sie ehrlich zu Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten, denn sie verändern die Wirkung der Narkose.
Gute Fragen:
- Welches Verfahren schlagen Sie für meinen Eingriff vor und warum?
- Welche Risiken bestehen bei mir wegen meiner Vorerkrankungen?
- Welche Medikamente soll ich wann pausieren?
- Wie lange wache ich auf, und wann darf ich nach Hause?
- Wie wird mein Schmerz nach dem Eingriff behandelt?
Welche Untersuchungen vor der Narkose nötig sind
Ob vor der Narkose zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind, hängt von Alter, Vorerkrankungen und Eingriff ab. Bei Bedarf veranlasst der Anästhesist Blutuntersuchungen, ein EKG oder ein Lungenröntgen, oder er hält Rücksprache mit anderen Fachärzten, etwa Kardiologen. Pauschal für jeden Patienten sind sie nicht vorgesehen.
Nach dem Gesetz muss die Aufklärung so rechtzeitig erfolgen, dass Sie Ihre Entscheidung wohlüberlegt treffen können. Haben Sie Unterlagen unterschrieben, haben Sie Anspruch auf Abschriften (§ 630e BGB). Ihre Einwilligung können Sie jederzeit mündlich widerrufen.
Nach der Narkose: Aufwachen und die ersten 24 Stunden
Nach einer Vollnarkose erwachen die meisten Patienten innerhalb weniger Minuten, häufig im Aufwachraum. Schmerzmittel werden bei Bedarf gegeben. Bei ambulanten Eingriffen müssen Sie 24 Stunden begleitet werden und dürfen nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Trinken Sie zunächst in kleinen Schlucken, essen Sie leicht und verzichten Sie auf Alkohol. Bei anhaltender Übelkeit, Atemnot oder starken Schmerzen melden Sie sich in der Klinik, der Praxis oder unter 116117. Bei Lebensgefahr gilt 112.
Dieser Text ersetzt keine Aufklärung durch den Anästhesisten.
Checkliste
Fragen vor der OP
Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.
Häufige Fragen
Wie gefährlich ist eine Vollnarkose?
Moderne Narkosen gelten als sicher, ein Restrisiko bleibt. Es hängt stark von Vorerkrankungen, Alter und Eingriff ab. Ihr Anästhesist schätzt Ihr persönliches Risiko im Vorgespräch ein.
Wie lange vor der Narkose darf ich nichts mehr essen?
Feste Nahrung ab 6 Stunden vorher nicht mehr. Klare Flüssigkeiten wie Wasser sind bis 2 Stunden vor der Anästhesie erlaubt.
Darf ich vor der Narkose meine Tabletten nehmen?
Nur nach Absprache im Anästhesie-Vorgespräch. Blutverdünner dürfen nicht ohne Rücksprache genommen werden. Notwendige Tabletten nimmt man gegebenenfalls mit einem Schluck Wasser.
Kann ich nach der Narkose selbst nach Hause fahren?
Nein. Nach einer ambulanten Narkose müssen Sie 24 Stunden begleitet werden und dürfen nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen.
Was ist der Unterschied zwischen Narkose und Regionalanästhesie?
Bei der Narkose schlafen Sie. Bei der Regionalanästhesie wird nur ein Körperbereich betäubt, Sie sind wach oder leicht sediert. Eine Vollnarkose kann im Bedarfsfall jederzeit zusätzlich eingeleitet werden.
Muss ich der Narkose schriftlich zustimmen?
Eine Einwilligung nach Aufklärung ist erforderlich. Meist unterschreiben Sie den Aufklärungsbogen. Die Einwilligung können Sie jederzeit widerrufen.
Was wird im Narkose-Vorgespräch gefragt?
Der Anästhesist fragt nach Alter, Gewicht, Gesundheitszustand, Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenten sowie Nikotin und Alkohol. Beantworten Sie die Fragen wahrheitsgemäß, denn diese Angaben beeinflussen Verfahren und Dosierung.
Quellen
- Anästhesisten im Netz: Die richtige Vorbereitung (Nüchternheit, Medikamente)
- Anästhesisten im Netz: Anästhesie-Vorgespräch
- Anästhesisten im Netz: Vollnarkose
- Anästhesisten im Netz: Regionalanästhesie
- BGB § 630e: Aufklärungspflichten
- Deutsches Ärzteblatt: Narkosen sind in Deutschland sehr sicher (Auswertung British Journal of Anaesthesia 2014)
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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