Ratgeber · Spezialgebiete der Chirurgie · Stand 25.10.2026
Dupuytren-Kontraktur: Operation, Verfahren, Nachbehandlung und Rückfälle
Bei Morbus Dupuytren verhärtet und verkürzt sich das Bindegewebe der Handfläche, einzelne Finger lassen sich nicht mehr ganz strecken. Behandelt wird in der Regel erst, wenn die Streckung deutlich eingeschränkt ist, denn die Behandlung bessert die Streckung, heilt die Erkrankung aber nicht. Zur Wahl stehen vor allem die Nadelfasziotomie und die Fasziektomie. Alle Verfahren können Rückfälle haben, daher gehört Handtherapie dazu.
Hauptratgeber zum Thema Spezialgebiete der Chirurgie: Handchirurgie: Häufige Erkrankungen und Verletzungen der Hand im Überblick
Was ist Morbus Dupuytren?
Morbus Dupuytren ist eine gutartige Bindegewebserkrankung der Hohlhand. Zuerst bilden sich kleine, tastbare Knoten in der Handfläche, später Stränge, die in Richtung Finger ziehen. Wenn sich die Stränge verkürzen, werden die betroffenen Finger zur Handfläche gezogen und lassen sich nicht mehr gerade strecken. Am häufigsten betrifft das den Ring- und den Kleinfinger.
Die Erkrankung verläuft in Schüben, oft über Jahre. Schmerzen sind im Gegensatz zu vielen anderen Handerkrankungen meist gering, im Vordergrund steht die Bewegungseinschränkung. Als Risikofaktoren werden Veranlagung in der Familie, höheres Alter, männliches Geschlecht sowie Diabetes mellitus und Alkoholkonsum diskutiert. Eine einzelne sichere Ursache ist nicht bekannt.
Typische Zeichen sind:
- Knoten oder Dellen in der Handfläche
- Strangartige Verhärtungen, die zu den Fingern ziehen
- Finger, die sich nicht mehr vollständig strecken lassen
- Probleme beim Händeschütteln, beim Handschuhanziehen oder beim Greifen von Gegenständen
Ein schmerzhafter Knoten oder eine plötzliche Schwellung kann auch andere Ursachen haben. Lassen Sie solche Beschwerden ärztlich abklären.
Wann wird operiert?
Solange die Hand flach mit der Handfläche nach unten auf dem Tisch liegt, ist nach den Merkblättern von Handchirurgie-Zentren in der Regel keine Behandlung nötig. Dieser sogenannte Tischtest ist eine Faustregel. Kann die Hand nicht mehr flach aufgelegt werden, wird über eine Behandlung gesprochen. Operiert wird nicht, weil Knoten tastbar sind, sondern wenn die Funktion eingeschränkt ist. Als Orientierung nennt eine Schweizer Handchirurgie eine Beugekontraktur ab etwa 30 Grad, ein Münchner Universitätsklinikum meist ab 30 bis 40 Grad. Eine verbindliche Grenze gibt es nicht, sie wird im Einzelfall festgelegt.
Zu langes Warten kann den Eingriff dagegen aufwendiger machen, weil bei stark fortgeschrittenem Befund oft zusätzlich Haut ersetzt werden muss. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie betont, dass nicht jeder Knoten und jeder Strang operiert werden muss.
Welche Verfahren gibt es?
Es gibt mehrere Verfahren, die sich in Eingriffstiefe, Erholungszeit und Rückfallrisiko unterscheiden. Die Tabelle zeigt die Grundprinzipien.
| Verfahren | Prinzip | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Nadelfasziotomie | Strang wird mit einer Nadel durch die Haut an mehreren Stellen durchtrennt | Wenig Schnitt, kurze Erholung, in Studien die höchste Rückfallneigung |
| Limitierte (partielle) Fasziektomie | Operative Entfernung des erkrankten Gewebes über Hautschnitte | Länger andauernde Nachbehandlung, in Studien mittelfristig stabilere Ergebnisse |
| Kollagenase-Injektion | Enzym löst den Strang auf, danach wird der Finger gestreckt | In der EU seit 2020 nicht mehr zugelassen (Widerruf Dezember 2019, wirksam ab 1. März 2020), nach Angaben einer Universitätsklinik nur per Import aus den USA und mit hohen Kosten |
| Ausgedehnte Verfahren, Hautersatz | Bei Rückfällen oder weit fortgeschrittenen Befunden | Größerer Eingriff, individuelle Planung |
Eine 2024 in den Annals of Internal Medicine berichtete randomisierte Studie fand die Fasziektomie mittelfristig überlegen gegenüber Nadelfasziotomie und Enzymbehandlung, auch wenn alle Verfahren die Streckhemmung zunächst ähnlich gut beheben konnten. Eine Studie ersetzt nicht die Beratung im Einzelfall: Befund, Alter, Beruf und Erwartung spielen mit.
Wie läuft die Operation ab?
Eine Fasziektomie wird in der Regel in Plexusanästhesie (Betäubung des Arms) oder in Allgemeinnarkose durchgeführt, oft mit Blutleere am Oberarm. Der Ablauf im Überblick:
- Vorgespräch, Aufklärung, Prüfung von Blutverdünnern und Vorerkrankungen
- Hautschnitte in der Hohlhand oder am Finger, häufig im Zickzack, damit die Narbe nicht zieht
- Entfernung des erkrankten Gewebes unter Schonung von Nerven und Gefäßen
- Prüfung der Streckung, Hautnaht und Verband mit Schiene
Der Eingriff dauert je nach Ausmaß etwa eine halbe bis zwei Stunden. Er erfolgt häufig ambulant, bei ausgedehnten Befunden oder Begleiterkrankungen kann ein stationärer Aufenthalt sinnvoll sein. Mögliche Komplikationen sind Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Gefühlsstörungen an den Fingern durch Reizung oder Verletzung der Fingernerven, Schwellungen und seltene Durchblutungsstörungen. Die Aufklärung nennt Ihre persönlichen Risiken.
Wie sieht die Nachbehandlung aus?
Die Nachbehandlung ist bei der Dupuytren-Kontraktur ein wesentlicher Teil der Behandlung. Merkblätter einer Klinik nennen als Bausteine Narbenbehandlung, Bewegungstherapie und eine Streckschiene. Als Beispiel wird in einem Schweizer Merkblatt eine Streckschiene für etwa sechs Wochen genannt, dazu eine Nachtschiene über mehrere Monate, ein Münchner Universitätsklinikum nennt etwa drei bis sechs Monate Nachtschiene. Welche Dauer bei Ihnen gilt, bestimmt das Behandlungsteam.
- Handtherapie (Ergotherapie) auf ärztliche Verordnung, oft über Wochen
- Tägliches Übungsprogramm zu Hause
- Narbenpflege, Narbenmassage nach Freigabe
- Hochlagern der Hand bei Schwellung
- Fäden werden nach der Wundheilung gezogen, meist nach etwa zwei Wochen
Fehlen kann man je nach Beruf mehrere Wochen. Wie lange Sie krankgeschrieben werden, legt die Praxis anhand von Befund und Tätigkeit fest. Bei Nadelfasziotomie ist die Erholungszeit oft kürzer. Allgemeine Hinweise zur Wundheilung finden Sie im Ratgeber zu Fadenzug und Wundheilung.
Wie häufig kommt Dupuytren zurück?
Morbus Dupuytren ist eine Erkrankung mit Wiederkehr-Neigung. Man unterscheidet das Rezidiv am operierten Finger und das Auftreten an anderen Fingern oder der anderen Hand. Gewebe kann sich erneut verdicken, auch wenn der Eingriff gut verlaufen ist. Zahlen unterscheiden sich stark nach Studie, Definition des Rückfalls und Zeitraum. Übersichtsarbeiten berichten, dass die Nadelfasziotomie häufiger zu Rückfällen führt als die Fasziektomie, nennen aber sehr unterschiedliche Prozentwerte. Wir geben deshalb keine einzelne Zahl an.
Was Sie tun können:
- Kontrolltermine wahrnehmen, auch wenn der Finger gerade ist
- Schiene und Übungen wie verordnet durchführen
- Neue Knoten oder wieder zunehmende Beugung früh zeigen
- Bei Rückfall frühzeitig alle Optionen besprechen
Was zahlt die Kasse, und wann holt man eine Zweitmeinung ein?
Medizinisch notwendige Behandlungen der Dupuytren-Kontraktur sind in der Regel Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Enzymbehandlung mit Kollagenase ist in der EU nicht mehr zugelassen und wird, wenn überhaupt, nur über Import angeboten. Klären Sie bei solchen Sonderwegen vorab schriftlich mit der Kasse, ob Kosten übernommen werden. Heilmittel wie Ergotherapie werden ärztlich verordnet, dafür fällt eine gesetzliche Zuzahlung an.
Eine Zweitmeinung ist sinnvoll, wenn Ihnen ein ausgedehnter Eingriff empfohlen wird oder Sie unsicher sind, ob schon operiert werden sollte. Es gibt keinen Zwang, sich sofort zu entscheiden. Suchen Sie dazu eine weitere Praxis mit Handchirurgie auf, im Verzeichnis finden Sie passende Einträge in Ihrer Stadt.
Checkliste
Fragen vor der OP
Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.
Häufige Fragen
Was ist Morbus Dupuytren?
Eine gutartige Erkrankung des Bindegewebes der Hohlhand. Knoten und Stränge verkürzen sich, sodass einzelne Finger nicht mehr ganz gestreckt werden können, meist Ring- und Kleinfinger.
Wann sollte Dupuytren operiert werden?
Wenn die Streckung der Finger deutlich eingeschränkt ist, etwa wenn die Hand nicht mehr flach auf dem Tisch liegt. Die genaue Grenze wird im Einzelfall festgelegt, eine einheitliche Gradzahl gibt es nicht.
Kann man Dupuytren ohne Operation behandeln?
Knoten ohne Funktionseinschränkung werden beobachtet. Die Nadelfasziotomie ist eine Alternative zur offenen Operation. Eine Rückbildung der Stränge durch Salben oder Training ist nicht belegt.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Dupuytren-OP?
Die Wunde heilt in einigen Wochen, die Nachbehandlung mit Schiene und Übungen dauert oft mehrere Monate. Wann Sie wieder voll belasten dürfen, sagt Ihnen das Behandlungsteam.
Kommt Dupuytren nach der Operation wieder?
Ja, Rückfälle sind bei allen Verfahren möglich. Sie treten bei der Nadelfasziotomie in Studien häufiger auf als nach einer Fasziektomie. Regelmäßige Kontrollen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Wie lange bin ich nach einer Dupuytren-OP krankgeschrieben?
Das hängt vom Verfahren und Beruf ab. Nach Nadelfasziotomie oft kürzer, nach Fasziektomie mehrere Wochen, bei körperlicher Arbeit länger. Die Dauer legt die behandelnde Praxis individuell fest.
Welcher Arzt behandelt Morbus Dupuytren?
Handchirurginnen und Handchirurgen, also Fachärzte für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie oder Plastische Chirurgie mit Zusatz-Weiterbildung Handchirurgie. Als erste Anlaufstelle dient der Hausarzt.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie: Patientenflyer Tag der Hand 2026 (Dupuytren)
- Balgrist Hand: Dupuytrensche Kontraktur (Patienteninformation)
- LMU Klinikum: Flyer Dupuytrensche Kontraktur
- Deutsches Ärzteblatt: Dupuytren Kontraktur, Operation erzielt mittelfristig bessere Ergebnisse
- Outcomes of limited fasciectomy, needle fasciotomy and collagenase injection (Metaanalyse 2025)
- EMA: Xiapex (Kollagenase), Zulassung in der EU widerrufen
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.
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