Ratgeber · Häufige Eingriffe · Stand 24.10.2026
Leistenbruch OP: Wann nötig, Verfahren, ambulant oder stationär
Ein Leistenbruch heilt nicht von allein, operiert wird aber in der Regel erst, wenn er Beschwerden macht oder eine Einklemmung droht. Der operative Verschluss gilt als einzige Möglichkeit, eine Einklemmung zu verhindern. In Deutschland sind das rund 230.000 Operationen pro Jahr, viele davon ambulant.
Hauptratgeber zum Thema Häufige Eingriffe: Häufige chirurgische Eingriffe: Überblick für Patienten
Muss ein Leistenbruch immer operiert werden?
Ein Bruch wird operiert, wenn er Schmerzen verursacht oder eine Einklemmung droht. Bei Brüchen ohne Beschwerden wird der Zeitpunkt gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen. Konservativ wird meist nur mit einem Bruchband versorgt, wenn eine Operation nicht möglich ist oder nicht zeitnah stattfinden kann. Das Band verschließt den Bruch nicht dauerhaft.
Etwa 0,5 % der Bevölkerung erkranken pro Jahr neu. Männer sind etwa neunmal häufiger betroffen als Frauen.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Es gibt offene Verfahren und Schlüsselloch-Verfahren. Keines gilt generell als überlegen, die Wahl hängt von Befund, Alter, Voroperationen und Erfahrung des Operateurs ab.
| Verfahren | Prinzip | Typisch |
|---|---|---|
| Shouldice / Bassini | offen, Verschluss der Bruchpforte mit Nähten | oft in örtlicher Betäubung möglich |
| Lichtenstein | offen, Kunststoffnetz | Netzverfahren sollen bei größeren Bruchpforten seltener zurückkehren als die Naht nach Shouldice |
| TAPP | Schlüsselloch, Netz über die Bauchhöhle, Bauchfell wird eröffnet und verschlossen | Vollnarkose |
| TEP | Schlüsselloch, Netz zwischen Bauchfell und Muskulatur, ohne Eingriff in die Bauchhöhle | Vollnarkose |
Kommt der Bruch nach einem Eingriff zurück, wird in der Fachliteratur empfohlen, nach einer Schlüssellochoperation offen und nach einer offenen Operation per Schlüsselloch zu operieren.
Ambulant oder stationär?
Offene Verfahren lassen sich oft in örtlicher Betäubung durchführen und eignen sich gut für ambulante Operationen. Minimalinvasive Eingriffe werden zunehmend ebenfalls ambulant gemacht. Dafür müssen Begleiterkrankungen, Blutverdünner und die Betreuung zu Hause passen. Ein stationärer Aufenthalt kommt bei großen oder beidseitigen Brüchen, schweren Begleiterkrankungen oder Komplikationen in Betracht.
Wie lange bin ich nach der Leistenbruch-OP krankgeschrieben?
Für Leistenbruch-Operationen gibt es keine einheitliche verbindliche Dauer, der Arzt legt sie nach Befund und Tätigkeit fest. Die Tabelle nennt Richtwerte aus der Praxis, nicht aus einer Leitlinie.
| Tätigkeit | Richtwert |
|---|---|
| Büro, sitzend | oft wenige Tage bis zwei Wochen |
| Stehende oder gehende Tätigkeit | oft ein bis drei Wochen |
| Schweres Heben, Handwerk, Pflege | oft mehrere Wochen, schweres Heben erst nach Freigabe |
Fragen Sie vor dem Eingriff konkret, wann Heben, Sport und Autofahren wieder erlaubt sind.
Wann ist ein Leistenbruch ein Notfall?
Plötzliche starke Leistenschmerzen mit einer nicht wegdrückbaren Schwellung erfordern sofortige Hilfe durch eine Chirurgin oder einen Chirurgen. Bei einer Einklemmung kann Darmgewebe absterben, ein Darmverschluss ist möglich. Beides ist lebensgefährlich und erfordert eine sofortige Operation. Gehen Sie in die Notaufnahme oder rufen Sie 112, warten Sie nicht auf einen Praxistermin.
Risiken und Beschwerden nach der Operation
Wie bei jedem Eingriff sind Nachblutungen, Wundinfektionen und Rückfälle möglich. Studien berichten von etwa 20 % postoperativen Beschwerden, zum Beispiel Ziehen oder Missempfindungen im Narbenbereich. Das heißt nicht, dass jede dieser Beschwerden dauerhaft oder stark ist. Besprechen Sie im Aufklärungsgespräch, welche Risiken für Ihren Fall zählen.
Wer zahlt während der Krankschreibung?
Nach der Operation stellt die Ärztin oder der Arzt die Arbeitsunfähigkeit fest. Für Beschäftigte gilt: Der Arbeitgeber zahlt das Entgelt zunächst weiter. Bei den oben genannten Richtwerten von meist wenigen Tagen bis einigen Wochen bleibt die Erkrankung in der Regel innerhalb dieser Frist. Sprechen Sie mit dem Operateur ab, ob Ihre Tätigkeit eine längere Schonung verlangt, zum Beispiel bei schwerem Heben.
| Phase | Wer zahlt | Grundlage |
|---|---|---|
| Bis zu 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit | Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung) | § 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Voraussetzung | Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen | § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Danach bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit | Krankenkasse (Krankengeld), 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts, höchstens 90 % des Nettoentgelts | § 47 Abs. 1 SGB V |
Zweitmeinung und Fragen vor der Entscheidung
Der Leistenbruch steht nicht auf der Eingriffsliste der Zweitmeinungs-Richtlinie des G-BA (Fassung mit Stand November 2025). Einen gesetzlichen Anspruch auf das Verfahren nach § 27b SGB V haben Sie hier deshalb nicht automatisch. Eine zweite ärztliche Meinung können Sie trotzdem einholen, klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Kasse. Nützliche Fragen im Aufklärungsgespräch:
- Welche Bruchform liegt vor, und ist beidseitig operiert werden sinnvoll?
- Warum empfehlen Sie offen oder Schlüsselloch für meinen Fall?
- Wird ein Netz eingesetzt, und welche Folgen hat das für spätere Eingriffe?
- Was passiert, wenn ich zunächst abwarte, und welche Zeichen sollen mich sofort zu Ihnen führen?
- Wie läuft die Nachkontrolle, und wer ist bei Problemen erreichbar?
Wer zahlt während der Krankschreibung?
Nach der Operation stellt die Ärztin oder der Arzt die Arbeitsunfähigkeit fest. Für Beschäftigte gilt: Der Arbeitgeber zahlt das Entgelt zunächst weiter. Bei den oben genannten Richtwerten von meist wenigen Tagen bis einigen Wochen bleibt die Erkrankung in der Regel innerhalb dieser Frist. Sprechen Sie mit dem Operateur ab, ob Ihre Tätigkeit eine längere Schonung verlangt, zum Beispiel bei schwerem Heben.
| Phase | Wer zahlt | Grundlage |
|---|---|---|
| Bis zu 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit | Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung) | § 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Voraussetzung | Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen | § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Danach bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit | Krankenkasse (Krankengeld), 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts, höchstens 90 % des Nettoentgelts | § 47 Abs. 1 SGB V |
Zweitmeinung und Fragen vor der Entscheidung
Der Leistenbruch steht nicht auf der Eingriffsliste der Zweitmeinungs-Richtlinie des G-BA (Fassung mit Stand November 2025). Einen gesetzlichen Anspruch auf das Verfahren nach § 27b SGB V haben Sie hier deshalb nicht automatisch. Eine zweite ärztliche Meinung können Sie trotzdem einholen, klären Sie die Kostenübernahme vorab mit Ihrer Kasse. Nützliche Fragen im Aufklärungsgespräch:
- Welche Bruchform liegt vor, und ist eine beidseitige Operation sinnvoll?
- Warum empfehlen Sie offen oder Schlüsselloch für meinen Fall?
- Wird ein Netz eingesetzt, und welche Folgen hat das für spätere Eingriffe?
- Was passiert, wenn ich zunächst abwarte, und welche Zeichen sollen mich sofort zu Ihnen führen?
- Wie läuft die Nachkontrolle, und wer ist bei Problemen erreichbar?
Vorbereitung, Nachsorge und Kosten
Vorbereitung auf den Eingriff
Die genauen Vorgaben nennt immer die Praxis oder Klinik. Allgemein gilt bei planbaren Eingriffen:
- Medikamente: Gerinnungshemmer, Diabetesmittel und Blutdruckmedikamente nur nach Rücksprache absetzen oder weiternehmen.
- Nüchternheit: Bei Narkose nennt das Narkoseteam die Zeiten, ab denen Sie nichts mehr essen und trinken dürfen. Bei örtlicher Betäubung gelten oft lockerere Regeln.
- Unterlagen: Überweisung, Versichertenkarte, Befunde, Bildgebung, Medikamentenplan, Allergiepass.
- Begleitung: Nach einer Narkose oder Sedierung sollten Sie abgeholt werden und die erste Nacht nicht allein sein.
- Zu Hause: Bequeme Kleidung, Kühlpacks, Schmerzmittel nach Plan und gegebenenfalls Hilfe im Haushalt vorbereiten.
Leistenbruch oder Schenkelbruch: Was ist der Unterschied?
Der Leistenbruch (Leistenhernie) ist der häufigste Bruch der Bauchwand. Bauchfell und gegebenenfalls Darm treten durch eine Lücke im Leistenkanal. Davon abzugrenzen ist der Schenkelbruch, der unterhalb des Leistenbandes austritt und bei Frauen häufiger vorkommt. Auch ein Nabelbruch oder ein Narbenbruch sind andere Hernien. Die Unterscheidung trifft die Untersuchung, manchmal mit Ultraschall. Sie kann Folgen für Verfahren und Dringlichkeit haben. Fragen Sie im Gespräch, um welche Bruchform es bei Ihnen geht.
Kosten und Kasse
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt medizinisch notwendige Leistungen. Ob ambulant oder stationär, Netz oder Naht: Bei medizinischer Begründung trägt die Kasse die Kosten des Eingriffs. Fragen Sie bei Wunsch nach einem bestimmten Verfahren, ob es Mehrkosten gibt.
Bei einem stationären Aufenthalt zahlen gesetzlich Versicherte eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 in Verbindung mit § 61 SGB V, ab 18 Jahren). Für Hilfsmittel wie Schienen oder Gehstützen gelten eigene Zuzahlungsregeln. Privat Versicherte klären Erstattung und Abrechnung nach GOÄ vorab mit ihrem Versicherer.
Checkliste
Fragen vor der OP
Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.
Häufige Fragen
Wann muss ein Leistenbruch operiert werden?
Bei Schmerzen oder drohender Einklemmung. Der operative Verschluss ist die einzige Möglichkeit, Einklemmungen zu verhindern. Brüche ohne Beschwerden besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Wird ein Leistenbruch ambulant operiert?
Häufig ja. Offene Verfahren gehen oft in örtlicher Betäubung, Schlüsselloch-Eingriffe werden zunehmend ebenfalls ambulant durchgeführt. Es hängt von Befund, Begleiterkrankungen und Betreuung zu Hause ab.
Was ist besser: Netz oder Naht?
Netzverfahren sollen bei größeren Bruchpforten eine niedrigere Rückfallrate haben als die Naht nach Shouldice. Welches Verfahren passt, entscheidet der Operateur mit Ihnen.
Wie lange darf ich nach der Leistenbruch-OP nicht heben?
Das legt der Operateur fest und hängt vom Verfahren ab. Fragen Sie nach einer konkreten Freigabe für Heben, Sport und Autofahren.
Was passiert, wenn ich den Leistenbruch nicht operieren lasse?
Der Bruch kann größer werden und im ungünstigen Fall einklemmen. Das ist ein Notfall mit Gefahr für den Darm.
Kann ein Leistenbruch zurückkommen?
Ja, Rückfälle sind möglich. Nach einem Rückfall wird häufig ein anderes Verfahren gewählt als beim ersten Mal.
Quellen
- Wikipedia: Leistenhernie (Indikation, Verfahren, Zahlen)
- Wikipedia: Ambulantes Operieren (AOP-Vertrag)
- § 115b SGB V (gesetze-im-internet.de)
- § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (gesetze-im-internet.de)
- § 47 SGB V Höhe des Krankengeldes (gesetze-im-internet.de)
- G-BA: Zweitmeinungs-Richtlinie (Zm-RL), Eingriffsliste
- § 27b SGB V Zweitmeinung (gesetze-im-internet.de)
Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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