Ratgeber · Bauch, Enddarm und Venen · Stand 25.10.2026

Analfissur: Behandlung, Salben und Operation

Eine Analfissur ist ein kleiner Einriss der Haut im After, der beim Stuhlgang stark schmerzt. Frische Einrisse heilen oft mit Stuhlregulierung und Salbe innerhalb von Wochen ab. Eine Operation wird erst erwogen, wenn die Fissur chronisch wird und die konservative Behandlung nicht ausreicht.

Was ist eine Analfissur und woran erkennen Sie sie?

Die Analfissur (Afterriss) ist ein längs verlaufender Einriss in der empfindlichen Haut des Analkanals. Meist sitzt sie in der Mitte hinten, seltener vorn. Auslöser ist oft harter Stuhl oder starkes Pressen. Danach verkrampft der innere Schließmuskel, die Durchblutung des Einrisses sinkt, und die Wunde heilt schlecht. So entsteht ein Kreislauf aus Schmerz, Krampf und verzögerter Heilung.

Typische Zeichen:

  • stechender oder brennender Schmerz beim und vor allem nach dem Stuhlgang, der Minuten bis Stunden anhalten kann
  • hellrotes Blut auf dem Papier oder auf der Stuhloberfläche
  • Angst vor dem Toilettengang, dadurch Verstopfung und neuer Teufelskreis
  • bei chronischem Verlauf: eine Hautfalte am Rand (Vorpostenfalte) und ein verhärteter Rand

Fachleute sprechen ab etwa sechs bis acht Wochen Bestehen von einer chronischen Analfissur. Blut am Stuhl hat verschiedene Ursachen, darunter Hämorrhoiden, entzündliche Darmerkrankungen und selten Tumoren. Lassen Sie Blutungen deshalb ärztlich abklären und behandeln Sie sich nicht allein mit frei verkäuflichen Mitteln.

Konservativ vor Operation: Was zuerst versucht wird

Die Behandlung folgt einem Stufenschema. Die meisten frischen Fissuren heilen ohne Operation. Nach einem Fachlexikon heilen 60 bis 90 % der akuten Fissuren unter konservativer Behandlung ab. Bei chronischen Fissuren fällt die Heilungsrate unter Salbentherapie niedriger aus.

StufeMaßnahmeZiel
1Ballaststoffe, ausreichend Trinken, weicher Stuhl, SitzbäderPressen vermeiden, Entspannung des Schließmuskels
2Salbe mit Calciumantagonist (Nifedipin oder Diltiazem), teils Nitrat-SalbeSchließmuskel entspannen, Durchblutung fördern
3Botulinumtoxin-Injektion in den Schließmuskelvorübergehende Entspannung bei Therapieversagen
4Operation (laterale Sphinkterotomie oder Fissurektomie)dauerhafte Druckentlastung bei chronischer Fissur

Bei hartem Stuhl wird oft Macrogol eingesetzt; ein generelles Verbot von Abführmitteln ist nicht begründet. Wirkstoff und Zubereitung der Salbe besprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, weil einige Mischungen als Rezeptur hergestellt werden und für diese Anwendung teils ohne Zulassung (Off-Label) verordnet werden.

Salben bei Analfissur: Wirkstoffe, Dauer, Nebenwirkungen

Lokal angewendete Calciumantagonisten gelten als Mittel der ersten Wahl bei chronischer Fissur. Bei chronischer Fissur werden sie meist etwa sechs bis acht Wochen angewendet; Häufigkeit und Dauer unterscheiden sich je nach Wirkstoff, und eine starre Regel gibt es nicht. Nitrat-Salben wirken ähnlich, verursachen aber häufiger Kopfschmerzen, die den Einsatz oft begrenzen.

  • Tragen Sie die Salbe in kleiner Menge am Analrand oder, wie verordnet, kurz im Analkanal auf.
  • Waschen Sie sich danach die Hände.
  • Brechen Sie die Behandlung nicht zu früh ab, auch wenn der Schmerz nachlässt.
  • Melden Sie Schwindel, anhaltende Kopfschmerzen oder Hautreizungen der Praxis.

Schmerzlindernde Salben mit Betäubungsmitteln können kurzzeitig helfen, heilen die Fissur aber nicht. Eine Heilung versprechen weder Salben noch andere Methoden; Rückfälle sind möglich, wenn der Stuhl weiter hart bleibt.

Botulinumtoxin und Operation: Wann wird operiert?

Hilft die Salbenbehandlung nach mehreren Wochen nicht, kommen Botulinumtoxin oder Operation infrage. Botulinumtoxin entspannt den Schließmuskel zeitweise. Es gilt als zweite Wahl nach erfolgloser Salbentherapie und wird off-label eingesetzt. Die kurzfristigen Ergebnisse sind gut, Rückfälle sind aber häufiger als nach einer Operation.

Die Operation ist bei chronischer Fissur oder wiederholten Rückfällen der nächste Schritt:

  • Laterale (innere) Sphinkterotomie: Ein kleiner Teil des inneren Schließmuskels wird durchtrennt, damit der Druck sinkt. Sie hat die höchsten Heilungsraten, wird aber wegen des Risikos einer Kontinenzstörung, etwa unkontrolliertem Windabgang oder leichtem Stuhlschmieren, erst nach erfolglosen anderen Maßnahmen erwogen.
  • Fissurektomie und plastische Verfahren: Die Fissur wird herausgeschnitten, teils mit Verschiebelappen. Sie sind eine Option, wenn das Kontinenzrisiko niedrig gehalten werden soll.

Die Wahl hängt von Alter, Geburten, Voroperationen und vorbestehender Schwäche des Schließmuskels ab. Besonders Frauen nach Entbindungen und Patienten mit geschwächtem Schließmuskel sollten Nutzen und Risiko genau abwägen. Lassen Sie sich Ziele, Alternativen und Risiken individuell erklären.

Wie lange dauert die Heilung?

Akute Fissuren heilen häufig innerhalb weniger Wochen ab. Bei chronischen Fissuren und Salbentherapie sind etwa sechs bis acht Wochen oder länger realistisch. Nach einer Operation lässt der Schmerz meist früh nach, die Wunde braucht aber einige Wochen zur vollständigen Heilung. Die Angaben sind Orientierungswerte.

Nach einer Operation gilt häufig:

  • Der Eingriff erfolgt oft ambulant in Narkose oder Teilbetäubung und ist meist kurz.
  • Sitzbäder und Stuhlregulierung begleiten die Heilung.
  • Die Arbeitsunfähigkeit hängt von Eingriff und Beruf ab; die genaue Dauer legt die Praxis fest.
  • Kontrolltermine prüfen die Wunde und die Schließmuskelfunktion.

Ohne Änderung der Gewohnheiten kehrt die Fissur leicht zurück. Ballaststoffreiche Kost, ausreichend Flüssigkeit und der Verzicht auf langes Pressen schützen.

Wann zum Proktologen? Ärztliche Abklärung

Gehen Sie zur ärztlichen Abklärung, wenn die Beschwerden länger als zwei bis drei Wochen anhalten, wenn Blutungen auftreten oder wenn Sie älter als 50 Jahre sind und erstmals Blut am Stuhl bemerken. Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis, Fachpraxen für Proktologie sowie chirurgische oder gastroenterologische Praxen. Die Untersuchung umfasst Befragung, Inspektion, Tastuntersuchung und eine Spiegelung (Proktoskopie), bei unklaren Befunden eine Darmspiegelung.

Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei Fieber, einer prallen schmerzhaften Schwellung am After oder starken Blutungen. Das kann auf einen Abszess oder eine andere Erkrankung hinweisen. Auch wiederkehrende Fissuren an ungewöhnlicher Stelle oder zusammen mit Durchfall und Gewichtsverlust sollten abgeklärt werden, weil Erkrankungen wie Morbus Crohn dahinterstecken können.

Berufsperspektive: Proktologie als Spezialgebiet

Proktologie ist ein Spezialgebiet innerhalb der Chirurgie, Gastroenterologie und Dermatologie. Fachärztinnen und Fachärzte können eine Zusatz-Weiterbildung Proktologie erwerben. Nach der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe sind zusätzlich zur Facharztkompetenz 12 Monate Proktologie unter Befugnis nötig; die Regeln der anderen Kammern können abweichen. Medizinische Fachangestellte (MFA) in proktologischen Praxen bereiten Untersuchungen vor, assistieren bei Proktoskopien und erklären die Anwendung von Salben. Das Fach verlangt Einfühlungsvermögen, weil viele Patienten ein Schamgefühl haben.

Checkliste

Fragen vor der OP

Zehn Fragen für das Aufklärungsgespräch. Haken setzen, sobald eine Frage geklärt ist. Die Haken werden weder gespeichert noch übertragen.

Ratgeber: Aufklärung und Einwilligung

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis eine Analfissur abheilt?

Akute Fissuren heilen häufig innerhalb weniger Wochen ab. Bei chronischen Fissuren sind mit Salbentherapie etwa sechs bis acht Wochen realistisch; sie können länger brauchen oder eine Operation erfordern.

Welche Salbe hilft bei einer Analfissur?

Häufig verordnet werden Salben mit Calciumantagonisten wie Nifedipin oder Diltiazem, die den Schließmuskel entspannen. Nitroglycerin-Salbe wirkt ähnlich, verursacht aber öfter Kopfschmerzen. Die Wahl trifft die Ärztin oder der Arzt.

Wann ist bei einer Analfissur eine Operation nötig?

Wenn die Fissur chronisch ist oder wiederkehrt und konservative Maßnahmen wie Salbe oder Botulinumtoxin nicht reichen. Die laterale Sphinkterotomie hat die höchsten Heilungsraten, birgt aber ein Risiko für Kontinenzstörungen.

Ist Blut am Stuhl bei einer Analfissur normal?

Hellrotes Blut ist typisch. Weil Blut aber auch andere Ursachen hat, etwa Hämorrhoiden oder Darmerkrankungen, sollten Sie es ärztlich abklären lassen, besonders beim ersten Auftreten oder ab dem mittleren Lebensalter.

Kann eine Analfissur von selbst heilen?

Ja, frische Fissuren heilen häufig mit weichem Stuhl und Sitzbädern ab. Bei Schmerzen, die länger als zwei bis drei Wochen anhalten, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.

Welche Ärztin oder welcher Arzt behandelt eine Analfissur?

Die Hausarztpraxis ist der erste Kontakt. Weiterführende Behandlung bieten Fachpraxen für Proktologie sowie chirurgische und gastroenterologische Praxen.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.