Ratgeber · Bauch, Enddarm und Venen · Stand 25.10.2026

Steißbeinfistel OP: Verfahren, Wundheilung und Rückfälle

Eine Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) ist eine chronische Entzündung der Haut in der Gesäßfalte. Standard der chronischen Form ist die operative Entfernung. Offene Wundbehandlung ist sicher, braucht aber lange; Verschiebelappen wie Karydakis oder Limberg sind etablierte Alternativen.

Was ist eine Steißbeinfistel?

Die Steißbeinfistel, auch Pilonidalsinus oder Haarnestfistel, ist eine entzündliche Veränderung in der Gesäßfalte über dem Steißbein. Eingewachsene oder in die Haut eingedrungene Haare lösen eine Fremdkörperreaktion aus. Es entstehen kleine Grübchen (Pits) und Gänge unter der Haut, die sich entzünden und Abszesse bilden können.

Betroffen sind überwiegend junge Erwachsene, mehr Männer als Frauen. Risikofaktoren sind starke Körperbehaarung, tiefe Gesäßfalte, viel Sitzen, Übergewicht und Reibung. Die Häufigkeit wird in der Literatur unterschiedlich angegeben; Zahlen von etwa 26 bis 48 Fällen je 100.000 Einwohner kursieren und sind nicht einheitlich belegt.

Typische Zeichen:

  • Schmerzen und Druckgefühl beim Sitzen
  • kleine Öffnungen in der Mittellinie der Gesäßfalte, aus denen Sekret oder Eiter austritt
  • Rötung, Schwellung und Überwärmung bei Entzündung
  • Fieber und starke Schmerzen bei einem Abszess

Lassen Sie Beschwerden in der Gesäßfalte ärztlich abklären. Andere Ursachen, etwa Analfisteln oder Furunkel, brauchen eine andere Behandlung.

Akuter Abszess oder chronische Fistel: Wo liegt der Unterschied?

Die Behandlung hängt davon ab, ob ein akuter Abszess oder eine chronische Fistel vorliegt.

FormZeichenVorgehen
Akuter Abszesspralle, schmerzhafte, gerötete Schwellung, oft FieberEntlastung durch Eröffnung, über eine definitive Operation wird später entschieden
Chronischer SinusPits, Sekret, wiederholte Entzündungengeplante Operation, einzeitig, etwa Exzision oder Verschiebelappen

Beim akuten Abszess wird zuerst der Eiter entlastet. Die definitive Operation folgt, falls nötig, erst nach Abklingen der Entzündung. Bei chronischen Formen ist ein einzeitiges Vorgehen üblich. Ein Abszess ist schmerzhaft und kann sich ausbreiten; suchen Sie daher am selben Tag eine Praxis oder Notaufnahme auf.

Operationsverfahren: offen oder geschlossen?

Nach der S3-Leitlinie ist die operative Entfernung (Exzision) der Standard bei der chronischen Form. Die offene Wundbehandlung mit Heilung von innen nach außen ist sicher hinsichtlich Komplikationen, geht aber mit langer Heilungszeit, Arbeitsunfähigkeit und einer nicht zu vernachlässigenden Rückfallrate einher. Empfohlen wird, die Exzision auf das notwendige Maß zu begrenzen.

VerfahrenBeschreibungMerkmale
Offene ExzisionGewebe wird entfernt, Wunde bleibt offensicher, aber lange Wundheilung, tägliche Wundpflege
Primärer Verschluss in der MittellinieWunde wird in der Mittellinie genähtschnellere Heilung, aber höheres Risiko für Wundheilungsstörung
Karydakis-PlastikExzision und seitliche Verlagerung der Naht aus der MittellinieRückfälle in älteren Angaben etwa 2 %
Limberg-Plastikrautenförmiger VerschiebelappenRückfälle in älteren Angaben etwa 5 %
Pit-PickingEntfernung nur der Grübchen über kleine Schnittekleiner Eingriff, höheres Rückfallrisiko als Exzisionsverfahren

Die Zahlen zu Karydakis (2 % bei 7.471 Eingriffen) und Limberg (5 %) nennt die Einleitung einer Metaanalyse von 2019 als frühere Angaben; sie stammen nicht aus einem direkten Vergleich. In der Metaanalyse selbst zeigte sich zwischen beiden Lappenplastiken kein bedeutsamer Unterschied bei den Rückfällen, und die Autoren fordern bessere Studien. Karydakis und Limberg gehören zu den häufigsten Verfahren mit Verschluss außerhalb der Mittellinie.

Wundheilung und Krankschreibung

Die Heilungsdauer unterscheidet sich stark nach Verfahren. Offene Wunden heilen häufig über viele Wochen bis mehrere Monate, was tägliche Wundpflege erfordert. Verschiebelappen heilen häufig schneller, haben aber Nähte, die belastet werden können. Kleine Eingriffe wie Pit-Picking erlauben eine rasche Rückkehr in den Alltag.

  • Offene Exzision: oft längere Arbeitsunfähigkeit, abhängig vom Beruf
  • Verschiebelappen: Dauer abhängig von Wundverlauf und Tätigkeit
  • Pit-Picking: als kleiner Eingriff meist kürzere Ausfallzeit

Verbindliche Zeiten gibt es nicht; die Praxis legt sie im Einzelfall fest. Wer viel sitzt, etwa im Büro oder am Steuer, braucht eventuell eine Sitzauflage oder einen angepassten Arbeitsplatz.

Nach dem Eingriff helfen:

  • regelmäßige Wundkontrolle und Verbandwechsel nach Anweisung
  • Sitzbäder und sanfte Reinigung
  • Druckentlastung beim Sitzen
  • Haarentfernung im Operationsgebiet nach Rücksprache

Wie hoch ist das Rückfallrisiko, und wie beugen Sie vor?

Die Steißbeinfistel gilt als Erkrankung mit hoher Rückfallneigung. Wie hoch das Risiko ist, hängt vom Verfahren, von der Nachsorge und von individuellen Faktoren ab. Ältere Angaben nennen für Karydakis etwa 2 % und für Limberg etwa 5 %; nach Pit-Picking sind Rückfälle häufiger als nach Exzision. Eine Metaanalyse fand zwischen Karydakis und Limberg keinen bedeutsamen Unterschied. Eine Garantie gibt es für kein Verfahren.

Was das Risiko senken kann:

  • konsequente Haarentfernung im Bereich der Gesäßfalte, etwa durch Laser oder Epilation; besprechen Sie Methode und Zeitpunkt mit Ihrem Team
  • sorgfältige Hygiene und Trockenhalten der Gesäßfalte
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Sitzpausen und Druckentlastung bei langem Sitzen
  • Rasieren wird in den Quellen unterschiedlich bewertet; fragen Sie Ihr Team, ob es für Sie sinnvoll ist

Bei erneuten Beschwerden, Rötung oder Sekret gehen Sie frühzeitig zur Kontrolle. Kleine Rückfälle lassen sich oft einfacher behandeln als ein ausgedehnter Abszess.

Ablauf und Vorbereitung auf die Operation

Vor einem geplanten Eingriff erfolgt ein ärztliches Gespräch. Dabei geht es um Vorerkrankungen, Medikamente (besonders Blutverdünner), Narkoseform und die Wahl des Verfahrens. Der Eingriff findet in Narkose oder Teilbetäubung statt, häufig ambulant oder mit ein bis zwei Nächten im Krankenhaus.

  1. Aufklärung über Verfahren, Alternativen und Risiken
  2. Nüchternheit und gegebenenfalls Rasur der Umgebung nach Anweisung
  3. Operation, Dauer je nach Verfahren
  4. Nachbeobachtung, Entlassung mit Verbandsanleitung
  5. Kontrolltermine und Wundpflege zu Hause

Zu den Risiken zählen Nachblutung, Wundinfektion, Wundheilungsstörung, Narbenbildung und Rückfall. Melden Sie Fieber, eitrigen Ausfluss oder zunehmende Schmerzen umgehend.

Berufsperspektive: Wundversorgung und Spezialisierung

Die Behandlung der Steißbeinfistel ist ein typischer Bereich der Allgemein- und Viszeralchirurgie und der Proktologie. Fachärztinnen und Fachärzte mit Schwerpunkt Wundheilung und Proktologie begleiten Betroffene oft über Monate. Medizinische Fachangestellte (MFA) übernehmen in chirurgischen Praxen Verbandwechsel, Wundkontrollen und die Beratung zu Hygiene und Sitzentlastung. Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten (OTA) unterstützen bei Lappenplastiken und Wundverschlüssen. Wer langfristige Wundbegleitung mag, findet hier ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Was ist eine Steißbeinfistel?

Eine chronische Entzündung der Haut in der Gesäßfalte über dem Steißbein, ausgelöst durch eingewachsene Haare. Es entstehen kleine Gänge, die sich entzünden und Abszesse bilden können.

Wann muss eine Steißbeinfistel operiert werden?

Beim akuten Abszess sofort zur Entlastung, bei der chronischen Form meist geplant. Die S3-Leitlinie sieht die Exzision als Standard der chronischen Form. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt.

Wie lange dauert die Wundheilung nach einer Steißbeinfistel-OP?

Bei offener Behandlung oft mehrere Wochen bis Monate, nach Verschiebelappen meist kürzer. Die Dauer hängt von Verfahren, Wunde und Gesundheitszustand ab.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Das hängt vom Verfahren ab: Nach offener Exzision meist länger, nach Pit-Picking als kleinem Eingriff meist kürzer. Die Praxis legt die genaue Dauer fest.

Wie hoch ist die Rückfallquote?

Ältere Angaben nennen etwa 2 % für Karydakis und 5 % für Limberg; nach Pit-Picking sind Rückfälle häufiger. Die Studienlage ist uneinheitlich.

Kann ich einer Steißbeinfistel vorbeugen?

Hygiene, Haarentfernung im Bereich der Gesäßfalte, Gewichtsreduktion und Sitzpausen können helfen. Sicher verhindern lässt sie sich nicht. Besprechen Sie die Methode der Haarentfernung mit Ihrem Team.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.