Ratgeber · Häufige Eingriffe · Stand 24.10.2026
Gallenblase OP: Ablauf, Klinikdauer und Ernährung danach
Die Gallenblase wird entfernt, wenn Gallensteine Koliken oder Entzündungen verursachen. Steine ohne Beschwerden werden in der Regel nicht operiert. Rund 90 % der Gallenblasenentfernungen erfolgten 2018 per Schlüsselloch-Technik.
Hauptratgeber zum Thema Häufige Eingriffe: Häufige chirurgische Eingriffe: Überblick für Patienten
Wann wird die Gallenblase entfernt?
Viele Menschen haben Gallensteine, ohne es zu merken. Ohne Beschwerden ist eine Entfernung nicht angezeigt. Typisch für behandlungsbedürftige Steine sind wellenartige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch (Kolik).
Etwa 2 bis 4 von 100 Menschen mit Gallensteinen entwickeln innerhalb eines Jahres Beschwerden, rund die Hälfte der Betroffenen mit Kolik hat innerhalb von zwei Jahren erneut eine. Die Entfernung der Gallenblase ist der einzige Weg, Koliken und Komplikationen dauerhaft zu verhindern. Steindissolvierende Medikamente wirken nur bei kleinen Cholesterinsteinen und werden selten eingesetzt. Bei sehr großen Steinen oder einer Porzellangallenblase kann auch ohne Beschwerden eine Operation erwogen werden, weil das Krebsrisiko erhöht ist.
Die Gallenblasenentfernung gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland: Nach Angaben des IQWiG lassen sich jedes Jahr rund 175.000 Menschen die Gallenblase entfernen, meist wegen Steinen mit Beschwerden oder Komplikationen.
Die Gallenblasenentfernung gehört zu den häufigsten Operationen in Deutschland: Nach Angaben des IQWiG lassen sich jedes Jahr rund 175.000 Menschen die Gallenblase entfernen, meist wegen Steinen mit Beschwerden oder Komplikationen.
Warnzeichen, die ärztlich abgeklärt werden müssen
- starke, anhaltende Oberbauchschmerzen
- Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit Schmerzen
- gelbe Haut oder gelbe Augen, dunkler Urin, heller Stuhl (Hinweis auf Gallengangsteine)
- anhaltende Übelkeit mit Erbrechen
Die Gefahr einer Entzündung von Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse liegt bei Menschen mit Gallenkoliken bei rund 2 % pro Jahr, ohne Beschwerden bei etwa 0,2 %. Bei Fieber und Gelbfärbung nicht abwarten, sondern die Notaufnahme aufsuchen.
Ablauf der Gallenblasenentfernung in Schritten
- Diagnose: Ultraschall reicht meist aus. Bei Verdacht auf Gallengangsteine können Endosonografie, ERC oder MRC folgen.
- Aufklärung: Ärztin oder Arzt erklärt Verfahren, Risiken und Alternativen. Zur Zweitmeinung dürfen Sie fragen.
- Narkose: Der Eingriff erfolgt in der Regel in Allgemeinnarkose, die Anästhesie klärt das mit Ihnen.
- Schlüsselloch-Operation: Über einen kleinen Zugang nahe dem Nabel wird die Kamera eingeführt, dazu kommen meist zwei bis drei weitere Zugänge. Die Gallenblase wird in einem Bergebeutel entfernt.
- Offene Operation: Bei Komplikationen oder Verwachsungen wird auf einen etwa 10 cm langen Schnitt unter dem rechten Rippenbogen gewechselt.
- Aufwachraum und Station: Überwachung, Schmerztherapie, erster Kostaufbau.
- Kontrolle und Fadenzug: je nach Naht und Hausvorgaben.
Wie lange bleibe ich in der Klinik?
Zur Dauer des Klinikaufenthalts gibt es in den hier ausgewerteten Nachschlagewerken keine einheitliche Zahl. Sie hängt vom Verlauf, von Begleiterkrankungen und davon ab, ob der Eingriff geplant oder bei akuter Entzündung erfolgt. Fragen Sie vor der Operation, ob sie ambulant oder mit kurzer Übernachtung geplant ist und wie die Nachsorge zu Hause aussieht.
Ernährung nach der Gallenblasenentfernung
Die Galle fließt nach der Operation direkt aus der Leber in den Darm, ohne gespeichert zu werden. Viele vertragen anfangs fettreiche Mahlzeiten schlechter. Praktisch bewährt, aber individuell zu klären:
- mehrere kleinere Mahlzeiten statt weniger großer
- anfangs leichte Kost, Fett schrittweise steigern
- auf persönliche Unverträglichkeiten achten und Beschwerden notieren
Bei anhaltendem Durchfall, Schmerzen oder Gewichtsverlust sprechen Sie Ihre Ärztin an. Eine Diät für alle gibt es nicht.
Wer zahlt während der Krankschreibung?
Wie lange Sie nach der Gallenblasenentfernung ausfallen, legt die Ärztin oder der Arzt nach Verlauf und Tätigkeit fest. Für Beschäftigte gilt während der Arbeitsunfähigkeit:
| Phase | Wer zahlt | Grundlage |
|---|---|---|
| Bis zu 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit | Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung) | § 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Voraussetzung | Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen | § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Danach bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit | Krankenkasse (Krankengeld), 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts, höchstens 90 % des Nettoentgelts | § 47 Abs. 1 SGB V |
Wer zahlt während der Krankschreibung?
Wie lange Sie nach der Gallenblasenentfernung ausfallen, legt die Ärztin oder der Arzt nach Verlauf und Tätigkeit fest. Für Beschäftigte gilt während der Arbeitsunfähigkeit:
| Phase | Wer zahlt | Grundlage |
|---|---|---|
| Bis zu 6 Wochen Arbeitsunfähigkeit | Arbeitgeber (Entgeltfortzahlung) | § 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Voraussetzung | Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens 4 Wochen ununterbrochen | § 3 Abs. 3 Entgeltfortzahlungsgesetz |
| Danach bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit | Krankenkasse (Krankengeld), 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts, höchstens 90 % des Nettoentgelts | § 47 Abs. 1 SGB V |
Vorbereitung, Nachsorge und Kosten
Vorbereitung auf den Eingriff
Die genauen Vorgaben nennt immer die Praxis oder Klinik. Allgemein gilt bei planbaren Eingriffen:
- Medikamente: Gerinnungshemmer, Diabetesmittel und Blutdruckmedikamente nur nach Rücksprache absetzen oder weiternehmen.
- Nüchternheit: Bei Narkose nennt das Narkoseteam die Zeiten, ab denen Sie nichts mehr essen und trinken dürfen. Bei örtlicher Betäubung gelten oft lockerere Regeln.
- Unterlagen: Überweisung, Versichertenkarte, Befunde, Bildgebung, Medikamentenplan, Allergiepass.
- Begleitung: Nach einer Narkose oder Sedierung sollten Sie abgeholt werden und die erste Nacht nicht allein sein.
- Zu Hause: Bequeme Kleidung, Kühlpacks, Schmerzmittel nach Plan und gegebenenfalls Hilfe im Haushalt vorbereiten.
Zweitmeinung und Alternativen abwägen
Die Cholezystektomie steht auf der Eingriffsliste der Zweitmeinungs-Richtlinie des G-BA. Bei einem planbaren Eingriff haben gesetzlich Versicherte deshalb Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung (§ 27b SGB V). Die Ärztin oder der Arzt, der die Entfernung empfiehlt, muss mündlich über dieses Recht aufklären, in der Regel mindestens 10 Tage vor dem geplanten Eingriff. Die Zweitmeinung darf nicht von der Stelle kommen, die operieren würde. Nicht erfasst sind Entfernungen bei akutem Abdomen, bei einer Tumorerkrankung der Gallenblase oder im Rahmen einer Tumoroperation im Bauchraum.
Fragen, die sich vor der Entscheidung lohnen: Passen meine Beschwerden wirklich zu den Steinen? Gab es bereits eine Entzündung? Gibt es Hinweise auf Steine im Gallengang? Wie viele Koliken hatte ich?
Kosten und Kasse
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt medizinisch notwendige Leistungen. Die Gallenblasenentfernung ist bei Beschwerden eine Kassenleistung.
Bei einem stationären Aufenthalt zahlen gesetzlich Versicherte eine Zuzahlung von 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (§ 39 Abs. 4 in Verbindung mit § 61 SGB V, ab 18 Jahren). Für Hilfsmittel wie Schienen oder Gehstützen gelten eigene Zuzahlungsregeln. Privat Versicherte klären Erstattung und Abrechnung nach GOÄ vorab mit ihrem Versicherer.
Nach der Operation: Wann sollten Sie sich melden?
Leichte Schmerzen an den Zugängen und ein Druckgefühl im Bauch sind nach dem Eingriff normal. Melden Sie sich bei der Klinik oder Ihrem Arzt, wenn Fieber, zunehmende Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Gelbfärbung der Haut, gerötete oder nässende Wunden oder Atemnot auftreten. Heben Sie in der ersten Zeit nach Vorgabe nicht schwer. Der Operateur sagt Ihnen, wann Sport und volle Belastung wieder möglich sind. Bewegen Sie sich früh, um Thrombosen vorzubeugen.
- Entlassbrief und Medikamentenplan aufbewahren
- Kontrolltermin für Wunde und Fäden einplanen
- Beschwerden beim Essen kurz notieren
Checkliste
Fragen vor der OP
Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.
Häufige Fragen
Muss man bei Gallensteinen immer die Gallenblase entfernen?
Nein. Steine ohne Beschwerden werden in der Regel nicht operiert. Bei Koliken, Entzündung oder Gallengangsteinen ist die Entfernung der einzige dauerhafte Weg, Komplikationen zu verhindern.
Wie läuft eine Gallenblasen-OP ab?
Meist als Schlüsselloch-Operation in Vollnarkose über einen Zugang am Nabel und weitere kleine Zugänge. Die Gallenblase wird in einem Beutel entfernt. Selten ist ein offener Schnitt nötig.
Wie viele Gallenblasen werden laparoskopisch entfernt?
Rund 90 % der Gallenblasenentfernungen erfolgten 2018 per Schlüsselloch-Technik.
Kann man ohne Gallenblase normal essen?
In der Regel ja. Anfangs vertragen manche fettreiche Speisen schlechter. Mehrere kleine Mahlzeiten können helfen.
Wann ist eine Gallenkolik ein Notfall?
Bei Fieber, Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklem Urin oder hellem Stuhl und anhaltenden starken Schmerzen. Dann zeitnah in die Notaufnahme.
Gibt es eine Alternative zur Operation?
Schmerzmittel und krampflösende Mittel lindern die Kolik. Auflösende Medikamente wirken nur bei kleinen Cholesterinsteinen. Eine dauerhafte Lösung ist die Entfernung der Gallenblase.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Gallensteine
- Wikipedia: Cholezystektomie
- § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (gesetze-im-internet.de)
- § 47 SGB V Höhe des Krankengeldes (gesetze-im-internet.de)
- G-BA: Zweitmeinungs-Richtlinie (Zm-RL), Eingriffsliste
- § 27b SGB V Zweitmeinung (gesetze-im-internet.de)
Zuletzt geprüft am 24.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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